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Stellantis-Konzern Opel-Chef Lohscheller wirft hin – Renault-Manager wird Nachfolger

Der Finanzexperte Michael Lohscheller hat Opel blitzsaniert. Kritiker werfen ihm aber übermäßigen Jobabbau vor. Zudem dümpeln die Verkaufszahlen.
13.07.2021 Update: 13.07.2021 - 14:26 Uhr Kommentieren
Der scheidende Opel-Chef hat den Autohersteller zurück in die Gewinnzone geführt. Sein Nachfolger war zuletzt Chef von Renault im deutschsprachigen Raum.
Michael Lohscheller (li.), Uwe Hochgeschurtz

Der scheidende Opel-Chef hat den Autohersteller zurück in die Gewinnzone geführt. Sein Nachfolger war zuletzt Chef von Renault im deutschsprachigen Raum.

Rüsselsheim Für Michael Lohscheller ist Opel mehr als nur irgendeine Autofirma. Die Marke mit dem Blitz sei vielmehr eine „echte Liebe“, schreibt der baumlange Manager zum Abschied in einer internen Rundmail an seine Beschäftigten.

Nach neun Jahren in Rüsselsheim, vier Jahre davon als Geschäftsführer des Fahrzeugherstellers, dankt Lohscheller zum 31. August ab. Der 52-Jährige will nicht mehr. Er geht aus freien Stücken, möchte sich in Kürze „neuen spannenden Aufgaben widmen“, wie er betont.

Groll scheint Lohscheller keinen zu verspüren. „Es war mir eine Ehre, mit Ihnen und für Sie zu arbeiten“, erklärt er. „Opel führt man nicht, Opel dient man.“

Stolz und dankbar gibt sich der verheiratete Vater von zwei Kindern. Die Belegschaft bittet Lohscheller sogar, seinen von Renault kommenden Nachfolger Uwe Hochgeschurtz bei dessen Start im September „mit ganzer Kraft“ zu unterstützen.

Es sind versöhnliche Töne eines Managers, der durchaus Grund gehabt hätte, sauer zu sein. Denn Lohscheller wurde über die Jahre immer weiter entmachtet. Als der begeisterte Marathonläufer im Jahr 2017 im Zuge der rettenden Übernahme von Opel durch Peugeot S.A. (PSA) zum Markenchef ernannt wurde, wollte er den hessischen Traditionsbetrieb als möglichst eigenständiges Unternehmen fortführen.

Lohscheller verlor zunehmend an Einfluss

Doch die Franzosen zurrten die deutsche Tochter über Matrixstrukturen schnell immer enger an die Zentrale nahe Paris. Lohscheller verlor zunehmend an Einfluss.

Anfang 2019 musste er erstmals sein Geschäftsführergremium verkleinern. Die Produktionsagenden für alle Werke lagen fortan direkt bei der Muttergesellschaft. Mit der Fusion von PSA und Fiat Chrysler Anfang 2021 zu Stellantis wurde Lohscheller dann endgültig degradiert, berichten Insider.

Die Geschäftsführung bei Opel schrumpfte von fünf auf drei Personen. Sowohl der Posten des Finanz- als auch der des Vertriebsleiters wurden ersatzlos gestrichen.

Nicht nur Lohschellers engster Kreis wurde immer kleiner, auch er selbst verlor Aufgabe um Aufgabe. Während der Manager aus Bocholt unter dem Dach von PSA noch Mitglied des vierköpfigen Konzernvorstands und im 18-köpfigen Executive Committee für die Region Eurasien zuständig war, ist er seit der Gründung von Stellantis de facto nur noch Frontmann von Opel gewesen.

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„So etwas ist zermürbend“, sagt ein Weggefährte Lohschellers. Ohne echte Entscheidungsmacht könne man als strategisch denkender Manager kaum noch gestalten. Gutmeinende sagen, das Aufgabenprofil bei Opel habe sich über die Jahre einfach geändert. In einem 14 Marken umfassenden Koloss wie Stellantis könne man schlichtweg nicht so frei agieren wie zuvor.

Turnaround eines chronischen Almosenempfängers

So oder so ist es nicht wirklich überraschend, dass Lohscheller nun den Reiz verspürt, einen neuen Job anzutreten. Was er genau vorhat, lässt er bis dato offen.

Als Opel-Chef hält er sich aber zugute, schier Unmögliches geschafft zu haben: den Turnaround eines chronischen Almosenempfängers. „Nach fast 20 Jahren andauernder Verluste haben wir allein in den vergangenen drei Jahren einen kumulierten Gewinn von 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet“, schreibt Lohscheller. 2019 erzielte Opel mit 1,1 Milliarden Euro sogar den höchsten Betriebsgewinn in der mehr als 150 Jahre währenden Firmengeschichte.

Auch die strategischen Weichen sind gestellt: Opel soll sich bis 2028 in Europa zur reinen Elektromarke wandeln und plant den Wiedereintritt in den chinesischen Automarkt – ausschließlich mit Stromern, versteht sich. „Opel ist wieder da, stärker denn je in diesem Jahrtausend“, sagt Lohscheller.

Und doch ist seine Bilanz keineswegs lupenrein. Sein strammer Sparkurs hat Opel in den vergangenen Jahren alles abverlangt. Viele Mitarbeiter sehen in dem Manager daher vor allem einen Abwickler, der das Unternehmen auf ihre Kosten brachial saniert hat.

Restrukturierung kostete in Deutschland 8900 Stellen

Tatsächlich ist der personelle Aderlass bei Opel beträchtlich. Unter der Ägide von Lohscheller wurde allein in Deutschland der Abbau von etwa 8900 der einst über 19.000 Stellen besiegelt. Und ein Ende der Einschnitte ist nicht absehbar.

„Die Restrukturierung war nicht einfach, aber alternativlos“, rechtfertigt sich Lohscheller. „Ja, wir haben uns verkleinert und Stellen auf ein angemessenes Level abgebaut, aber auf freiwilliger Basis und zu sehr attraktiven Konditionen.“ Nur so habe man nachhaltig Zehntausende Jobs im Unternehmen, bei Handelspartnern und Zulieferern sichern können.

Arbeitnehmervertreter fordern dagegen seit Jahren eine Wachstumsstrategie bei Opel und innovative Ideen im Vertrieb. Der Grund: Seit Lohschellers Amtsantritt ist der Marktanteil der Rüsselsheimer in der Kernregion Europa von 6,1 auf zuletzt 4,3 Prozent abgesackt.

Die schlechten Verkaufszahlen trüben zwar den Erfolg von Lohscheller. Er wird dennoch als Chefsanierer in die Firmenannalen eingehen.

Mehr: Opel will 2028 in Europa nur noch Elektroautos verkaufen – Manta wird neu aufgelegt

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