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Streit um 40-Stunden-Woche spitzt sich zu Conti stellt sich auf Zukäufe ein

Der Auto-Zulieferer Continental will zugreifen, wenn sich Gelegenheite für Zukäufe geben - und bei der erwarteten weiteren Branchen-Konsolidierung eine aktive Rolle spielen.

HB GENF/HANNOVER. „Viele kleine Hersteller sind nicht in der Lage, weltweit zu agieren“, sagte Konzern-Vize Wolfgang Ziebart am Dienstag in Genf. Dabei gehe es mehr um Ergänzungen als um strategische Investitionen beispielsweise in neue Geschäftsfelder. Im laufenden Jahr hält das Unternehmen trotz der Autoflaute in wichtigen Märkten ein Umsatzwachstum für möglich. Die Kosten sollen weiter gesenkt werden.

Bei der Steigerung der Erlöse setze Continental insbesondere auf Zukunftstechnologien, sagte Ziebart. So sei das Unternehmen im Bereich der Hybrid-Fahrzeuge, bei Luftfedersystemen und bei so genannten Umfeldsensoren sehr gut positioniert. Immer mehr Fahrzeuge würden künftig mit solchen modernen Technologien ausgerüstet. Daher könne sich Conti etwas unabhängiger vom Reifengeschäft machen.

Für die Autobranche ist Conti nur verhalten optimistisch gestimmt. „Die großen Märkte stagnieren mehr oder weniger“, sagte Ziebart. Zudem sei der Druck auf die Preise weiter groß. Continental wolle daher weiter die Kosten drücken und Beschäftigung in erster Linie im Ausland aufbauen. Ein größerer Stellenabbau in Deutschland sei aber derzeit nicht geplant.

Im vergangenen Jahr konnte Conti das operative Ergebnis nach früheren Angaben von knapp 700 auf über 800 Millionen Euro steigern. Beim Umsatz habe der Konzern den schwachen Dollar zu spüren bekommen, da ein guter Teil des Geschäfts in Dollar gemacht werde, sagte Ziebart. Auf den Gewinn habe die Euro-Stärke aber praktisch keinen Einfluss. Was Continental im Dollar-Raum verkaufe, werde zum allergrößten Teil auch dort produziert.

Streit um 40-Stunden-Woche spitzt sich zu

Der Streit um die vom Reifenhersteller Continental geplante Rückkehr zur 40-Stunden-Woche in seinem Werk in Hannover spitzt sich zu. Das Unternehmen warf der Gewerkschaft IG BCE am Dienstag vor, mit ihrer „Kampfansage“ eine zukunftsträchtige Lösung für das Nutzfahrzeugreifen-Werk zu verhindern.

Die Gewerkschaft hatte zuvor in einer Pressekonferenz eine Erhöhung der Wochenstundenzeit von zurzeit 37,5 auf 40 ohne entsprechenden Lohnausgleich erneut als nicht hinnehmbar abgelehnt. Dies seien 15 Tage kostenlose Mehrarbeit. Außerdem verlange Conti den Wegfall von bislang zehn freien Tagen im Jahr. Diese Arbeitszeitverlängerung gefährde rund 400 der rund 3 500 Stellen im Werk Hannover-Stöcken.

Das Unternehmen forderte dagegen eine Einigung bis zum 15. März auf dem Verhandlungsweg und drohte mit der Verlagerung von Investitionen nach Osteuropa. „Bleibt die Gewerkschaft bei ihrer Haltung, verkündet sie das Aus für geplante Investitionen von mehr als 20 Millionen Euro. Dieses Geld wird dann ins Ausland fließen, weil sich die Investition in Stöcken ohne den nötigen Beitrag der Beschäftigten nicht rechnet“, sagte Conti-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Nikolin in einer Erklärung.

IG BCE-Landesbezirkschef Peter Hüttenmeister warf Conti vor, die Beschäftigten mit der Drohung eines Standortwechsels erpressen wolle. Verlängerte Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich seien Maßnahmen in Krisenfällen. Von schlechten Zeiten könne bei Conti angesichts der Rekordbilanz in 2003 nicht die Rede sein.

Der Reifen- und Autozuliefererkonzern verwies dagegen auf den Druck aus der Automobilbranche wie auch von Endverbrauchern, der Conti dazu zwinge, pro Jahr drei bis fünf Prozent seiner Kosten einzusparen. Arbeitsdirektor Thomas Sattelberger fordert die Gewerkschaft auf, den Erhalt von Industrie-Arbeitsplätzen in Deutschland nicht zu gefährden.

Conti hat in den vergangenen Jahren bereits nach und nach zahlreiche Werke in Westeuropa zugunsten neuer Werk in Osteuropa stillgelegt. Branchenexperten gehen davon aus, dass diese Entwicklung anhalten wird. Der Conti-Vorstand hat bereits mehrfach erklärt, es gebe für kein Werk eine Bestandsgarantie, das gelte auch für das Lkw-Reifen-Werk in Hannover-Stöcken am Stammsitz von Conti.

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