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Streit bei Volkswagen VW-Betriebsrat blockiert Bau von neuem Osteuropa-Werk

Die Arbeitnehmervertreter lehnen den Bau eines neuen Werks in Osteuropa oder in der Türkei ab. Sie wollen vorhandene Fabriken besser auslasten.
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Es gibt Streit zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat über die Auslastung der deutschen Werke. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Wolfsburger VW-Werk

Es gibt Streit zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat über die Auslastung der deutschen Werke.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Düsseldorf Bei Volkswagen steuern Vorstand und Betriebsrat auf einen neuen Konflikt zu. Die Arbeitnehmerseite verweigert ihre Zustimmung zum Bau eines neuen Autowerks in Osteuropa oder der Türkei bis auf Weiteres. „Im Konzernaufsichtsrat werden unsere Vertreter dagegen stimmen“, hieß es dazu aus Betriebsratskreisen. Statt in Osteuropa neue Kapazitäten aufzubauen, sollte der Konzern besser auf vorhandene Fabriken zurückgreifen, die nicht voll ausgelastet seien.

Dem Wolfsburger Autohersteller droht eine weitere Verschärfung des internes Machtkampfs zwischen Kapital- und Arbeitnehmerseite. Familiensprecher Wolfgang Porsche, Vertreter der wichtigsten Anteilseignergruppe im Konzern, hatte dem Betriebsrat in der vergangenen Woche auf dem Genfer Automobilsalon eine Mitverantwortung für verkrustete Strukturen vor allem in der Wolfsburger Zentrale zugeschrieben.

Als Aufsichtsrat wolle er das Management um Vorstandschef Herbert Diess beim nötigen Umbau des Konzerns unterstützen.

Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh reagierte verärgert auf die Äußerungen Porsches. Für jüngste Fehlentwicklungen im Konzern sei das Management und nicht die Arbeitnehmerseite verantwortlich. In einem Interview mit der „Braunschweiger Zeitung“ forderte Osterloh personelle Konsequenzen.

„Es kann nicht sein, dass hier Milliarden versenkt werden, und das bleibt ohne Folgen“, sagte er mit Bezug auf die fehlerhafte Umstellung auf die neuen Zulassungsnormen für Verbrauch und Abgasemissionen WLTP, die den Konzern im vergangenen Jahr mindestens eine Milliarde Euro gekostet hatten.

Die Verärgerung des Betriebsrats findet ihren Niederschlag jetzt zusätzlich im Streit über den möglichen Bau eines neuen Werks in Osteuropa. Ausgangspunkt ist die Umstellung der Emder VW-Fabrik auf neue Elektroautos, die eine ganze Rochade im europäischen Produktionsverbund des Konzerns auslöst.

Die Passat-Produktion aus Emden soll deshalb in ein Skoda-Werk in Tschechien verlagert werden. Skoda braucht dann wiederum Kapazitäten, die mit dem Bau eines neuen Werks geschaffen werden sollen. „Skoda ist auf zusätzliche Produktionskapazitäten angewiesen, das ist unstrittig“, sagte ein Konzernsprecher.

Management will mit neuer Fabrik Skoda-Engpässe beheben

Das Management favorisiert den Bau einer neuen Fabrik, um die drohenden Engpässe bei Skoda zu beheben. VW prüft zehn mögliche Standorte in Serbien, Rumänien, Bulgarien und in der Türkei. Wie dazu aus Konzernkreisen verlautet, kalkuliert Volkswagen mit Kosten von 1,3 Milliarden Euro. Staatliche Ansiedlungshilfen im dreistelligen Millionenbereich könnten davon noch abgezogen werden.

Auf der Arbeitnehmerseite heißt es dazu, dass die Umrüstung etwa eines nicht ausgelasteten Motorenwerks schon für 200 Millionen Euro zu haben sei.

Ein Beschluss zum Bau der neuen Fabrik würde die Liste jüngster Fehlentscheidungen aus Sicht des Betriebsrats nur verlängern. Schon jetzt gebe es massive Auslastungsprobleme in den vorhandenen Werken. Die Entwickler haben massive Probleme mit der Elektronik des neuen Golf, dessen Produktion im zweiten Halbjahr in Wolfsburg starten soll.

Deshalb können möglicherweise 80.000 Autos nicht gebaut werden, was ein Loch von bis zu 400 Millionen Euro in die Kasse reißen würde. Wegen ähnlicher Probleme ist die Produktion des neuen Passat in Emden um ein halbes Jahr verschoben worden.
Im slowakischen Bratislava wird die Fertigung des Kleinwagens Up eingestellt – ein Nachfolgeprodukt sei bislang nicht in Sicht.

Für Verzögerungen und Auslastungsprobleme ist nach Meinung der Arbeitnehmer ausschließlich das Management verantwortlich – und damit am Ende Konzern- und Markenchef Herbert Diess.

Nicht nur mit dem Betriebsrat bekommt der Vorstandschef Probleme, sondern auch mit dem eigenen Management. In seinem Umfeld wird Diess vorgehalten, dass er zunehmend selbstherrlich agiere. „Er motiviert die Mannschaft nicht genug, er verunsichert sie eher“, sagte ein Topmanager des Autokonzerns. Von konstruktiver Teamarbeit könne nicht die Rede sein.

Auf Widerstand stößt Diess auch mit seiner Initiative „Excellent Leadership“. Die knapp 400 Topmanager des Konzerns bis hinauf zu den Markenvorständen sollen ein Assessment-Center durchlaufen, in dem ihre Managementfähigkeiten getestet werden. Nach Konzernlesart geht es darum, ein geordnetes System der Nachfolge aufzubauen und die besten Kandidaten herauszufiltern, wenn ein Spitzenplatz im Management frei wird.

Betroffene Führungskräfte fürchten eher, dass unliebsame Manager aussortiert werden sollen.

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