Stefan Bratzel zur Zukunft der Autoindustrie „Die Chancen für deutsche Hersteller stehen 50:50“

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„Der Höhepunkt des Diesel-Zeitalters ist überschritten“
Diese Autobauer investieren am meisten
Platz 15: Kia
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Ob neue Montagehallen oder Labors: Die Autoindustrie hat ihre Investitionen in den vergangenen Jahren zufolge deutlich hochgeschraubt. 51,9 Milliarden Euro haben die 16 größten Autohersteller der Welt in Fabriken, Forschungszentren und andere Bereiche gesteckt – gut 45 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2010. Das sind die Ergebnisse des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY). Dabei gehören Kia, Mazda (Platz 16) und Mitsubishi (Platz 14) zu den Schlusslichtern. Die Autobauer haben 2015 keine Investitionen getätigt.

Quelle: EY-Studie

Platz 13: Suzuki
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Grund für die höheren Anstrengungen ist die weltweit brummende Autokonjunktur – der Markt wird größer, also strengen sich die Firmen an, um mehr abzubekommenden vom größeren Absatz-Kuchen. Suzuki hat im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro in Projekte investiert. Insgesamt waren es 180 Investitionsprojekte.

Platz 12: Renault Group
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Von 2010 bis 2015 gingen die Investitionen Schritt um Schritt nach oben – zuletzt lag das Plus 2015 bei fast 50 Prozent. Einzig 2013 gab es ein Minus. Die französische Renault Group hat 500 Millionen Euro in Projekte gesteckt.

Platz 11: BMW Group
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Einer der Hauptprofiteure des weltweiten Investitionsbooms ist Deutschland: Seit 2010 wurden in Deutschland insgesamt 139 Investitionsprojekte im Gesamtwert von 20,7 Milliarden Euro durchgeführt – allein im vergangenen Jahr belief sich das Investitionsvolumen in Deutschland auf zwölf Milliarden Euro. 600 Millionen Euro kommen von BMW.

Platz 10: PSA Group
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700 Millionen Euro hat die PSA Group im vergangen Jahr ausgegeben. „Die Unternehmen haben jetzt das Geld, um langfristige Investitionen zu tätigen“, sagt Studienautor Peter Fuß.

Platz 9: Honda
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Mit Investitionen in neue Modelle und Produktionsverfahren will Honda jährlich mehr Autos verkaufen. 1,1 Milliarden Euro war das dem japanischen Konzern vergangenes Jahr wert.

Platz 8: Nissan
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Der Nissan Leaf ist das bisher weltweit meist verkaufte Elektroauto. Auch in Zukunft will der Konzern in dieser Sparte führend bleiben. Diese und andere Projekte kosteten den Autobauer im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro. Auch in diesem Jahr will Nissan 35 Millionen Euro in sein Elektroauto-Batteriewerk investieren.

Kann sich das neue Denken nach dem Vorbild der Dienstleister in einem traditionellen Autohersteller durchsetzen?
Dafür gibt es keine Garantie. Aber man kann es versuchen. Etwa dadurch, dass die neuen und die alten Bereiche klar voneinander getrennt werden. Volkswagen etwa macht es vollkommen richtig, wenn die neue Mobilitätstochter nicht in Wolfsburg, sondern in Berlin angesiedelt wird. Das sichert die nötige Freiheit und schützt vor den alten Konzernstrukturen.

Müssen sich die Autohersteller nicht zusammentun, wenn sie gegen die neuen Konkurrenten bestehen wollen?
Ohne Zweifel, auch wenn das dem Kartellamt nicht gefallen mag. Aber die Wettbewerbshüter sollten einmal darüber nachdenken: Hier geht es um einen ganz neuen Markt, hier geht es gegen die Konkurrenten Apple und Google. Es gelten plötzlich ganz andere Spielregeln, eben auch im Wettbewerb und im Wettbewerbsrecht.

Die neuen Formen der Mobilität sind das eine, was ist aber mit dem Elektroantrieb?
Das wird auch kommen, aber wir werden Geduld brauchen. Uns fehlt in Deutschland eine dichte Schnell-Lade-Infrastruktur. In 15 bis 20 Minuten muss eine Batterie zu 80 Prozent geladen sein, das wäre ein akzeptabler Standard für die Autofahrer.

Ein Traum…
…der aber realisierbar ist. Natürlich ist das auch wieder ein Parkplatz-Thema, besonders in den Städten. Denn nur die wenigsten von uns haben zu Hause eine Garage, wo sie ihr Auto selbst aufladen könnten. Wenn aber der Markt für Mobilitätsdienstleistungen langsam entsteht, dann werden mehr Menschen auf das eigene Auto verzichten. Wir bräuchten also weniger Parkplätze, damit entsteht neuer Raum für Ladestationen.

Das Elektroauto wird wirklich kommen?
Der Höhepunkt des Diesel-Zeitalters ist auf jeden Fall schon einmal überschritten. Die deutschen Hersteller werden den Diesel vielleicht noch etwa 15 Jahre brauchen, um die Abgasnormen beim Kohlendioxid zu erfüllen.

Was bedeutet der Wechsel zum Elektroauto für die Unternehmen, für die Arbeitsplätze?
Das ist nicht gerade einfach. In einem Elektromotor werden viel weniger Teile gebraucht. Verbrennungsmotoren sind heute unglaublich kompliziert geworden, das wird man künftig alles nicht mehr benötigen. Und weniger Teile bedeuten weniger Leute. Mindestens um den Faktor fünf könnte sich die Zahl der Arbeitsplätze reduzieren. Das ist natürlich nicht nur für die Autohersteller ein Thema, sondern auch für die Zulieferer. Da könnten Zehntausende Arbeitsplätze wegfallen.

Muss außerhalb der Branche etwas passieren?
Natürlich, nämlich in der Stromerzeugung. Der Strom für die Autos wird nur dann sauber sein, wenn er aus regenerativen Energien kommt. Wenn wir unsere Kohlekraftwerke weiter laufen lassen, dann könnten wir auf der Straße auch beim Diesel bleiben. Das ist ein Thema, das gerade noch ausgeblendet wird. Aber wir werden sicherlich schon bald darüber reden.

Herr Professor Bratzel, vielen Dank für das Interview.

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