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Streit bei Volkswagen VW-Chef Diess sucht nach Kompromiss mit Betriebsrat

Der Machtkampf bei VW verliert an Schärfe. Konzernchef Herbert Diess geht auf das Arbeiterlager zu. Ihm hilft, dass der ID.3 doch pünktlich startet.
11.06.2020 - 17:39 Uhr Kommentieren
Krisenstimmung bei VW. Quelle: AFP
Volkswagen

Krisenstimmung bei VW.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Die vergangenen Tage haben den Volkswagen-Konzern schwer erschüttert. Eine Sondersitzung des Aufsichtsrats jagte die nächste, fast hätte Vorstandschef Herbert Diess seinen Posten verloren. Es ist vor allem eine Auseinandersetzung zwischen dem einflussreichen Betriebsrat und Diess. Die Arbeitnehmerseite hält dem Konzernchef schwere operative Versäumnisse beim Produktionsstart des neuen Golfs und des Elektromodells ID.3 vor. Als Konsequenz daraus hatte Diess den Vorstandsvorsitz bei der Marke VW verloren.

Diess startet nun den Versuch, eine neue Kompromisslinie mit dem Betriebsrat zu finden. „Wir haben vor, uns mit dem Betriebsrat noch mal enger abzustimmen“, sagte der Konzernchef in einer Videobotschaft an die Belegschaft. Der Umbau des Unternehmens mit Digitalisierung und Elektrifizierung sorge für Unruhe und Unsicherheit aufseiten der Mitarbeiter. „Da müssen wir mehr in den Dialog gehen“, betonte Diess.

Da sich zwei akute Konfliktpunkte entschärfen, könnten Diess und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh möglicherweise zueinanderfinden. Die Arbeitnehmer hatten das Management wegen eines rassistischen Golf-Werbevideos angegriffen, das im Mai an allen internen Kontrollinstanzen vorbei auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht worden war. Zudem hält VW die Pläne für das neue Elektroauto ID.3 ein: Das prestigeträchtige Fahrzeug soll Anfang September an die ersten Kunden ausgeliefert worden.

Das umstrittene Golf-Video führt zunächst nicht zu personellen, sondern nur zu organisatorischen Konsequenzen. Das ist das Ergebnis des internen Revisionsberichts, den das Unternehmen am Donnerstag in Auszügen vorgelegt hat. Bei der Abnahme des Videos haben „keinerlei rassistische Intentionen eine Rolle gespielt“, sagte Rechtsvorständin Hiltrud Werner in einem Pressegespräch. Die Konzernrevision habe bei Mitarbeitern aus dem Marketing und der Kommunikation hingegen „fehlende Sensibilität und prozessuale Fehler“ festgestellt.

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    Spätere personelle Konsequenzen sind allerdings nicht völlig ausgeschlossen. Ein individuelles Verschulden durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit festzustellen, das sei die Aufgabe von Disziplinar- und Personalräten, so Werner weiter.

    Betriebsrat sieht Änderungen positiv

    Statt personeller Konsequenzen will VW die internen Abläufe verändern, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. So will der Konzern beispielsweise einen „Ethik-Rat“ aus Experten einrichten, der Werbekampagnen auf problematische Inhalte untersuchen soll. Außerdem bekommt Volkswagen eine umfassende Social-Media-Organisation, die schnell und rund um die Uhr reagiert, wenn Inhalte des Konzerns im Internet kritisch diskutiert werden.

    Betriebsratschef Osterloh äußerte sich positiv zu den vom Management angekündigten Änderungen. „Hoffentlich geht das schnell genug und wirkt dann entsprechend nachhaltig“, sagte er. In Zukunft sei es vor allem wichtig, dass der Konzern in kritischen Situationen zügig reagiere.

    Die Kritik der Arbeitnehmer am Konzern und an Vorstandschef Diess könnte in nächster Zeit nachlassen, wenn Volkswagen zudem den am Mittwoch verkündeten Fahrplan für das neue Elektromodell ID.3 einhält. „Das sind grundsätzlich positive Signale“, hieß es dazu auf Arbeitnehmerseite. Kunden können von nächster Woche an in den meisten europäischen Ländern zu einem VW-Händler gehen und das Auto dort bestellen.

    Die neue und umfangreiche Software des ID.3 hatte den VW-Ingenieuren in den vergangenen Monaten viele Probleme bereitet. Zum Verkaufsstart Anfang September sind deshalb auch nicht alle ursprünglich für das Auto geplanten Software-Funktionen fertig geworden. ID.3-Kunden müssen zum Jahresende mit ihrem Auto in die Werkstatt fahren, um die fehlenden Funktionen nachträglich aufspielen zu lassen. Später soll es bei Volkswagen solche Software-Updates auch „over the air“ wie bei einem Smartphone geben.

    Beim US-Konkurrenten Tesla gehören solche Updates ohne Werkstattbesuch heute schon zum Standard. Wahrscheinlich auch deshalb wird Tesla an der Börse viel höher als die deutschen Autohersteller bewertet. Am Mittwoch war die Tesla-Aktie erstmals mehr als 1000 US-Dollar wert. Die Marktkapitalisierung erreichte damit fast 190 Milliarden Dollar und damit mehr als die von VW, Daimler und BMW zusammen.

    Mehr: Drama um Diess: Der VW-Chef verliert an Rückhalt

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