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Start-up T-Knife Frisches Geld für neue Krebstherapien

Das Interesse der Investoren an Biotech-Firmen bleibt hoch. Das Berliner Start-up T-Knife stärkt nun seine Ressourcen für die Entwicklung neuer Zelltherapien.
06.08.2020 - 15:21 Uhr Kommentieren
Die Konkurrenz in dem Bereich ist hart. Quelle: mauritius images / Cultura
Biotech-Forschung

Die Konkurrenz in dem Bereich ist hart.

(Foto: mauritius images / Cultura)

Frankfurt Neue Krebstherapien mit modifizierten T-Zellen des Immunsystems sorgten in den vergangenen Jahren für Furore in der Pharmabranche. Eine junge Berliner Biotechfirma, die 2018 gegründete T-Knife GmbH, will das Konzept nun mit einer neuen Variante erweitern – und hat sich dazu mit einer Finanzierungsrunde gerüstet.

Vier Wagniskapitalfonds, darunter die Gründungsinvestoren Andera Partners und der Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF), investieren zusammen 66 Millionen Euro in die gerade mal 18 Mitarbeiter große Firma, die vor zwei Jahren als Ausgründung aus dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin entstand.

T-Knife gelang damit die größte Serie-A-Finanzierung der letzten zwölf Monate in der europäischen Biotech-Szene. Als Serie A werden die ersten größeren Kapitalerhöhungen nach der anfänglichen Start-up-Finanzierung bezeichnet. Zur Bewertung äußerte sich das Unternehmen nicht.

Die Transaktion zeigt aber das weiter hohe Interesse an innovativen Zelltherapien gegen Krebs. Sie bestätigt zudem das generell verbesserte Finanzierungsklima für Biotechfirmen in Deutschland, das zuletzt vor allem durch die Aktivitäten der Covid-Impfstoff-Entwickler Biontech und Curevac befeuert wurde. Sie haben sich in den vergangenen Wochen jeweils mehr als 500 Millionen Euro durch verschiedene Aktienemissionen beschafft. Aber auch andere Firmen konnten frisches Kapital einsammeln. Die Münchener Immunic etwa holte jüngst mehr als 70 Millionen Euro mit einer Folgeplatzierung an der Nasdaq.

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    Bei T-Knife sind nun die US-Risikokapitalfirmen Versant Ventures und RA Capital mit jeweils 24 Millionen Euro als Lead-Investoren der Finanzierungsrunde eingestiegen. Andera und BIVF investierten zusammen zusätzliche 18 Millionen Euro.

    Das ursprünglich geplante Volumen von 40 Millionen Euro werde damit deutlich überschritten, sagte Olivier Litzka, der als Partner bei Andera die Biotechinvestments des französischen Finanzinvestors betreut und dem Aufsichtsrat von T-Knife angehört. „Das ist schon ein außergewöhnlicher Erfolg für eine so kleine, neue Firma.“

    Zellen im Kampf gegen den Krebs

    T-Knife will die neuen Mittel vor allem für eine klinische Phase-1-Studie mit dem am weitesten vorangeschrittenen Projekt nutzen. „Darüber hinaus wollen wir drei weitere Produkte in die klinischen Tests bringen“, so Firmenchefin und Mitgründerin Elisa Kieback. Mit der gestärkten Finanzkraft und dem erweiterte Investorennetzwerk im Rücken plant das Berliner Start-up zudem, auch ein Standbein in den USA aufzubauen und ein „transatlantisches Unternehmen“ zu werden.

    T-Zellen zählen zu den weißen Blutzellen und spielen eine bedeutende Rolle im Immunsystem. Sie sind in der Lage, mit ihren Rezeptoren körperfremde Moleküle zu erkennen, wenn diese in bestimmter Form auf der Oberfläche anderer Zellen präsentiert werden. In diesem Fall lösen T-Zellen weitere Immunreaktionen aus und sind auch in der Lage, die betreffenden Zellen, also etwa Bakterien oder virusbefallene Körperzellen, selbst zu zerstören.

    Diese Eigenschaft versuchen Mediziner verstärkt im Kampf gegen Krebs zu nutzen, indem sie T-Zellen gentechnisch mit künstlichen Rezeptoren ausstatten, die Tumorzellen erkennen und für deren Zerstörung sorgen.

    Neue Therapien  sorgten in den vergangenen Jahren für Furore in der Pharmabranche. Quelle: mauritius images / Science Photo Library
    Prostatakrebszellen

    Neue Therapien sorgten in den vergangenen Jahren für Furore in der Pharmabranche.

    (Foto: mauritius images / Science Photo Library)

    Die ersten Produkte, die aus solchen Konzepten hervorgingen, sogenannte Car-T-Zell-Therapien, zeigten insbesondere bei einigen Blutkrebsarten wie B-Zell-Lymphomen erstaunlich gute Wirkung. Zwei solcher Produkte, Kymriah von Novartis und Yescarta vom US-Konzern Gilead, sind inzwischen auf dem Markt. Bei soliden Tumoren wie Brust-, Lungen- oder Magenkrebs haben T-Zell-Therapien dagegen bisher weitgehend versagt.

    Diese Schwäche wollen die Forscher von T-Knife überwinden, indem sie das Verfahren mit verbesserten T-Zell-Rezeptoren auf eine breitere Basis stellen. Grundlage sind dabei genetisch modifizierte Mäuse, die in der Lage sind, menschliche T-Zell-Rezeptoren zu generieren. Diese eignen sich nach Einschätzung des Unternehmens besonders gut, um tumorspezifische Marker von Krebszellen zu erkennen. Entsprechend ausgerüstete T-Zellen, so die Erwartung, können daher Tumorzellen besonders präzise aus dem Gewebe herausschneiden.

    Die eigentliche Behandlung wird dabei ähnlich kompliziert und aufwendig sein wie bei den bereits etablierten Car-T-Zell-Therapien: So müssen zunächst T-Zellen aus dem Blut der jeweiligen Patienten isoliert werden. Diese werden anschließend im Labor mit den in der Maus generierten Rezeptoren ausgestattet, vermehrt und dem Patienten wieder zurückinjiziert.

    Die Konkurrenz ist hart

    Erste klinische Versuche mit einer Zelltherapie auf Basis von T-Knife- Rezeptoren sollen in Kürze im Rahmen einer akademischen Studie an der Berliner Charité starten. Die erste eigene klinische Studie plant das Unternehmen für den Herbst 2021.

    Die Konkurrenz auf dem Feld ist dabei groß. In Deutschland arbeiten unter anderem auch die Münchener Firma Medigene sowie die Tübinger Immatics und Biontech an T-Zell-Therapien. International sind neben den Pharmakonzernen Novartis und Gilead unter anderem die britischen Firmen Adaptimmune und Immunocore auf dem Gebiet engagiert.

    Darüber hinaus versuchen diverse Pharma- und Biotechfirmen, das Grundprinzip der Zelltherapien durch Medikamente auf der Basis von Antikörpern nachzuahmen. Für einen solchen Wirkstoff, der in der Behandlung von B-Zell-Lymphomen als Konkurrent von Zelltherapien gilt, hat zum Beispiel jüngst die Münchener Morphosys eine Zulassung erhalten.

    Mehr: Gene als Arznei – Neue Therapien revolutionieren die Medizin

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