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Streit um Schadensersatzforderungen Bilfingers Chefkontrolleur Cordes weist Interessenkonflikt im Fall Roland Koch zurück

Bilfinger-Aktionäre werfen Aufsichtsrat im Streit um Schadensersatzforderungen Verschleppung vor. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz hat eine Sonderprüfung beantragt.
08.05.2019 - 14:29 Uhr Kommentieren
Bilfinger-Aktionäre werfen Aufsichtsrat Verschleppung vor Quelle: dpa
Bilfinger

Der Aufsichtsrat des Dienstleisters bekommt auf der Hauptversammlung viel Gegenwind von seinen Aktionären.

(Foto: dpa)

Mannheim Zum Auftakt der Hauptversammlung des Industriedienstleisters Bilfinger versucht der Aufsichtsratsvorsitzende noch, die Aktionäre zu besänftigen. „Ich bin selbst ein Computer-Grufti“, erklärt Eckhard Cordes an diesem Mittwochmorgen den Aktionären.

Kurz zuvor hatten die sich darüber beschwert, dass sie den Geschäftsbericht nur noch digital erhalten. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass diejenigen, die Papier wollen, auch Papier bekommen“, verspricht Cordes und erntet dafür kurzen Applaus. Es wird der einzige sein, den ihm das Gros der Aktionäre an diesem Tag gewährt.

Denn sie sind sauer. Schon im Februar 2018 hatte der Aufsichtsrat grundsätzlich beschlossen, zwölf ehemalige Vorstände wegen verschiedener Pflichtverletzungen in den Jahren 2006 bis 2015 für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag zur Kasse zu bitten.

Doch erst am Dienstag entschied das Gremium, die Anspruchsschreiben an die Betroffenen auch zu verschicken, darunter auch den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Eine Uneinigkeit zwischen Gutachtern hatte zu der Verzögerung geführt. Bei den Aktionären sorgte das für heftiges Kopfschütteln.

Allen voran bei Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), der bei der Hauptversammlung sogar eine Sonderprüfung beantragt hat. „Wir haben den Glauben verloren, dass der Aufsichtsrat zukünftig mit der notwendigen Bissfreudigkeit gegen ehemalige Vorstände vorgehen wird“, erklärte Tüngler.

Es ist ein klares Signal an Aufsichtsratschef Eckhard Cordes. Zwar sprachen sich nur gut drei Prozent der Aktionäre für eine Sonderprüfung aus – auch dank der Unterstützung des mit rund 27 Prozent größten Aktionärs, dem schwedischen Investmentfonds Cevian, für den Cordes im Aufsichtsrat sitzt.

Doch ohnehin will Anlegerschützer Tüngler dem Gremium vor allem Druck machen. „Bei Volkswagen haben wir wegen des Dieselskandals eine Sonderprüfung auch ohne Hauptversammlungsmehrheit gerichtlich durchgesetzt“, erklärte Tüngler. „Es soll Ihnen Motivation sein, keinen Micky-Maus-Vergleich abzuschießen.“

Nach Jahren der Krise kam Bilfinger-Chef Tom Blades bei der Neuausrichtung des früheren Baukonzerns 2018 entscheidend voran. Nicht nur hat der Brite das Geschäft auf Industriedienstleistungen fokussiert, auch der US-Aufseher Mark Livschitz, der das Unternehmen seit 2013 nach mehreren Korruptionsfällen für das US-Justizministerium beaufsichtigt hatte, bescheinigte dem Unternehmen im Dezember endlich ein funktionierendes Compliance-System.

Den früheren Vorständen wirft Bilfinger vor, sich darum nicht ausreichend gekümmert zu haben. Auch soll es zu „Pflichtverletzungen im Rahmen eines M&A-Projekts“ gekommen sein, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Die Ausgaben für die Implementierung des jetzigen Compliance-Systems beziffert der Konzern mit rund 120 Millionen Euro.

Cordes wies die Vorwürfe von Tüngler zurück. „Wir müssen bei der Schadenersatzforderung sehr sorgfältig sein“, erklärte der Manager. „Deshalb haben wir insgesamt drei juristische Gutachten in Auftrag gegeben.“ Dem Unternehmen sei dadurch kein Schaden entstanden, die Ansprüche seien nicht verjährt. Für den Sonderprüfungsantrag äußerte Cordes „kein Verständnis“.

In einem Punkt musste der Chefkontrolleur dennoch einen Fehler einräumen: Vor einem Jahr war Cordes wegen eines potenziellen Interessenkonfliktes in die Kritik geraten, nachdem bekannt wurde, dass sich der im Schadenersatz-Fall ebenfalls betroffene Roland Koch von einer PR-Agentur beraten ließ, die Cordes in einem anderen Mandat ebenfalls beaufsichtigte. Erstmals hatte seinerzeit das Handelsblatt darüber berichtet.

„Ich bin inzwischen informiert worden, dass ich den Bilfinger-Aufsichtsrat deutlicher und detaillierter auf mein Engagement hätte hinweisen müssen“, so Cordes. Diese Diskussion sei in dem Gremium am 10. April nachgeholt worden. Ein Interessenkonflikt sei dabei nicht festgestellt worden, inzwischen habe Koch die Agentur gewechselt.

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