Subventionen für neue Fabrik Teslas Milliardenwette

Gute Nachrichten für Nevada? Tesla will in dem Wüstenstaat eine neue Fabrik errichten und Tausende Arbeitsplätze schaffen. Doch noch vor Baubeginn regt sich Widerstand – wegen der Subventionen.
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Tesla ist für seine Elektroautos bekannt. In der Wüste von Nevada sollen nun Batterien produziert werden. Nicht alle finden das gut. Quelle: dpa

Tesla ist für seine Elektroautos bekannt. In der Wüste von Nevada sollen nun Batterien produziert werden. Nicht alle finden das gut.

(Foto: dpa)

San FranciscoElon Musk will es und Gouverneur Brian Sandoval will es auch. Teslas neue Batteriefabrik soll in Nevada entstehen. „Das sind gute Nachrichten für Nevada“, freut sich Gouverneur Brian Sandoval am Donnerstagabend in Carson, Nevada, „Tesla wird die größte und fortschrittlichste Batteriefabrik der Welt in Nevada bauen.“ Das bedeute „einhundert Milliarden Dollar wirtschaftliche Aktivitäten, verteilt auf 20 Jahre.“

Im Gegenzug ist er bereit, ein für Nevada beispielloses Subventions- und Steuerpaket in Höhe von 1,25 Milliarden Dollar verteilt auf 20 Jahre zu geben. Tesla-Gründer Musk ist damit zufrieden: Nevada, betont er auf einer Pressekonferenz, habe nicht einmal „das höchste Angebot“ abgegeben. Aber Nevada habe den Ruf, dass man „die Sachen auch geregelt bekommt“. Er rechnet nicht mit Verzögerungen durch unnötige Umweltprüfungen oder sonstigen Auflagen, die den Bau verlangsamen könnten. Das, zusammen mit der Nähe zu den einzigen Lithium-Minen in den USA und dem Tesla-Werk im nahen kalifornischen Fremont, dürfte neben den großzügigen Steuerförderungen den Ausschlag gegeben haben.

Doch wegen der hohen Kosten für die Steuerzahler formiert sich auf allen Ebenen Widerstand. Ein spätes Scheitern der Pläne wäre vor allem für Tesla eine Katastrophe.

Ist es also ein Jahrhundertgeschäft für Nevada oder hat Elon Musk wieder alle über den Tisch gezogen? Beide Seiten sehen sich als die Gewinner eines vielversprechenden Abschlusses, der aber seinen Preis hat. Musk kann sich keine Verzögerungen bei seinem gigantischen Prestigeprojekt erlauben. Es muss die Kosten für die Kraftquellen seiner Tesla-Elektroautos um 30 Prozent senken und gleichzeitig den Ausstoß dramatisch erhöhen, damit er 2017 das „Modell 3“ auf den Markt bringen kann. Das ist ein Elektro-Mittelklasseauto zum praktisch halben Preis des aktuellen Tesla S.

Gelingt es, erschließt er den Massenmarkt und dafür ist er bereit fünf Milliarden Dollar zu investieren. Scheitert er, ist Tesla vielleicht in ernsten Schwierigkeiten: „Alle glauben, wir wollen nur die höchsten Subventionen herausschlagen“, erklärte Musk in einem Interview mit CNBC. „Aber es geht darum fertig zu sein, wenn Modell 3 auf den Markt kommt. Wenn wir den Rest des Autos bauen und keine Batterien haben, wäre das eine Katastrophe. Als Unternehmen könnten wir scheitern.“ Bereits zuvor hatte er gegenüber Analysten betont: „Wir haben kein Nachfrageproblem.“ Es ist ein Lieferproblem.

Klare Worte. Es geht um Geld, aber vor allem um einen reibungslosen Ablauf ohne politische Widersprüche, aufschiebende Klagen von Landbesitzern, Umweltschützern oder sonstigen Kritikern. Im Gegenzug darf der Standort bei Reno, Nevada, auf 6500 Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum durch mehr Geschäfte, Restaurants, Ansiedlung von Zulieferunternehmen und Hausbau hoffen.

Ein Bieterwettbewerb ohne Gewinner
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10 Kommentare zu "Subventionen für neue Fabrik: Teslas Milliardenwette"

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  • Zitat: "Auch geht die Rechnung nur auf, wenn der Strom für das Auto nicht aus fossiler Energie gewonnen wird. Ansonsten ist die CO2 Bilanz schlechter als beim Diesel."

    Diese Kurzschlusslogik findet man immer wieder bei Gegnern der Elektomobilität (oder generell Gegnern der Energiewende).

    Letztendlich heißt sie nur, dass es in Summe umweltschädlicher ist, erst fossile Energien (Benzin, Diesel, Gas) zu verstromen, um sie dann in einem Elektomotor zu verbrauchen, als direkt Benzin, Diesel, Gas in Bewegungsenergie umzuwandeln.

    Kein Mensch der Welt wird dem widersprechen. Natürlich vergeudet man mehr Energie, wenn man sie zweimal wandelt, bevor man sie nutzt.

    Da wir aber gerade dabei sind, immer mehr Strom direkt aus Wind, Sonne und Wasser ... zu erzeugen und uns so langsam Gedanken machen müssen, wie wir diese Energie speichern können, läuft die obige Logik völlig ins Leere.
    Hätten wir genügend fossile Energieträger für 10 Mrd Menschen, die wir schadstofffrei nutzen könnten, würden wir uns über Windstrom oder Sonnenstrom überhaupt keine Gedanken machen.

  • Ich glaube Lithiumcarbonat ist das kleinste Problem bei der Herstellung der Akkus. Viel mehr wird von den anderen Materialien für die Elektroden benötigt.
    Hier sind noch ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Lithium. In Bolivien gibt es eine Menge davon:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/zukunftsstoff-lithium-wie-boliviens-groesster-schatz-ungehoben-bleibt-seite-all/3559778-all.html

  • Woher sollen Billionen alte Lithiumbatterien denn kommen? Diese Aussage zeugt von unzureichendem Wissen! Im Tesla S sind mehr als 6000 Lithiumzellen verbaut. Bei einem kompletten Umstieg der PKW-Produktion auf Batterien ergibt das 75 Mio PKW(Stand2013)*6000 = 450000000000 Litiumzellen. Bei einer Lebensdauer von 10 Jahren benötigen wir also 4,5 Billionen Lithiumzellen.
    Ach ja , Transporter und LKW sind da noch nicht mit erfasst. Also eine dankbare Aufgabe für die Akku-Recyler. Nur keine lösbare.

  • In gewisser weise ist Tesla schon ein Stromversorger. Halt "nur" für die Tesla Autos.
    Hier ein Überblick über das aktuelle Ladenetz: http://www.teslamotors.com/en_EU/supercharger

    Im Juni hat Tesla über 1GWh Strom über die Supercharger ausgeliefert. Die werden den Strom bestimmt zu Großhandelspreisen einkaufen. Zudem ist da ein großer Anteil aus erneuerbaren Energien dabei.
    http://www.teslamotors.com/blog/supercharging-milestone

    Wenn man den Strom zum Fahren mit PV erzeugt hat man nach ca. 3 Jahren die Energie für die Herstellung der PV-Anlage und der Batterie erzeugt. Alles danach ist echte CO2-Einsparung.

  • Als Kommentar zu den Aussagen uber steigende Lithium Preise. Ganz falsch, zeugt nur vom unzureichenden Wissen im Thema. Wie jeder der sich in der Sache auskennt weiss, wird Lithium aus alten Batterien wiederverwendet. An Lithium wird es also nicht liegen

  • Wenn Elon Musk seinen Ansatz umfassend genug auslegen würde müsste er auch als Stromversorger auftreten. Nur dann lassen sich E-Mobil und Stromnetz integrieren, wie es notwendig ist. Aber der bereits erwähnte Ressourcenbedarf für die Akkus, und insb. deren Verhältnis von Gewicht zu Energiedichte lassen mich, bei allem Fortschritt, am Akku als einzige Energiequelle für das Auto der Zukunft immer noch zweifeln. Auch geht die Rechnung nur auf, wenn der Strom für das Auto nicht aus fossiler Energie gewonnen wird. Ansonsten ist die CO2 Bilanz schlechter als beim Diesel. Das ist die Begründung für die Integration mit dem Stromnetz zum Abfangen der Last- und Lieferspitzen bei Öko-Strom. Bei der derzeitigen Entwicklung der Akkus und der Verbrennungsmotoren, mit der hohen Energiedichte aller möglichen Kraftstoffe, wird aus meiner Sicht für lange Zeit der serielle Hybrid die beste Lösung sein. Und unter diesem Aspekt sehe auch ich die Subventionen für Tesla sehr kritisch, denn in dieser Technik sind die etablierten Auto-Konzerne mit ihren vielfältigen Technologiepartnern vorne und nicht Tesla.

  • Zitat:"Tesla will mehr Akkus produzieren als alle anderen Hersteller zusammen. Das bedeutet eine mehr als doppelt so hohe Nachfrage nach Lithium. "

    Die Entwicklung, dass zukünftig die Nachfrage an Lithium um ein Vielfaches gegenüber der heutigen Nachfrage steigt, ist bekannt und die voraussichtliche Preisentwicklung für diesen Rohstoff ist in den erwartenten Kosten für die Batterien eingerechnet. Die Preissteigerung von Lithium in den letzten Jahren hat die Preise für Lithium Ionen Akkus ja auch nicht daran gehindert, sich seit 2010 ca. zu vierteln.

    Rohstoffe werden teuer werden. Das ist den bald 10 Milliarden Menschen auf der Erde geschuldet.

    Meine Einschätzung ist, dass sich bereits 2020 die Hälfte der Neuwagenkäufer in Europa für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug entscheiden ... aus Kostengründen.

    Als Anleger wäre ich auch vorsichtig. Dass die Elektromobilität Mitte des Jahrhunderts die Benzin/Diesel - Mobilität weitestgehend abgelöst hat, steht für mich fest. Mit welcher Geschwindigkeit der Wandel vollzogen wird, ist ein Politikum.

  • Tesla will mehr Akkus produzieren als alle anderen Hersteller zusammen. Das bedeutet eine mehr als doppelt so hohe Nachfrage nach Lithium. Der Preis von Lithium ist allerdings seit 2000 um mehr als 1000% gestiegen. Eine extrem gesteigerte Nachfrage wird den Preis weiter kräftig antreiben. Die Skaleneffekte der Massenfertigung werden so weitgehend aufgezehrt. Möglicherweise sind dann die Tesla-Batterien preisgünstiger als die anderer Hersteller, aber kaum billiger als heute. Aber in keinem Fall werden sich die Akku-Autos mit z.B. Methanbetriebenen ( Erdgas, Biogas, P2G) messen können. Wahrscheinlich ist die kWh etwas günstiger, doch der Einstandspreis ist sehr viel höher. Die Tesla-Fahrzeuge haben auch noch keinen Alltagstest bestanden. Das heisst, als Alltagsauto eines Laternenparkers ihre Tauglichkeit bewiesen. Sicher können Sie bei wohlhabenden Hausbesitzern mit eigener(teurer) Schnellladestation punkten ( die haben zur Sicherheit ja noch ihren Buick oder Panamera).
    Als Anleger wäre ich daher sehr vorsichtig mit Tesla.

  • Die Auslastung der Batteriefabrik dürfte auch dann hoch bleiben, wenn nicht so viele Modell III gebaut werden wie von Tesla geplant.
    Da Elon Musk auch bei SolarCity ein Wort mitzureden hat, könnten die preiswerten Batterien auch in Batteriespeicher für PV-Anlagen verwendet werden. Der Bereich boomt gerade in den USA und anderen Regionen und mit den billigen Akkus werden Speicher für PV-Strom noch attraktiver.
    Elon Musk hat wohl einen umfassenden Ansatz für die Mobilität der Zukunft.
    - Fahrzeuge + Batterien preiswert machen (für den Massenmarkt)
    - Die Energie für den Betrieb aus erneuerbaren Quellen bereitstellen (Supercharger, SolarCity)
    - Weiterverwendung der (Auto-)Akkus in Solarspeichern und Superchargern

    In Ansätzen ist das bei den deutschen Herstellern auch schon erkennbar aber nicht so konsequent wie bei Tesla.
    Auf jeden Fall entwickelt sich das Thema E-Mobility in die richtige Richtung.
    Ich darf seit einem Monat einen e-Golf fahren und bin bisher SEHR zufrieden damit.

  • Dieser Artikel ist interessant. Interessant, weil ich da eine deutliche Abneigung gegenüber Tesla spüre. Es ist umso mehr interessant da in der internationalen Presse die Sache ganz anders präsentiert wird. Als ein Erfolg, sowohl für das Unternehmen als auch fur den Staat. Risiko wiederum ist im Geschäftsleben normal. Wo werden im Artikel große Chancen für die Umwelt betont? Fazit - deutsche Presse kann es nicht verkraften, dass ein ausländisches und insbesondere amerikanisches Unternehmen die stolze deutsche Autoindustrie überholen könnte oder wahrscheinlich schon überholt hat.

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