Streit um Aufspaltung ABB-Vorstand widersetzt sich dem Großaktionär

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer und Großaktionär Cevian streiten sich um das Netzgeschäft. Während Cevian den Konzern zerschlagen will, hält Spiesshofer am Netzgeschäft fest. Der muss sich nun am Aktienkurs messen lassen.
Der Vorstandschef strebt einen Aktienkurs von 35 Franken an. Quelle: Reuters
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer

Der Vorstandschef strebt einen Aktienkurs von 35 Franken an.

(Foto: Reuters)

ZürichABB-Chef Ulrich Spiesshofer will die Stromnetzsparte behalten und widersetzt sich damit den Zerschlagungswünschen von Aktionären. „Es ist die beste Option, wenn wir das Geschäft in unserem Eigentum transformieren”, sagte der Konzernchef am Dienstag auf einer Analystenveranstaltung. Nach einem Jahr der Prüfung habe sich das Festhalten am Netzgeschäft als beste Variante vor einem Joint Venture oder dem Verkauf herausgestellt. Es bestünden weiterhin große Synergien. „Wir sind der einzige Hersteller, der die komplette Technik für den Stromtransfer vom Solarpanel bis zur Steckdose anbietet”, verteidigte Spiesshofer seinen Kurs. Zudem kündigte der ABB-Chef eine Verschärfung des Sparkurses an. Auch setzt Spiesshofer in einzelnen Geschäftsfeldern verstärkt auf Kooperationen.

Großaktionär Cevian reagierte enttäuscht und erneuerte seinen Widerstand. „Wir denken, dass das eine unglückliche Entscheidung ist”, erklärte Cevian-Co-Chef Lars Förberg. Das Kurspotenzial der ABB-Aktie betrage 35 Franken verglichen mit einem gegenwärtigen Kurs von rund 22 Franken. Cevian werde das ABB-Management-Team daran messen, ob die Aktie die 35-Franken-Marke auch erreiche. Der aktivistische Investor aus Schweden erwarte baldige Fortschritte. „ABB hat bereits lange Zeit zu wenig geliefert”, monierte Förberg.

„Ein Aktienkurs von 35 Franken ist ein Wert, den wir in akzeptabler Zeit erreichen werden”, versprach Spiesshofer. Nach dem Verkauf des Kabelgeschäfts werde die Stromnetzsparte auf Rendite getrimmt. Die Ziele für die operative Marge für das Segment hob er um zwei Punkte auf zehn bis 14 Prozent an. Rückendeckung erhielt Spiesshofer von Verwaltungsratschef Peter Voser. „Wir unterstützen nachdrücklich das Management-Team und den heute präsentierten Aktionsplan”, erklärte er. Spiesshofer erhielt auch den Segen des größten Einzelaktionärs Investor AB, dem Anlagevehikel der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg. Die Stromnetzsparte zu behalten sei die richtige Entscheidung für das Unternehmen und die Aktionäre, erklärte Investor AB. ABB sei zusammen mehr Wert als in Teilen. Die Kosten einer Aufteilung seien höher als deren positiven Aspekte. ABB sei ein guter Eigner des Geschäfts.

Was deutsche Manager in der Schweiz verdienen
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Jahrzehntelang war die Schweiz eine Art Sehnsuchtsland für deutsche Topmanager. Tolles Klima, abwechslungsreiche Landschaften, zahlreiche internationale Großkonzerne und vor allem: hohe Gehälter und niedrige Steuern. Kein Wunder, dass sich viele Deutsche in den Teppichetagen der wichtigsten Schweizer Großkonzerne tummeln. Ein Überblick.

Ulrich Spiesshofer, Vorstandsvorsitzender ABB
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Der baden-württembergische Topmanager ist Volkswirt und arbeitete als Berater, bis er 2005 zu ABB wechselte. Seit 2013 führt er den Konzern. In einem Interview sagte Spiesshofer in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Schweizer Unternehmen und der Politik: „Wir fühlen uns mit unseren Anliegen gehört.“
Jährliche Gesamtvergütung: 9,1 Millionen Franken.

Axel Weber, Verwaltungsratspräsident UBS
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Axel Weber gilt als eine der einflussreichsten Personen bei der Bankenrettung während der Euro- und der Staatsschuldenkrise vor rund sieben Jahren. Seit 2012 leitet er als Verwaltungsratspräsident der UBS die Geschicke der einst angeschlagenen Schweizer Großbank. Mit Erfolg: Die Bank hatte einst große Probleme, brauchte Geld vom Staat – heute steht sie wieder solide da.
Jährliche Gesamtvergütung: 6,0 Millionen Franken.

Thomas Klühr, Vorstandsvorsitzender Swiss Air
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Der besonnene Manager kam im Februar von der Konzernmutter Lufthansa zur Swiss. Er ersetzte dort Harry Hohmeister, der innerhalb des Konzerns in die Firmenzentrale nach Frankfurt wechselte – ebenfalls ein Deutscher. Klühr soll nicht den leichtesten Start beim neuen Arbeitgeber gehabt haben: Eine Schweizer Pilotengewerkschaft vermutete hinter der abermaligen Nominierung aus Deutschland einen faktischen Abbau der Eigenständigkeit der Schweizer Traditionsairline.
Amtsantritt am 1. Februar 2016.

Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident Roche
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Der Ex-Lufthansa-Chef wechselte im Jahr 2014 auf den höchsten Posten des Basler Pharmariesen. Der promovierte Wirtschaftsingenieur bezeichnete den Posten als Airline-Chef einmal als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“, fügte aber in Bezug auf seinen neuen Arbeitgeber hinzu: „Ich verdiene heute nicht mehr Geld.“
Jährliche Gesamtvergütung: 5,7 Millionen Franken.

Jörg Reinhardt, Verwaltungsratspräsident Novartis
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Beim Roche-Konkurrenten Novartis hält ebenfalls ein Deutscher die Fäden in der Hand. Er führte bis vor drei Jahren die Gesundheitssparte des Bayer-Konzerns, bevor er den wohl letztmöglichen Schritt auf der Karriereleiter wagte. Zum Amtsantritt Reinhardts war die Schweizer Presse voll des Lobes. Das Boulevardblatt Blick titelte, Reinhardt sei „bescheiden und tough“.
Jährliche Gesamtvergütung: 3,8 Millionen Franken.

Joachim Masur, Vorstand Zurich Versicherungsgruppe
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Seit 2012 leitet der deutsche Versicherungsfachmann das Schweiz-Geschäft des traditionsreichen Versicherers aus Zürich. Unter seiner Führung hat das Unternehmen eine schiere Aufholjagd im Heimatmarkt hingelegt. In seiner Position ist Masur für 5100 Mitarbeiter zuständig.
Vergütung wird nicht berichtet.

Als aktivistischer Investor hat Cevian in der Vergangenheit schon häufiger für einen Kurswechsel im Management gesorgt. Beim Mannheimer Baudienstleister Bilfinger, an dem die Schweden mit 25,6 Prozent beteiligt sind, sorgten die Skandinavier Insidern zufolge dafür, dass der Traditionskonzern zerschlagen wurde. Verkauft wurde das gesunde Bau- und Immobiliengeschäft, womit das Unternehmen die letzten Wurzeln zu seiner Geschichte kappte.

An der Börse und unter Analysten kam Spiesshofers Marschroute gut an: Die ABB-Titel legten rund ein Prozent zu. „Wir denken, es sind die richtigen Schritte des Managements zum jetzigen Zeitpunkt”, erklärten die Analysten von Goldman Sachs. Auf positive Resonanz stieß unter den Anlegern auch, dass ABB ab kommenden Jahr bis zu drei Milliarden Dollar für einen neuerlichen Aktienrückkauf ausgeben will.

Um sein Risikoprofil zu schmälern und stärker von der Digitalisierung seiner Kundenbranchen zu profitieren, kündigten die Eidgenossen eine Reihe von Kooperationen an. Im Geschäft mit Umspannwerken arbeitet ABB künftig mit dem US-Bauspezialisten Fluor zusammen. Bei der Anbindung von Windanlagen auf See kooperiert der Konzern künftig mit Aibel. Auf dem Gebiet Industrie 4.0 holen sich die Zürcher Microsoft an die Seite.

Zugleich zieht Spiesshofer die Kostenschraube weiter an, um künftig mehr Rendite zu erwirtschaften und wieder Anschluss an Konkurrenten wie Siemens und GE zu finden. In der Verwaltung sollen neu 1,3 Milliarden Dollar (1,16 Milliarden Euro) eingespart werden, 30 Prozent mehr als bisher angepeilt. Das soll helfen, die langfristig geplante ABB-Marge zwischen elf und 16 Prozent zu halten. ABB litt zuletzt unter einer schwächeren Auftragslage und Druck auf die Margen. Spiesshofer bezeichnete die Marktlage allgemein als weiter schwierig. Allerdings gebe es in ersten Industrien Anzeichen für Wachstum. Langfristig werde sein Haus die Einnahmen um jährlich drei bis sechs Prozent steigern.

  • rtr
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