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Studie Coronakrise beschleunigt den Wandel zur Elektromobilität

Der Marktanteil von Elektroautos ist in Europa in der Krise gegen den Trend gestiegen. Doch die Hersteller müssen genau kalkulieren, wie viel Elektroboom sie zulassen.
08.09.2020 - 17:16 Uhr Kommentieren
E-Autos: Coronakrise beschleunigt den Wandel zu Elektromobilität Quelle: dpa
Elektroauto an der Ladestation

Bis 2030 könnten Elektroautos in Deutschland einen Marktanteil von fast 50 Prozent haben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Auf dem Autogipfel in Berlin hofft die Autobranche auf neue Hilfen. Denn die Coronakrise hat Hersteller- und Zulieferer massiv getroffen. Der Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ist weltweit eingebrochen, weil Händler ihre Autohäuser schließen mussten und viele Autowerke in der Pandemie stillstanden.

Doch das Segment kann in der Krise gegen den Trend zulegen: Der Anteil von Elektroautos in Europa und China ist gestiegen und soll weiter zulegen, zeigt eine Studie von McKinsey, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Die Berater gehen davon aus, dass sich mit der Krise auch der Wandel zu alternativen Antrieben beschleunigt – besonders in Europa. Denn in der Krise haben viele Staaten ihre Kaufprämien für Elektroautos erhöht.

Alleine in Deutschland werden Elektroautos mit einer Kaufprämie von bis zu 10.000 Euro gefördert. „Die Subventionen sind aktuell sehr hoch, aber notwendig und werden in den nächsten zwei bis drei Jahren notwendig sein“, sagt Patrick Schaufuss, McKinsey-Associate-Partner und Hauptautor der Studie.

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    Während 2019 noch 600.000 Elektroautos verkauft wurden, sollen schon 2022 ganze 2,9 Millionen Elektroautos zugelassen werden, schätzen die Berater in ihrer Studie. Der Marktanteil würde damit auf 15 Prozent steigen.

    Der Umstieg auf die neuen Antriebe gilt für Hersteller und Zulieferer als große Herausforderung, löst aber auch ein großes Problem. Denn der vorgeschriebene Flottenschnitt von 95 Gramm, der 2021 EU-weit eingehalten werden muss, ist mit einem hohen Anteil von Elektroautos leichter erreichbar.

    Elektroautos werden durch sogenannte Super-Credits in der Statistik doppelt angerechnet. Besonders Daimler und Volkswagen müssen den Schnitt kräftig senken, um die Vorgaben noch zu erreichen.

    McKinsey-Berater Schaufuss erwartet, dass den Autoherstellern in Europa dank des steigenden Anteils von Elektroautos an den Verkäufen eine Punktladung gelingt. Doch die Konzerne müssen genau kalkulieren, wie viel Elektroboom sie zulassen. Aktuell spielen Elektroautos noch eine geringere Marge ein als Verbrenner, einige - wie beispielsweise der VW e-up, werden sogar mit einem Verlust von 5000 Euro pro Auto verkauft, wie VW-Chef Diess vor Führungskräften eingestehen musste.

    Darum verhängte VW zuletzt sogar einen Bestellstopp für das Modell, auf das Käufer heute schon mehrere Monate warten müssen. Für die Konzerne wäre es sogar ein Nachteil, das Klimaziel deutlich zu übertreffen.

    Denn der Flottenschnitt 2021 gilt als Basis für künftige Senkungen des CO2-Ausstoßes. Wer 2020 besonders viel spart, muss in Zukunft einen noch niedrigeren Schnitt erreichen.

    Ohne Elektromobilität scheinen die regulatorischen Vorgaben ohnehin kaum erreichbar. Daher gehen die Berater davon aus, dass Marktanteil von Elektroautos bis 2030 in Europa auf bis zu 44 Prozent wachsen wird.

    1,4 Milliarden Dollar für neue Ladestationen

    Eine wichtige Rolle in Europa spielen dabei aktuell die halbelektrischen Plug-in-Hybridmodelle, deren Verkäufe im zweiten Quartal laut der Zulassungsstatistik des Branchenverbandes Acea um 133 Prozent zulegen konnten.

    McKinsey-Berater Schaufuss erwartet, dass auch die Profitabilität von Elektroautos für die Hersteller perspektivisch gleich oder sogar höher sein könnte als die von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Denn mit steigenden Stückzahlen sinken die aktuell noch hohen anteiligen Entwicklungskosten.

    Mit dem steigenden Anteil werde damit auch die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen sinken. Die Zulieferer und Hersteller seien bereit, die steigende Nachfrage decken zu können.

    Als Vorbild gilt China, wo Kaufprämien zuletzt spürbar zurückgefahren wurden. Die Coronakrise sorgte zwar für einen Absatzeinbruch, erwartet wird aber wieder kräftiges Wachstum. Im wichtigsten Automarkt der Welt soll die Zahl der verkauften Elektroautos nach Schätzungen von McKinsey von 1,2 Millionen (2019) auf 3,5 Millionen im Jahr 2022 steigen.

    Damit würde China die Rolle als Vorreiter der Elektromobilität nicht nur zurückerobern, sondern weiter ausbauen. In China könnte 2030 sogar jedes zweite Fahrzeug ein Elektroauto sein, sagen die Berater voraus.

    Grafik

    Denn die Chinesen setzen die Förderung der elektrischen Mobilität sehr gezielt ein. In Peking, wo Nummernschilder für Neuzulassungen heiß begehrt und teuer sind, gab die Regierung zuletzt 20.000 neue Kennzeichen für Elektroautos frei.

    Da die Zulassungen beschränkt sind, erreichen Nummernschilder bei Auktionen mitunter einen Kaufpreis von bis zu 10.000 Euro, Elektroautos erhalten sie kostenlos. Darüber hinaus reichen die Subventionen pro Elektroauto von 2350 bis 3265 Dollar – je nach Region.

    Bis 2025 solle der Anteil von Elektroautos auf 25 Prozent steigen, kündigte Xin Guobin, Vize-Minister für Industrie und Informationstechnologie in China zuletzt an. Das wären sechs Millionen Elektroautos. Alleine 2020 will China darüber hinaus umgerechnet 1,4 Milliarden Dollar in neue Ladestationen investieren.

    „China wird seine Führungsrolle nicht mehr abgeben“

    Im Juli wurden in China 98.000 Elektroautos verkauft. Anders als in Europa sind 80 Prozent davon reine Elektroautos, Plug-in-Hybride spielen in China eine untergeordnete Rolle. „Wir gehen davon aus, dass China seine Führungsrolle in den kommenden 50 Jahren nicht mehr abgeben wird“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts in Duisburg.

    Nur ein wichtiger Markt ist für Elektroautos aktuell schwierig: In den USA – der Heimat von Elektro-Pionier Tesla – stagniert das Wachstum. Der sinkende Rohölpreis und die geringe Benzinsteuer führen dazu, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren wieder attraktiver werden.

    Dazu haben einige Hersteller den Start neuer Modelle ins nächste Jahr verschoben. „Für Hersteller sind die Unsicherheiten in den USA aktuell größer als in Europa und China“, sagt Schaufuss mit Blick auf die Regulatorik in den USA.

    War man bisher davon ausgegangen, dass bis 2022 Elektroautos einen Marktanteil von sechs Prozent erreichen, sind jetzt drei Prozent wahrscheinlich. „Der Premiummarkt läuft weiterhin gut, das Volumensegment, also der Massenmarkt, stagniert“, erklärt Schaufuss. Ausgerechnet der Volumenmarkt, den Tesla-Chef Elon Musk mit dem Model 3 erobern wollte, wird zum Problem.

    Denn die US-Wirtschaft ist in Corona-Zeiten aus den Fugen geraten. Die Produktion etlicher neuer Elektromodelle wie des neuen elektrischen Ford Mustang Mach-E musste um mehrere Monate verschoben werden, Werke standen still, und die hohe Arbeitslosigkeit senkte die Lust der Amerikaner auf den Autokauf.

    Für Berater Schaufuss gibt es weitere Gründe für das schwache Wachstum von Elektroautos in den USA: Während man in Europa an den CO2-Emissionszielen festhält, wurden die Regeln in den USA unter US-Präsident Donald Trump gelockert, weniger Ladestationen gebaut, und lukrative Kaufprämien für Elektroautos liefen zuletzt aus. Nicht umsonst baut Tesla seine Produktion in Europa und China aus, wo aktuell das größere Wachstum zu erwarten ist.

    Abgehängt haben China und Europa die USA aber nicht, so die Einschätzung von Schaufuss. Der Automobilexperte erwartet, dass auch in den USA der Markt für Elektroautos wieder wachsen wird.

    Mehr: Institut der deutschen Wirtschaft analysiert Autobranche – und ist schonungslos

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