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Stellantis-Tochter Opel will Mehrheit der Mitarbeiter dauerhaft ins Homeoffice schicken

Markenchef Michael Lohscheller plant, über die Pandemie hinaus die Zahl der Büroarbeitsplätze drastisch zu reduzieren. Die Gewerkschaft hat Bedenken.
10.05.2021 - 13:06 Uhr 1 Kommentar
Die Belegschaft sorgt sich um die Arbeitskultur bei dem Autobauer. Quelle: dpa
Opel-Werk in Rüsselsheim

Die Belegschaft sorgt sich um die Arbeitskultur bei dem Autobauer.

(Foto: dpa)

München Als Michael Lohscheller vor fast vier Jahren zum Opel-Chef ernannt wurde, siebte der gelernte Controller erst einmal radikal aus. Die Kekse in den Meetings wurden gestrichen, externe Berater vom Firmengelände verbannt und die Fahrzeugpalette eingedampft. Der Manager hält sich zugute, aus der chronisch defizitären Marke binnen kurzer Zeit einen „Effizienzweltmeister“ geformt zu haben.

Das Problem: Parallel zu den Ausgaben sanken auch die Einnahmen, der Umsatz der Hessen schrumpft beständig. Lohscheller drückt daher weiter allerorts die Kosten. Nun will der 52-Jährige beispielsweise die Anzahl der Büros drastisch zusammenstreichen und seine Mitarbeiter auch über die Dauer der Einschränkungen infolge der Coronakrise hinaus zu großen Teilen ins Homeoffice schicken.

Konkret schwebt Lohscheller vor, dass im Schnitt alle Opel-Mitarbeiter in Deutschland mehr als zwei Drittel ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen sollen, wenn es ihre Tätigkeit zulässt, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. In der eigentlichen Autoproduktion ist bei dem Unternehmen deutlich weniger als ein Drittel der Belegschaft tätig.

Gemäß den Planungen hält Lohscheller gut 90 Prozent der heutigen Büroarbeitsplätze für obsolet. Sein Führungsteam arbeitet an einem „modernen Bürokonzept“, wie es intern heißt, bei dem lediglich ein Zehntel der derzeit verfügbaren Individualarbeitsplätze bestehen bleiben sollen.

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    Bereits seit März 2020 arbeitet die Mehrheit der rund 15.000 Opel-Beschäftigten hierzulande von zu Hause aus. Die Bedingungen dafür sind in einer befristeten Vereinbarung zum mobilen Arbeiten im Rahmen der Pandemie mit dem Betriebsrat geregelt. Aktuell verhandelt der Autobauer mit den Arbeitnehmervertretern über eine dauerhafte Lösung.

    „Die Einführung soll schnellstmöglich erfolgen und mobiles Arbeiten/Homeoffice bis höchstens durchschnittlich 70 Prozent der Arbeitszeit bei geeigneten Arbeitsplätzen ermöglichen“, bestätigte ein Opel-Sprecher.

    Der Opel-Chef trimmt den Autobauer auf Effizienz. Quelle: Bloomberg
    Michael Lohscheller

    Der Opel-Chef trimmt den Autobauer auf Effizienz.

    (Foto: Bloomberg)

    Feste Büroarbeitsplätze soll es bei der einzigen deutschen Marke im Stellantis-Konzern (Peugeot, Fiat Chrysler) schon bald de facto keine mehr geben, verlautet aus Unternehmenskreisen. Stattdessen sollen sich die Opel-Beschäftigten die Büroflächen nach dem Desksharing-Prinzip teilen. Für Meetings sind eigene Räume angedacht. Darüber hinaus soll es Kommunikationsflächen geben.

    Am stärksten von den Maßnahmen betroffen ist der Stammsitz der Firma in Rüsselsheim. Hier arbeiten für Opel und einige weitere Stellantis-Marken gut 10.000 Beschäftigte. Mehr als drei Viertel sind im Engineering, in der Verwaltung oder produktionsnahen Bereichen tätig, können ihre Tätigkeiten also ganz oder zu großen Teilen im Homeoffice verrichten. Die Anzahl der Beschäftigten in der Produktion ist vergleichsweise gering.

    Andersherum sieht die Verteilung aus Büro- und Montagekräften an den beiden anderen großen deutschen Opel-Standorten in Eisenach (1300 Mitarbeiter) und Kaiserslautern (1400 Mitarbeiter) aus. Hier sind die Produktionsmitarbeiter klar in der Überzahl. Das Ausmaß an Heimarbeit, das Opel in Verwaltung und Engineering insbesondere in Rüsselsheim vorschwebt, beunruhigt allerdings die Gewerkschaft.

    „Der Küchentisch ist kein Büroersatz“

    „Wir sind nicht dogmatisch gegen mehr Homeoffice und verstärktes Desksharing, aber in dieser Größenordnung halten wir die Maßnahmen nicht für zielführend. So wird das unter den Beschäftigten absehbar auf keine Akzeptanz stoßen“, sagte Ulrike Obermayr dem Handelsblatt.

    Grafik

    Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Darmstadt fürchtet, dass sich die Arbeitskultur bei Opel enorm verändern könnte – und zwar zum Schlechteren. „Die Freiwilligkeit droht ausgehebelt zu werden, da nicht immer für jeden ein mobiler Arbeitsplatz sichergestellt werden kann.“

    Obermayr sieht bei dem Konzept von Opel noch eine Reihe von ungeklärten Fragen. „In welchem Ausmaß übernimmt Opel beispielsweise die zusätzlichen Betriebskosten zu Hause?“, fragte sie.

    Die Pauschalen, die bei den Stellantis-Schwestermarken Peugeot und Citroën in Frankreich gezahlt werden, sind jedenfalls nicht allzu üppig. Für die Ersteinrichtung des Homeoffice gibt es dort laut Konzernkreisen einen Zuschuss von gut 150 Euro sowie monatlich zehn Euro als Ausgleichsgeld für die zusätzlichen Stromkosten.

    Viele Gewerkschafter halten diese Geldbeträge für unzureichend. „Wir werden darauf bestehen, dass das Unternehmen die Heimbüros umfassend ausstattet und ein ergonomisches Arbeiten auch zu Hause gewährleistet ist“, betont Obermayr: „Der Küchentisch ist jedenfalls kein Büroersatz.“

    Opel-Chef Lohscheller hat dagegen weniger Bedenken beim Homeoffice. Er will seinen Mitarbeitern im Zweifel Mobiliar aus dem Betrieb zur Verfügung stellen. Schon jetzt können Beschäftigte etwa Computerbildschirme der Firma auch zu Hause nutzen.

    Einigt sich Opel mit dem Betriebsrat auf eine dauerhafte Homeoffice-Lösung, könnte die Firma größere Büroflachen verkaufen oder vermieten. So käme Lohscheller auch einem anderen Ziel näher. Seit Jahren versucht der Manager das Konzernareal in Rüsselsheim massiv zu verkleinern. Aus seiner Sicht ist der Campus, der einst in etwa so groß war wie das Fürstentum Monaco, weiterhin völlig überdimensioniert. „Das geht nicht“, betonte Lohscheller immer wieder: „Wir leben doch privat auch nicht in Häusern, in die zwei oder drei Familien reinpassen.“

    Mehr: Bloß kein Kleiderschrank im Arbeitszimmer: So sparen Sie Steuern im Homeoffice

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    1 Kommentar zu "Stellantis-Tochter: Opel will Mehrheit der Mitarbeiter dauerhaft ins Homeoffice schicken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich halte derartig weitgehende Überlegungen für eine Provokation unglaublichen Ausmaßes. Schon die heutige, pandemiebedingte, Homeoffice-Pflicht vieler Unternehmen ist in meinen Augen, sofern sie entschädigungslos geschieht, rechtswidrig.
      Letztendlich mietet das Unternehmen, das Homeoffice-Pflicht anordnet, konkludent Büroräume in Privatwohnungen an. Wenn ein Opelaner, der in Rüsselsheim seinen Arbeitsplatz hat, dann von seiner Wohnung in Frankfurt aus arbeitet entstehen bei einer rechtmäßigen Entschädigung für Opel sogar höhere Kosten. Bürofläche in Frankfurt zu mieten ist nämlich deutlich teurer als in Rüsselsheim.
      Ich jedenfalls würde keine Minute zögern, meinen Arbeitgeber auf Zahlung einer angemessenen Miete für das Homeoffice zu verklagen, wenn so etwas zum Dauerzustand würde.
      Ich hoffe, die Gewerkschaften, Betriebsräte und Personalräte laufen gegen solche Ambitionen Sturm.

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