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Statt Stellenabbau Daimler-Betriebsratschef will aus Car-Sharing aussteigen

Angesichts der schwierigen Lage des Autobauers solle kein weiteres Geld verbrannt werden. Ein Verkauf der Mobilitätsdienstleistungen sei denkbar, so Betriebsratschef Brecht.
10.10.2020 - 10:46 Uhr Kommentieren
Brecht hält einen Verkauf der Mobilitätsdienstleistungen an ein anderes Unternehmen für möglich. Quelle: dpa
Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht

Brecht hält einen Verkauf der Mobilitätsdienstleistungen an ein anderes Unternehmen für möglich.

(Foto: dpa)

Frankfurt Daimler sollte nach Ansicht von Betriebsratschef Michael Brecht wegen des herrschenden Kostendrucks das Engagement beim Car-Sharing und anderen Mobilitätsdiensten einstellen. „Vor einem Jahr noch hieß es, ohne Mobilitätsdienstleistungen wären wir nicht mehr überlebensfähig, sonst werden wir abhängig von digitalen Plattformunternehmen“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Samstag veröffentlichten Interview. Mittlerweile sei große Ernüchterung über die Geschäftsaussichten der gemeinsam mit BMW im Joint Venture „Your Now“ betriebenen Dienste eingetreten.

Die Befürchtung, Sharing-Dienste könnten den Wunsch nach dem eigenen Auto verdrängen, bewahrheitete sich bisher nicht. Der Slogan „Vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister“ ist schon vor einiger Zeit aus Daimlers Firmenpräsentationen verschwunden.

„Wir sind nicht an einem Punkt, wo sich Sharing-Modelle breit durchsetzen. Selbst Uber verbrennt eine Milliarde nach der anderen“, sagte Brecht. Der Spardruck auf die Produktionsstandorte sei mit dem Umschwung zu Elektroautos und wegen der Coronakrise so hoch, dass der Autobauer für solche Dienste kein Geld „rausblasen“ müsse. „Wenn wir nicht in der Lage sind, ein profitables Geschäft daraus zu machen und mittlerweile sehen, dass wir nicht abhängig werden als Bittsteller von Plattformen, stellt sich die Frage: Muss ich das überhaupt tun? Wenn es jemanden gibt, der das besser kann: Ich hänge nicht dran“, sagte Brecht.

Unter dem Label „Now“ betreiben Daimler und BMW seit Anfang 2019 zusammen das Car-Sharing-Angebot „Share Now“, die Taxi- und Fahrdienstvermittlungen „Free Now“ und „Reach Now“, die App „Park Now“ zur Parkplatzsuche und die Ladestationen-Plattform „Charge Now“ für E-Autos. Herzstück ist die stationsunabhängige Kurzzeit-Automiete, die Daimler 2008 mit „car2go“ startete und BMW drei Jahre später mit „DriveNow“ anbot.

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    Die Autobauer wollten mehr als eine Milliarde Euro in die Now-Services investieren, um schnell wachsen, in Konkurrenz etwa zu Uber den Markt zu erobern und führend in Europa zu werden. Die Dienste zählten vor Ausbruch der Coronakrise auch immer mehr Nutzer, machten aber bisher allenfalls an einzelnen Standorten Gewinn. Schon länger gibt es Gerüchte über den Verkauf von Einzelteilen. Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm erklärte bei der jüngsten Strategie-Konferenz, die Plattformunternehmen müssten auf eigenen Beinen stehen können. Dem Management seien Profitabilitätsziele gesetzt worden. „Und wir sind offen für Partnerschaften“, bekräftigte er.

    Mehr: Mobilität wird zum Plattformgeschäft. Uber bringt sich hier als zentraler Akteur in Stellung. Die deutschen Autobauer sollten nicht kapitulieren, meint Handelsblatt-Redakteur Christoph Kapalschinski.

    • rtr
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