Streit um Arbeitsmoral US-Firmenchef feuert erneut gegen Franzosen

Der Streit zwischen dem Boss des US-Reifenkonzerns Titan und dem Industrieminister in Paris geht weiter. Taylors Äußerungen seien extremistisch. Der kontert: Frankreichs Regierung habe keine Ahnung von der Wirtschaft.
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Morry Taylor erklärte Anfang der Woche, in Frankreich würden die Arbeiter mehr Lohn bekommen und nur drei Stunden am Tag arbeiten. Quelle: AP/dpa

Morry Taylor erklärte Anfang der Woche, in Frankreich würden die Arbeiter mehr Lohn bekommen und nur drei Stunden am Tag arbeiten.

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WashingtonUS-Firmenboss Maurice Taylor hat mit seiner Kritik an Frankreich nachgelegt. Nachdem Industrieminister Arnaud Montebourg Taylors Äußerungen als "extremistisch" bezeichnet hatte, schrieb Taylor am Donnerstag in einem neuen Brief: "Extremistisch, Herr Minister, ist Ihre Regierung und das mangelnde Wissen, wie man ein Unternehmen aufbaut."

Er selbst müsse "verrückt" gewesen sein, daran gedacht zu haben, "Millionen Dollar" für den Kauf einer Reifenfabrik in Frankreich auszugeben und einige der höchsten Löhne in der Welt zu zahlen". Die französische Regierung lasse es zu, dass "die Spinner der kommunistischen Gewerkschaft" die bestbezahlten Jobs zerstörten.

Trotz seiner scharfen Worte gibt es für Taylor auch positive Dinge an Frankreich: "Frankreich hat schöne Frauen und großartigen Wein", schrieb Taylor in seinem jüngsten Brief. Er selbst sei zudem nach dem berühmten Franzosen Maurice Chevalier benannt. "Meine Großmutter nannte meinen Vater nach dem französischen Entertainer Maurice Chevalier." Als ältester Sohn habe er den Namen dann geerbt.

Taylor ist Chef des US-Reifenkonzerns Titan. In einem ersten Brief hatte er sich über die französische Arbeitsmoral ausgelassen und erklärt, die "sogenannten Arbeiter" in einem französischen Reifen-Werk arbeiteten höchstens "drei Stunden" am Tag. Montebourg hatte den US-Konzern gebeten, eine Übernahme des von der Schließung bedrohten Werks des US-Konzerns Goodyear im nordfranzösischen Amiens zu prüfen. Der Titan-Chef erteilt dem Ansinnen eine unverblümte Absage: "Was glauben Sie eigentlich, wie dumm wir sind?" Montebourg nannte Taylors Äußerungen daraufhin extremistisch.

  • afp
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44 Kommentare zu "Streit um Arbeitsmoral: US-Firmenchef feuert erneut gegen Franzosen"

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  • Ein typisch amerikanischer Proll-Chef eben, der seine persönliche Meinung nicht von der geschäftlichen trennen kann und meint persönlich werden zu müssen. Ich würde der französischen Regierung empfehlen ein Verfahren wegen Beleidigung anzustrengen und lieber einen europäischen Hersteller fragen.

    Die Anfrage nach US kam wohl wegen den Verhandlungen mit GM bei der PSA zustande? Das ist aber kein zukunftsträchtiger Weg sich die Amis ins Boot zu holen! Ich sehe da schwarz für die PSA.

  • "Unter dem Deckmantel einer angeblichen Terrorismusbedrohung werden die Bürger massiv überwacht."

    Jedenfalls weniger als in Deutschland! In den USA gibt es zB keine Meldepflicht. Deswegen gibt es auch kein Äquivalent zum Personalausweis und man muss sich zum Wählen erst registrieren.

  • Die Kreide haben sie gefressen.Aber Hauptsache wird ihr Gehalt noch erarbeitet .
    Denken sie an die Jahre ab 1789,da ging es Vielen an den Kragen.
    Die Franzosen sind jedenfalls kein Speichelleckervolk wie wir Deutschen.

  • Die US-Wirtschaft ist nunmal auf Sklavenhalterei ausgelegt - und wir schließen uns peu à peu an !!!

  • Meine Schwester arbeitet mit Franzosen zusammen (Führungsebene). Fazit: Franzosen kommen immer zu spät, gehen immer früher, machen ausgedehnte Pausen, bestzen die Spitzenfunktionen und lassen die Anderen, die pünktlich kommen, die Arbeit machen.

    Und ich sage schon seit Jahren, daß uns die französischen Eliten!!!! auf der Nase herumtanzen. Der Typ hat mit seinen Aussagen vollkommen recht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ja, ja, wer der US-Hochfinanz nicht passt, der "Endet, wie die Griechen".

  • Frankreich:35 Stunden Arbeit pro Woche und durch Hollande wieder Rente mit 60 Jahren.
    Aber hierzulande will man die Alten bald bis 70 malochen lassen.Fuer Europa und Frankreich?Oder fuer wen sonst noch?

  • Nur keinen Neid!

  • @WFriedrich

    Herr Tate bezog sich bei seiner Kritik aber ausdrücklich auf das Goodyear Reifenwerk in Amiens und da ist es nunmal wirklich so, dass die Beschäftigten seit geraumer Zeit nur noch 3 Stunden am Tag arbeiten. Goodyear will das Werk schon seit vielen Jahren schließen bzw. loswerden, da man sich aus dem Geschäft mit Reifen für den Agrarsektor zurückzieht. Die Gewerkschaft hat das bisher u.a. auch auf dem Gerichtsweg verhindert. Das führte dann zu der absurden Situation, dass in dem Werk wegen mangelndem Absatz nur noch 3 Stunden am Tag gearbeitet wird. Schuld an der Situation ist ganz klar die starrköpfige Gewerkschaft. Da Titan Tires schon häufiger Werke für Traktorreifen übernommen hat und ursprünglich auch dieses Werk übernehmen sollte, dürfte Herr Tate die Situation in Amiens ziemlich gut kennen.

    Wer bitte soll so ein Werk weiterführen bei dem einen die Gewerkschaft mit allen Mitteln bekämpft? In speziell diesem Fall ist es wirklich die Gewerkschaft, die diese Lage zu verantworten hat.

    Dieser US-Konzern betreibt über die Tochter Titan France SAS in Saint-Georges-des-Groseillers ein Werk mit 92 Mitarbeitern (Angaben laut Insee vom 31.12.10) zur Herstellung von Rädern für Landwirtschaftsmaschinen. Dieser Konzern betreibt eine ganze Reihe von Fertigungsstandorte in Europa. In Deutschland ist z.B. eine in Gevelsberg mit 124 Beschäftigten (lt. Creditreform).

    Mir ist Frankreich auch tausendmal sympathischer als die USA, aber in diesem Fall ist die Kritik nunmal berechtigt und auch der Adressat stimmt. Ich denke schon, dass die Arbeiter für die Politik der Gewerkschaften verantwortlich sind. Gewerkschaften sind wichtig, aber gerade in Frankreich scheint es mir so, dass deren Politik dem französischen Arbeiter langfristig eher schadet als nützt.



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