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Start-up Investment aus China für digitale Zahnmedizin aus Berlin

Plus Dental erhält 32 Millionen Euro von Investoren. Das Start-up vertreibt transparente Zahnschienen und will die Zahnmedizin digitaler machen. Doch es gibt Bedenken.
28.05.2020 - 08:57 Uhr Kommentieren
Das Medizintechnik-Start-up vertreibt durchsichtige Schienen zur Zahnkorrektur. Quelle: Plus Dental
Plus Dental

Das Medizintechnik-Start-up vertreibt durchsichtige Schienen zur Zahnkorrektur.

(Foto: Plus Dental)

Düsseldorf China weiß, wie Telemedizin funktioniert. Die Fernbehandlung gehört im asiatischen Land seit Jahren zum medizinischen Standard, auch dank des größten Versicherungskonzerns des Landes. Ping An betreibt neben dem Policen-Geschäft eine telemedizinische Plattform. Offenbar sehen die Chinesen bei der Digitalisierung der Zahnmedizin jetzt ein deutsches Unternehmen als Zukunftshoffnung.

Der „Global Voyager Fund“ von Ping An führt eine Finanzierungsrunde des Berliner Start-ups Plus Dental an. Wie Handelsblatt Inside vorab erfahren hat, haben die Berliner insgesamt satte 32 Millionen Euro an Kapital eingesammelt. Geldgeber sind neben Ping An der Momox-Gründer Christian Wegner, die Bestandsinvestoren Holtzbrinck-Ventures und Lakestar. Nach eigenen Angaben ist Plus Dental jetzt mit über 100 Millionen Euro bewertet.

Bislang vertreibt Plus Dental Aligner, also transparente Zahnschienen zur Korrektur von leichten bis mittleren Zahnfehlstellungen. Doch das sei nur der Anfang seiner Vision digitaler Zahnmedizin, sagt Plus-Dental-Chef Peter Baumgart: „Wir wollen durch Digitalisierung die ästhetische Zahnmedizin insgesamt verbessern und vereinfachen.“

Die digitalen Behandlungsverläufe bei den Alignern will das Start-up auf weitere Fälle ausbauen. „Als nächstes wollen wir unser Angebot durch künstlichen Zahnersatz ergänzen, den wir in unserem Dental-Labor bereits fertigen können“, sagt Baumgart. Das Kapital soll auch die internationale Expansion vorantreiben. Plus Dental ist bislang im deutschsprachigen Raum, Großbritannien und Spanien aktiv. Noch dieses Jahr sollen weitere europäische Länder hinzukommen.

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    Die digitale Behandlung bei Plus Dental läuft so: Das Start-up arbeitet mit 70 Zahnarztpraxen zusammen. Interessierte können dort per Interoralscan ein digitales 3D-Modell ihres Gebisses erstellen lassen. Die Plus-Dental-Zahntechniker erstellen auf Basis dessen einen Vorschlag für die Aligner-Behandlung, den der Zahnarzt anpassen kann. Außerdem entscheidet er, ob eine Aligner-Therapie überhaupt geeignet oder die Zahnfehlstellung zu gravierend ist.

    Behandlung per App

    Sind Aligner sinnvoll, erhält der Kunde gleich ein ganzes Set der Schienen, die Plus Dental im eigenen Berliner Dental-Labor mit 3D-Druckern fertigt. Die weitere Behandlung geschieht in der Regel dann ausschließlich aus der Ferne. Alle ein bis zwei Wochen tauscht der Nutzer seine Aligner aus.

    Die Schienen werden immer etwas enger, sodass sie die Zähne immer weiter in die gewünschte Richtung schieben. Die Plus-Dental-App erinnert die Kunden an den Austausch. Gleichzeitig beantworten sie in der App dann Fragen zum Behandlungsverlauf, die der Zahnarzt einsehen kann.

    Alle acht Wochen sind die Kunden dazu angehalten, Fotos ihres Mundraums in der App hochzuladen. Der Zahnarzt kontrolliert anhand dessen den Behandlungsfortschritt und kann bei Problemen Anweisungen über die App geben und den Kunden in die Praxis einbestellen. Mehrere Monate dauert die Behandlung, die Kosten liegen bei Plus Dental bei 1690 Euro und mehr.

    Marktführer bei transparenten Zahnschienen ist Align Technology. Doch seit Ablauf von mehreren Patenten im Jahr 2017 kommen immer mehr Start-ups, die der US-Firma Konkurrenz machen. Und auch insgesamt liegt die Fernbehandlung in der Zahnmedizin im Trend. Die reguläre Abrechnung für Zahnärzte ist schon möglich. Die Selbstverwaltung legt derzeit technische Standards fest.

    Doch während wirtschaftliche und technische Fragen damit weitgehend geklärt sind, bleiben medizinische Fragen offen. Zwar ist das Fernbehandlungsverbot aufgehoben. Doch herrscht Uneinigkeit, inwieweit das auf die Zahnmedizin übertragbar ist.

    Ausschließliche Fernbehandlung in der Kritik

    Besonders umstritten sind im Falle der Aligner-Anbieter ausschließliche Fernbehandlungen mit Selbstabdruck-Sets. Anstatt des Interoral-Scans in der Praxis können Kunden auch ein solches Set mit Alginat-Masse und Abdruck-Löffeln nach Hause bestellen. So können sie selbst den Abdruck erstellen, aus dem anstatt des 3D-Modells die Schienen gefertigt werden.

    Viele Aligner-Anbieter weichen von dieser Geschäftspraktik immer weiter zurück. Plus Dental bietet die Sets zwar weiter an, „weil wir Kunden, die noch außerhalb der Reichweite unserer Partnerpraxen liegen, nicht unser Angebot verwehren wollen“, sagt Baumgart. Durch das wachsende Netzwerk an Partnerpraxen mache der Direktvertrieb aber ohnehin nur noch einen Anteil am Geschäft im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus.

    Doch die grundsätzliche Frage bleibt: Wie weit kann Telemedizin in der Dentistik gehen? Denn Behandlungskontrollen per App befinden sich anders als die Abdruck-Sets auf dem Vormarsch. Hans-Jürgen Köning, Verbandsvorsitzender der Deutschen Kieferorthopäden, sagt: „Wird ohne ausreichende Diagnostik und ohne regelmäßige Kontrollen behandelt, kann dies zu erheblichen Gefahren für die Gesundheit des Patienten führen.“

    Köning sieht auch beim Partnerpraxen-Modell von Plus Dental nicht alle Zweifel ausgeräumt: „Um Patienten fachgerecht kieferorthopädisch behandeln zu können, reichen ein Scan und ein paar Aligner einfach nicht aus.“ Jegliche Kontrollen müssten vor Ort in der Praxis stattfinden.

    Baumgart entgegnet: „Unser Partnerzahnärzte berichten, dass die telemedizinische Behandlung wunderbar läuft.“ Im Falle von Plus Dental liegt letzten Endes die Verantwortung beim jeweiligen Zahnarzt – und beim Kunden, ob er seinem Arzt vertraut.

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    Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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