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Start-up Taxify Daimler steigt bei Uber-Konkurrent aus Estland ein

Der Fahrdienstvermittler Taxify sichert sich in einer neuen Finanzierungsrunde einen dreistelligen Millionenbetrag – den Großteil von Daimler.
Update: 30.05.2018 - 13:57 Uhr Kommentieren
Der Taxify-Gründer kann auf die finanzielle Unterstützung von Daimler zählen. Quelle: Reuters
Markus Villig

Der Taxify-Gründer kann auf die finanzielle Unterstützung von Daimler zählen.

(Foto: Reuters)

StockholmDer Kampf um die Vormachtstellung bei den Mobilitätsanbietern geht in die nächste Runde: Daimler Mobility Services, eine Tochter des Autobauers für Mobilitätsdienste, wird sich an dem estnischen Uber-Konkurrenten Taxify beteiligen.

Wie beide Unternehmen am Mittwoch bekanntgaben, ist der Stuttgarter Autokonzern bei einer Finanzierungsrunde über insgesamt 175 Millionen Dollar der größte Investor.

Obwohl die beiden Unternehmen keine Einzelheiten nannten, soll sich Daimler nach Medienberichten in Estland mit rund 100 Millionen Dollar an Taxify beteiligt haben und auch einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens erhalten.

Taxify, das 2013 von dem damals erst 19-jährigen Markus Villig in der estnischen Hauptstadt Tallinn gegründet wurde, ist ein Fahrdienstvermittler. Über eine App verbindet Taxify Fahrer und Kunden. Dafür nimmt das Start-up eine Provision. Der Kunde bucht über die App ein Taxi oder einen privaten Fahrer und kann den Wagen bis zur verabredeten Adresse über sein Smartphone verfolgen. Bezahlt wird die Tour ebenfalls über die App.

In Deutschland ist Taxify noch nicht auf dem Markt. Nach eigenen Angaben nutzen aber bereits mehr als zehn Millionen Kunden in 25 Ländern die App. Dem Vermittlungsdienst haben sich bislang rund eine halbe Million Fahrer angeschlossen.

Neben mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern ist Taxify in Europa in Estland, Frankreich, Lettland, Litauen, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn auf dem Markt. Auch in Mexiko ist Taxify in drei Städten präsent.

Humane Uber-Alternative?

Im vergangenen Herbst stieg der chinesische Fahrdienstvermittler Didi Chuxing bei den Esten als Investor ein und verstärkte damit den Druck auf den Marktführer Uber. Für einen bislang nicht bekannten Betrag übernahmen die Chinesen rund 13 Prozent von Taxify.

Mit seinem Investment baut Daimler sein Engagement bei Mobilitätsanbietern aus. Über seine Moovel Group ist der Konzern an den Carsharing-Unternehmen Car2Go und Drive Now beteiligt. Außerdem hält Daimler Anteile an dem Taxi-Vermittler MyTaxi, Clever Taxi, Chauffeur Privé und Beat. Zudem hat sich Daimler an Parkplatz-Vermittlungsdiensten beteiligt.

Auch andere Auto-Hersteller haben sich in der letzten Zeit immer stärker bei Mobilitätsdiensten eingekauft. Viele Auto-Konzerne wollen angesichts drohender Fahrverbote in den Innenstädten der Metropolen sowie dem sinkenden Interesse vor allem jüngerer Menschen an einem eigenen Auto rechtzeitig auf Zeiten vorbereiten, in denen sie nicht mehr so viele Privat-Pkw verkaufen können.

Taxify versucht sich als die bessere Uber-Alternative darzustellen. Während der US-Fahrdienstvermittler 25 Prozent Provision von seinen Fahrern kassiert, begnügt sich Taxify mit 15 Prozent. Außerdem schult das Unternehmen seine Fahrer.

Dennoch hat Taxify wie Uber Widerstand in einigen Ländern zu spüren bekommen. So entzog London die Lizenz für Taxify nur kurz nach dem Start in der britischen Hauptstadt. Noch streiten sich die Parteien vor Gericht, und ein Neuanfang steht in den Sternen.

Auch Taxi-Innungen in mehreren europäischen Städten sind auf die Barrikaden gegangen, da Taxify ihrer Meinung nach mit Dumpingpreisen um die Kunden kämpft. So gab es in Paris Demonstrationen gegen das estnische Start-up, und auch in Wien hat die Taxi-Innung Widerstand angekündigt.

Taxify-Gründer Markus Villig gibt sich dennoch optimistisch. „Über kurz oder lang wird sich unsere Idee überall durchsetzen“, erklärte er vor Kurzem.

Dass Taxify in Estland entwickelt wurde, verwundert nicht: Das kleine baltische Land hat sich seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu einem Mekka der Start-up-Szene entwickelt. So wurde auch die Telefon-App Skype in Tallinn entwickelt.

Mit dem Roboterentwickler Starship und dem Fintech-Unternehmen Transferwise gibt es weitere, international erfolgreiche Start-ups aus Estland. Das Land mit den nur 1,3 Millionen Einwohnern gilt zudem als Vorreiter bei der Digitalisierung.

So führte Estland als erstes Land der Welt Parlamentswahlen via Internet ein. Auch kann man als Ausländer einen digitalen Wohnsitz in Estland beantragen und erhält nach polizeilicher Prüfung einen Ausweis. Mit ihm können Unternehmen gegründet, Bankgeschäfte abgewickelt und Dokumente elektronisch unterzeichnet werden.

Taxify-Gründer Markus Villig hofft, dass man in einigen Jahren auch sein Unternehmen zu den Pionieren der globalen Start-up-Szene zählen wird. Nach dem Einstieg von Daimler sind die Chancen dafür auf jeden Fall nicht gesunken. 

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