Steinhoff-Tochter Kika/Leiner Beruhigungspillen im Möbelhaus

Die Möbelkette Kika/Leiner sieht ihre Zukunft in Österreich und Osteuropa vorerst gesichert. Doch der Tochter fehlt wichtiges Investitionskapital, seit der Mutterkonzern Steinhoff in finanzielle Schieflage geraten ist.
Update: 29.01.2018 - 15:33 Uhr 1 Kommentar
Steinhoff-Tochter Kika/Leiner: Beruhigungspillen im Möbelhaus
Möbelhaus Leiner

Der traditionsreiche Möbelhändler aus Österreich gibt sich trotz Steinhoff-Krise optimistisch.

WienDas Verteilen von Beruhigungspillen für Kunden und Lieferanten findet im Tiefgeschoss zwischen Stapeln von Perserteppichen und hinter den Flechtsesseln vom letzten Sommer statt: Ganz unten im größten Kaufhaus der österreichischen Möbelkette Kika/Leiner in Wien steht der Unternehmenschef Gunnar George erstmals seit der Schieflage des südafrikanischen Mutterkonzerns Steinhoff Rede und Antwort. Anfang Dezember ist der Bilanzskandal des im MDax notierten Konzerns bekannt geworden.

„Wir laden hierher ein, weil wir die Öffentlichkeit und vor allem unsere Kunden beruhigen wollten“, sagt George. „Es ist uns in den vergangenen Wochen gelungen, die Liquidität für die Zukunft zu sichern.“ Jeder Kunde werde seine Möbel geliefert bekommen und könne bedenkenlos Anzahlungen liefern. Aus seinen Worten lässt sich ahnen, welch dramatische Wochen das österreichische Möbelhaus mit seinen 7000 Beschäftigten in Österreich und Osteuropa und einem Umsatz von 800 Millionen Euro hinter sich hat.

Ohne den Verkauf des fünfstöckigen Hauses am Wiener Einkaufsboulevard Mariahilfer Straße für 70 Millionen an den Karstadt-Eigner und Immobilientycoon René Benko hätte Kika/Leiner Ende Dezember die Löhne nicht mehr bezahlen können. Nun, so versichert Leiner/Kika-Chef George, seien Mittel von der Steinhoff-Mutter zugesichert und zum Teil schon geflossen, die das Überleben für die nächsten zwei Jahre garantierten.

Der Steinhoff-Konzern, zum dem neben Kika/Leiner auch europäische Möbelketten wie die deutsche Poco, die französische Conforama und große Konsumketten in Südafrika (Pepco), USA (Mattress Firm) und Großbritannien (Poundland) steht mit dem Rücken an der Wand. Die Wirtschaftsprüfer wollten die Zahlen des unübersichtlichen, rasch gewachsenen Imperiums nicht mehr testieren. Binnen drei Tagen verlor die Aktie rund 90 Prozent ihres Wertes und hat sich seither nicht mehr erholt.

Der langjährige Firmenchef Markus Jooste musste gehen. Er hatte den Konzern in atemberaubendem Tempo zu einem internationalen Imperium mit einem für das Jahr 2016/2017 erwarteten Umsatz von 20 Milliarden Euro gemacht. Inzwischen gab der Konzern bekannt, dass die Bilanzen für mehrere Jahre rückwirkend neu aufgestellt werden müssen.

Dazu passt, dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg bereits seit Ende 2015 wegen möglicher Bilanzfälschung gegen den Konzern ermittelt und kurz vor dem Börsengang im Dezember 2015 eine Razzia in den Büroräumen im niedersächsischen Westerstede veranlasste. Als es vor rund sieben Wochen zum großen Kurzeinbruch kam, kündigten Banken die Kreditlinien. Seither verhandeln die Geldgeber in London.

Die miserable Finanzsituation der Steinhoff-Mutter war für die österreichische Tochter eine Katastrophe. „Wir haben unsere Einnahmen in einen Cash-Pool eingezahlt, der wurde im Dezember eingefroren“, schildert George die damalige Situation. Die Gehälter der Mitarbeiter konnten nicht mehr bezahlt werden. Die Rechnungen auch nicht. Die Mitarbeiterkosten betragen laut George 200 Millionen Euro im Jahr. In der Möbelbranche war die Aufregung groß. „Die Lieferanten haben ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck gebracht“, berichtet George. Zuletzt beruhigte er auf der Kölner Möbelmesse in vielen Gesprächen die Gemüter.

Die Liquidität sei für mindestens 12 Monate gesichert, betont Leiner-Chef Gunnar George.
In Erklärungsnot

Die Liquidität sei für mindestens 12 Monate gesichert, betont Leiner-Chef Gunnar George.

Inzwischen habe Kika/Leiner den Cash-Pool gekündigt. Wie viel Geld die südafrikanische Zentrale des Steinhoff-Konzerns zugesichert hat, dass Kika/Leiner überleben kann sagte George nicht. Doch es gibt Schätzungen: Die Investitionskosten, die nun nötig seien, um die Möbelkette wettbewerbs- und überlebensfähig zu machen, werden auf 50 bis 60 Millionen jährlich taxiert. Dazu kommen die übrigen Kosten. Kika/Leiner schreibt im Moment allenfalls eine schwarze Null. Die Zusage für zwei Jahre aus Südafrika, schätzen Experten, dürfte ungefähr 200 Millionen Euro hoch sein.

Der gesamte Steinhoff-Konzern hatte zuletzt 10,7 Milliarden Euro Schulden angehäuft, wie im Dezember aus einer Bankenpräsentation hervorgeht. Darunter mehrere Anleihen für Investoren und rund vier Milliarden Euro Bankschulden. Banken wie die Bank of America, Citigroup, HSBC und Commerzbank haben teilweise die Darlehen schon wertberichtigt.

Wichtigste Soforthilfe war in den letzten Wochen für die Steinhoff-Mutter in Südafrika der Verkauf von Anteilen an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG. Steinhoff erlöste daraus in einer ersten Tranche 293 Millionen Euro, in einer zweiten noch einmal 480 Millionen Euro. Solche Summen reichen vielleicht fürs erste, um notleidende Töchter wie Kika/Leiner am Leben zu halten. Doch Analysten sind überzeugt: um seine zweistelligen Milliardenschulden zu begleichen, muss der Steinhoff-Konzern wohl mittelfristig größere Teile seines Imperiums veräußern.

Möbel für Macher, Gründer und Co-Worker
Locker vom Hocker?
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Im Büro der Zukunft darf es ruhig ein wenig gelöster zugehen. Zwar ist nicht sofort ersichtlich, was darin steckt. Doch hier werden Gymnastikbälle, die selten schön aber in der Regel gut für den Rücken sind, nicht nur aufgepumpt, sondern auch noch fachgerecht aufgepimpt. Und zwar von der Firma Hock aus Engelskirchen, die den stylischen Sitzball unter der Marke Vluv vertreibt. Preise liegen, je nach Größe des Balls und Art des Materials, zwischen 99 und 349 Euro.

Für Profit und Powernapping
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Wie unsere Büros eingerichtet sind, sagt eine Menge aus über die Kultur eines Unternehmens. Früher undenkbar, halten zunehmend Wohnmöbel Einzug ins Office. Die Grenzen verwischen: Arbeitsplätze werden immer wohnlicher, und zuhause wird mehr gearbeitet. Der Herr sitzt übrigens auf einem samtweichen Sofa des dänischen Herstellers Wendelbo; ein bereits in dritter Generation geführtes Familienunternehmen, das 1955 in Aarhus gegründet wurde.

Büropause
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„Je näher ein Mensch am Boden sitzt, desto offener ist seine Einstellung und die Gespräche werden fruchtbarer“, sagte uns einmal der Europachef des Büromöbel-Herstellers Haworth, Henning Figge. Fürs nächste kreative Brainstorming dürfte sich daher dieses Möbelstück hier eignen, das gerade auf der Kölner Möbelmesse ausgestellt wird. Es hört auf den Namen „Napka“ und kommt von dem polnischen Hersteller Tabanda.

Mittagsschlaf für die Premium-Klasse
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Absolute Entspannung verspricht auch diese Liga hier von Vitra. Die MVS Chaise kostet gut 1.750 Euro und ist ein echter Design-Klassiker.

Sitzt du noch oder stehst du schon?
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Populär - und sowieso viel gesünder - ist aber auch das hier: Arbeiten im Stehen! Der Mensch ist schließlich nicht für langes Sitzen geschaffen. Also ran an den Tisch des Möbelherstellers Gera. Ein typisch mittelständisches Unternehmen, das seinen Firmensitz seit 1948 im thüringischen Frießnitz, nahe Gera, hat.

Besprechen im Stehen
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Immer häufiger finden Besprechungen und Meetings im Stehen statt. Wer keine acht oder zehn Stunden auf seinem Hinterteil hocken will, kann auch am Stehtisch der Berliner Firma System 180 arbeiten. Das Design der sogenannten K-Serie ist reduziert, schlicht und funktioniert nach Baukastensystem.

K Serie von System 180
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Sollten Sie aber trotzdem viel sitzen müssen, achten Sie darauf, Ihre Position regelmäßig zu verändern. Dadurch lassen sich einseitige Belastungen im Rücken vermeiden. Was auch noch hilft ist Aufstehen, Herumlaufen oder einfach mal paar Treppen zu steigen - für ein möglichst langes und gesundes Arbeitsleben.


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1 Kommentar zu "Steinhoff-Tochter Kika/Leiner: Beruhigungspillen im Möbelhaus"

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  • Und das soll alles sein: Ein bißchen mehr Internet-Handel und das wars? Bei soviel kreativer Problemlösung ist es um den Möbelladen dann nicht schade. Ware, Qualität und Auswahl hat immer gepasst, Einkaufserlebnis nicht anders wie in den anderen Möbelburgen. Wenn man nur das Gleiche bietet wie die Konkurrenz, brauchts wenigstens mehr Enthusiamus, bessere Werbung, frische Ideen oder irgendetwas, das sich vom ewig gleichen abhebt. Das bißchen Online-Geschäft (in dem die Konkurrenz noch ungleich größer ist) wird Kika nicht mehr retten.

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