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Streit um Boni Thyssen-Chefkontrolleur Russwurm verteidigt die Sonderzahlung an den Vorstand

Mitarbeiter des Industriekonzerns sind empört, weil der Vorstand trotz katastrophaler Ergebnisse einen Sonderbonus erhält. Der Aufsichtsratschef beantwortet die Vorwürfe in einem persönlichen Brief.
08.12.2020 - 04:00 Uhr 8 Kommentare
Der Aufsichtsratschef will den Aktionären bei der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen. Quelle: dpa
Martina Merz und Siegfried Russwurm

Der Aufsichtsratschef will den Aktionären bei der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Frankfurt Ihre Ablehnung drückten die Mitarbeitervertreter der Stahlsparte deutlich aus: „In einem Geschäftsjahr, in dem die Thyssen-Krupp AG Milliardenverluste schreiben musste, Zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit waren und nach wie vor sind und überall Sparmaßnahmen ergriffen werden, sind die Erfolgs-Boni mit keinem Argument zu rechtfertigen“, hieß es vergangene Woche in einem offenen Brief an den Vorstand.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der Aufsichtsrat dem Vorstand für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Sonderbonus von knapp einer Million Euro gewährt. Und das, obwohl der Konzern im laufenden Geschäft einen historischen Milliardenverlust eingefahren hatte. Auch bei Anlegerschützern und Politikern hatte die Zahlung für Empörung gesorgt.

Nun verteidigt Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm, der seit Kurzem auch den Bundesverband der Deutschen Industrie als Präsident anführt, die Entscheidung seinerseits in einem Brief.

In dem Schreiben an die Mitarbeiter, das dem Handelsblatt vorliegt, nimmt der Chefkontrolleur den Vorstand aus der Schusslinie. Die Kritik der Arbeitnehmer an der Unternehmensführung sei unberechtigt, „weil der Vorstand lediglich der Empfänger der ihm zugebilligten Sondervergütung ist, aber in keiner Weise an der Entscheidung darüber beteiligt war“. Eine Forderung der Unternehmensführung nach einer Sonderzahlung habe es nicht gegeben.

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    Um zu verstehen, warum sich der Aufsichtsrat dennoch zu dem Schritt entschlossen hat, hilft ein Blick in den Vergütungsbericht des Industriekonzerns. Demnach erhielt Vorstandschefin Martina Merz eine jährliche Festvergütung von 1,34 Millionen Euro; ihre Vorstandskollegen Klaus Keysberg (Finanzen) und Oliver Burkhard (Personal) jeweils 700.000 Euro.

    Erreicht das Unternehmen seine Ziele zu 100 Prozent, kommt für die Vorsitzende und die anderen Vorstandsmitglieder noch einmal eine erfolgsabhängige Vergütung von 1,25 Millionen Euro beziehungsweise 680.000 Euro hinzu. Weil die Zielerreichung bei den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen bei null Prozent lag, fiel diese Zahlung im Geschäftsjahr 2019/20 allerdings vollständig aus.

    Unterhalb der Vorstandsebene hingegen werden die Manager an persönlichen Zielen gemessen und entsprechend vergütet. Mit dem Sonderbonus wollte der Aufsichtsrat offenbar kompensieren, dass die persönliche Leistung der Vorstandsmitglieder allein an den Unternehmenszielen gemessen wird.

    Gleiche Regeln für Vorstand und übrige Führungskräfte

    „Um in einer Ausnahmesituation auch auf Vorstandsebene die individuelle Leistung würdigen zu können, gibt es im System eine bewusste und gewollte Ausnahmeregelung“, schreibt Russwurm an die Mitarbeiter. „Der Aufsichtsrat kann den Vorständen einen Sonderbonus zubilligen, wenn er das für gerechtfertigt hält – nicht irgendwie ‚verdeckt‘, sondern völlig transparent, veröffentlicht und begründet im Jahresbericht.“

    Mittlerweile hat der Konzern die reguläre Vorstandsvergütung an die Regeln für die übrigen Führungskräfte angepasst. So werden bei der erfolgsabhängigen Vergütung in Zukunft auch dann persönliche Leistungen des Vorstands berücksichtigt, wenn die finanziellen Ziele verfehlt wurden. Dabei sollen etwa Leistungen in den Gebieten Nachhaltigkeit, Mitarbeiter oder Innovation honoriert werden. Auch der nun gezahlte Sonderbonus orientiert sich an diesen Regeln.

    Der Corporate-Governance-Experte und frühere Chef der Fondsgesellschaft DWS, Christian Strenger, äußerte Verständnis für die Sonderzahlung. „Es ist nachvollziehbar, dass der Aufsichtsrat den sehr erfolgreichen Verkauf der Aufzugsparte honoriert“, sagte er dem Handelsblatt. Dennoch hätte er eine andere Lösung favorisiert. „Statt einer Barzahlung wäre es besser gewesen, den Bonus in Aktien auszuzahlen.“ Dabei gehe es auch um die symbolische Geste.

    Aktionärsschützer Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht jegliche Sonderzahlungen hingegen kritisch. „Wenn der Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp Sonderzahlungen an den Vorstand auslobt, dann fordere ich jetzt Sonderdividenden für die Aktionäre!“, schrieb Tüngler bereits in der vergangenen Woche sarkastisch auf Twitter.

    Mehr: Thyssen-Krupp lässt Liberty Steel in seine Bücher sehen

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    8 Kommentare zu "Streit um Boni: Thyssen-Chefkontrolleur Russwurm verteidigt die Sonderzahlung an den Vorstand"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • tk passt sich dem Umfeld in Deutschland und Europa an. Geld muss nicht mehr „verdient“ werden. Unser System ist in vielfacher Hinsicht völlig aus dem Ruder gelaufen. Entweder wir beginnen zeitnah mit einer sachlichen Diskussion und ergreifen entsprechende Maßnahmen, oder selbst dei gezahlten Millionen sind nichts mehr wert.

    • Hier stimmt was absolut nicht!! Letztendlich hat der Vorstand die Verluste zu verantworten, niemand sonst! Werden die dafür belohnt, dass der Verlust nicht größer ausgefallen ist?? Dass jetzt auch noch ein DWS-Manager dafür Verständnis aufbringt - gute Nacht! DWS hat schon einiges an Verlusten durch Wirecard eingefahren - das ist Geld der Anleger! - Soviel zur Kompetenz dieser Herrschaften.

    • IN SEILSCHAFTEN BILDET OFT DAS HINTEREIL DES EINEN,
      DEN HORIZONT DES ANDEREN.
      Ralph Boller

    • Ein Armutszeugnis für den Vorstand und Aufsichtsrat.
      Herr Deterding - Ihren Ausführungen ist nichts hinzuzufügen.

    • Kennen wir doch irgendwie in diesem Staat, Unfähigkeit und Dekadenz werden belohnt durch viele
      Branchen.
      Als Selbständige wären diese von sich eingenommen Leute doch schon längst gescheitert.

    • Thyssen hat seine Aufzugsparte billig verramscht - das muss doch belohnt werden!

    • Die Entscheidung des Aufsichtsrats halte ich für falsch. Erstens aus symbolischen Gründen; das Unternehmen steckt nun mal in einer Krise und ist insgesamt gerade nicht erfolgreich. Zweitens auch aus vertraglicher Sicht: Wenn die Verträge bisher vollständig an Finanzziele gekoppelte variable Anteile hatten, dann sollte so auch ausbezahlt werden. Gegen die zukünftige Änderung der Verträge ist nichts zu sagen.

    • Noch einmal runter schalten, Gaspedal durchdrücken und den Karren mit voller Wucht gegen die Wand fahren. Und den Managern ist es mal voll egal, das Geld fließt ja weiterhin ungehindert. Feingefühl in Form eines Verzichts (auch wenn nur symbolisch) in einer so prekären Lage, Fehlanzeige. Lieber den MA mit Paragraphen und vertraglichen Regelungen vor den Kopf knallen.

      Im besten Falle springt der Staat ein, man verramscht die Stahlsparte oder die Manager springen frühzeitig ab und das Spiel beginnt mit neuem Management von vorne.

      Ciao TK, bald habt ihr es geschafft!

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