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Start-up Vive La Car Mieten statt besitzen: Das Autoabo wird zur echten Alternative

Die Plattform Vive La Car wächst monatlich mit zweistelligen Raten. Davon profitieren bislang vor allem die Autohändler. Nun steigen auch die Konzerne ein.
18.05.2021 - 11:02 Uhr Kommentieren
Die Zeichen stehen auf Wachstum: Das Gründungsteam von Vive La Car mit Florine von Caprivi (COO), Stefan Neumann (CTO) und Mathias Albert (CEO, von links). Quelle: Vive La Car
Autoabo mit Vive La Car

Die Zeichen stehen auf Wachstum: Das Gründungsteam von Vive La Car mit Florine von Caprivi (COO), Stefan Neumann (CTO) und Mathias Albert (CEO, von links).

(Foto: Vive La Car)

Düsseldorf Die Steigerungsraten klingen eindrucksvoll. „Wir wachsen im Monat mit 20 Prozent“, sagt Mathias Albert, Gründer des Stuttgarter Autoabo-Unternehmens Vive La Car, dem Handelsblatt. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Geschäft um 600 Prozent zugelegt, gut 5000 Abobuchungen verzeichnet das süddeutsche Start-up inzwischen.

Anfangs hat die Corona-Pandemie dem jungen Unternehmen zusätzlichen Schub gegeben, weil viele Menschen öffentliche Verkehrsmittel mieden und lieber allein in einem Auto unterwegs sein wollten. Zugleich war die wirtschaftliche Unsicherheit groß: Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hatte, wollte nicht Tausende von Euro für einen neuen Wagen ausgeben. Ein Autoabo kostet nur einige Hundert Euro im Monat und ist jederzeit kündbar.

Doch mittlerweile ist das Autoabo nicht mehr nur ein Modell für Pandemiezeiten. „Das Bewusstsein hat sich verändert“, glaubt Mathias Albert, 52. „Man möchte weniger Ballast im Leben.“ Das könne für den einen oder anderen eben bedeuten, komplett auf das eigene Auto zu verzichten.

Die ersten Angebote für Autoabonnements gibt es seit etwa drei Jahren. Autohersteller trieben diese Idee voran, als Pionier gilt Volvo aus Schweden. Später folgten andere Hersteller wie Volkswagen und Porsche oder auch große Mietwagenunternehmen wie Sixt.

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    Die Autokonzerne wollen in erster Linie ihre eigenen Modelle über den neuen Kanal des Autoabonnements vermarkten. Andere Neugründungen wie etwa das Münchener Unternehmen Cluno bieten Autos aus eigenen Flotten mit einem gemischten Markenportfolio.

    Plattform für Händler mit jungen Gebrauchtwagen

    Vive La Car aus Stuttgart hat einen anderen Ansatz. Das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen versteht sich als ein Plattform-Anbieter, der keine eigenen Autos besitzt, sondern Fahrzeuge von Händlern vermittelt, die mit dem Start-up kooperieren. Händler haben häufig junge Gebrauchtwagen im Angebot, für die mithilfe des Autoabonnements ein zusätzlicher Vertriebsweg entsteht.

    Das Interesse der Händler wächst: Nach 400 Partnern im vergangenen Jahr sind es inzwischen 700 beteiligte Betriebe mit etwa 1000 Standorten geworden. „1300 Standorte werden wir in diesem Jahr gut schaffen“, gibt sich Vive-La-Car-Gründer Albert überzeugt. Albert selbst ist Mitinhaber einer mittelständischen Autohandelsgruppe im Südwesten Deutschlands. Das erklärt, warum er beim Autoabo auf die Unterstützung durch die Händler setzt.

    Der Gründer schätzt, dass der Markt für Autoabos in diesem Jahr auf etwa 50.000 Verträge wachsen wird, ungefähr doppelt so viele wie 2020. Für sein eigenes Unternehmen kalkuliert er mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent. Das Modell sei auch etwas für jüngere Fahrer, die aufs Geld schauen und mit ihren eigenen Finanzen genau haushalten müssten. „Die erste Hemmschwelle zum Auto wird durch das Abonnement enorm abgesenkt“, sagt Albert.

    Kunden können aus einer vergleichsweise großen Flotte unterschiedlicher Fahrzeuge auswählen. Vive La Car hat 25 Automarken und etwa 500 Modelle im Angebot. Darunter sind auch alle aktuell gängigen Antriebsarten. Wer also beispielsweise einem vollelektrischen Batterieauto noch mit einer gewissen Skepsis gegenübersteht, der kann ein E-Auto für einige Monate mieten und diese neue Antriebsart für sich ausprobieren.

    Für Autohändler lohnt sich der neue Absatzkanal, weil sie Fahrzeuge zusätzlich vermarkten können, die sonst ungenutzt auf ihren Parkplätzen herumstehen würden. Das Autoabonnement, das in der Regel über das Internet abgeschlossen wird, ist zugleich auch Ausdruck der zunehmenden Digitalisierung des gesamten Autohandels.

    Autohäuser stehen unter Druck

    In der Branche tauchen neue Spieler auf, neue Absatzwege werden gesucht. „Wir gehen weniger zum Autohaus. Das Autohaus kommt stärker zu uns“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Die Händler stünden wie die gesamte Automobilbranche vor einem umfassenden Transformationsprozess.

    „Die Party bei vielen Autohändlern, die lange Zeit eine Lizenz zum Gelddrucken hatten, die ist vorbei“, gibt sich der Hochschullehrer überzeugt. Eine Rückkehr zu den alten Zeiten werde es nicht geben.

    Vive La Car betreibt inzwischen mehrere Abokanäle für verschiedene Autohersteller, die dann allerdings nicht mehr markenübergreifend, sondern immer nur für die jeweilige Marke funktionieren. Für BMW führt Vive La Car beispielsweise Abokanäle in Österreich und der Schweiz.

    In Deutschland ist das junge Unternehmen für Hyundai und seit dem Frühjahr auch für Renault im Einsatz und betreibt die Abokanäle der beiden Hersteller. „Wir sind von dieser Lösung überzeugt, da diese Plattform eine vollständige Einbindung des Handels ermöglicht und gemeinsam mit den Händlern an den Start geht“, sagt Lars Bialkowski, Vertriebsvorstand von Renault in Deutschland.

    Mathias Albert sieht noch mehr Chancen in anderen Ländern. So stehen beispielsweise Frankreich und die Beneluxstaaten auf seiner Liste. Denkbar sei auch ein Engagement in Polen und in Tschechien, sein Unternehmen habe mit den ersten Markterhebungen begonnen. Vive La Car werde dabei allerdings keinen Alleingang wagen. „In diese Märkte würden wir immer nur zusammen mit einem Hersteller gehen“, so Albert.

    Geschäftskunden spielen bisher kaum eine Rolle

    Aktuell spielen private Kunden noch die Hauptrolle im Abogeschäft von Vive La Car. Ihr Anteil liegt bei 80 Prozent. Der Rest entfällt auf Geschäftskunden, die ihre Flottenfahrzeuge beim Stuttgarter Start-up abonnieren. Mathias Albert erwartet allerdings eine Zunahme des Flottengeschäfts. „Ein Abo belastet die Bilanz nicht“, betont er. Anders als etwa bei Leasingmodellen werde ein Fahrzeugabonnement einfach nur als Kostenposition verbucht.

    Der Geschäftserfolg für Vive La Car lässt sich an den Mitarbeiterzahlen ablesen. Mit gut 20 Beschäftigten ist das junge Unternehmen im vergangenen Frühjahr gestartet, als sich die Corona-Pandemie in Deutschland und der Welt auszubreiten begann. Seitdem hat sich die Mitarbeiterzahl auf mehr als 50 verdoppelt.

    „Bis zum Ende dieses Jahres wird es eine weitere Verdoppelung geben“, kündigt Vive-La-Car-Gründer Albert an. Dazu soll beispielsweise ein eigener Standort für die Software-Entwicklung in der kroatischen Hauptstadt Zagreb gehören.

    70 Prozent des Firmenkapitals hält das Gründungsteam um Mathias Albert. Geld haben außerdem verschiedene Venture-Capital-Gesellschaften gegeben. Vor gut einem Jahr hatte sich die Vienna Insurance Group (VIG), größter Versicherer in Österreich, mit 20 Prozent beteiligt. Laut Albert stehen in diesem Sommer und ein weiteres Mal Ende 2022 Finanzierungsrunden an.

    Mehr: VW-Chef: „Das Thema Software ist die große Herausforderung.“

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