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Syngenta China formt den größten Agrochemie-Konzern der Welt

Die Konzerne Sinochem und Chemchina wollen ihre Aktivitäten in dem Bereich in einer Holding bündeln. Branchenführer Bayer wäre damit überholt.
06.01.2020 - 16:57 Uhr Kommentieren
China will einen schlagkräftigen Großkonzern formen. Quelle: Keystone Schweiz/laif
Gewächshaus von Syngenta

China will einen schlagkräftigen Großkonzern formen.

(Foto: Keystone Schweiz/laif)

Frankfurt, Peking Gerade einmal zwei Jahre liegt die letzte große Fusionswelle im Bereich der Agrochemie zurück. Nun wollen die chinesischen Konzerne Sinochem und Chemchina die Konsolidierung noch ein Stück weiter drehen.

Unter Führung von Chemchina wollen die beiden Chemieriesen ihre Aktivitäten auf dem Feld unter dem Dach der Syngenta Group bündeln, wie der Staatskonzern am Sonntag ankündigte. Noch firmiert die Holding unter dem Namen China Chemical (Shanghai) Agricultural Technology Corporation.

Sie soll den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta umfassen, der zu 100 Prozent zu Chemchina gehört. Dazu kommen 74 Prozent am israelischen Pflanzenschutzmittelhersteller Adama, aber auch maßgebliche Aktivitäten von Sinochem im Bereich Agrochemie. Zum Chef der neuen Agro-Holding wurde Syngenta-Chef Erik Fyrwald berufen.

Die neu formierte Syngenta Group wird nach Angaben eines Sprechers rund 48 000 Mitarbeiter beschäftigen und rund 23 Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Damit würde sie Bayer als größtes Agrochemieunternehmen der Welt ablösen.

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    Schätzungsweise sechs bis sieben Milliarden Dollar wird Sinochem dazu beisteuern. Der chinesische Staatskonzern ist nach eigenen Angaben größter Saatgutproduzent in China und fertigt darüber hinaus auch Pflanzenschutzmittel und Düngemittel. Die chinesischen Aktivitäten der Düngemitteltochter Sinofert sollen ebenfalls Teil der neuen Syngenta Group werden.

    Chemchina war bereits 2011 bei der israelischen Adama, einem Hersteller von patentfreien Pflanzenschutzmitteln, eingestiegen und avancierte 2017 mit der 43 Milliarden Dollar teuren Übernahme der Schweizer Syngenta zu einem der führenden Akteure in der Agrochemie.

    Der Kauf von Syngenta war die bisher die größte Transaktion eines chinesischen Unternehmens im Ausland und neben Bayer/Monsanto und Dow/Dupont einer von drei Megadeals, die in den letzten Jahren das Gesicht der Agrochemiebranche verändert haben.

    Börsengang ist weiter geplant

    Die beiden Chemchina-Töchter Syngenta und Adama erzielten zusammen etwa 17 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2018 und knapp 6,8 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2019. Sie erreichen damit zusammen bereits eine ähnliche Größe wie der bisherige Branchenzweite Corteva, der aus dem Zusammenschluss der Agrogeschäfte von Dow und Dupont hervorgegangen ist.

    Branchenführer Bayer, der 2018 den US-Konzern Monsanto schluckte, verbuchte rund 12,5 Milliarden Dollar Umsatz im Halbjahr und dürfte im Gesamtjahr 2019 Erlöse von mehr als 20 Milliarden Dollar im Agrogeschäft erzielt haben.

    Chemchina führte Syngenta bisher als weitgehend eigenständiges Unternehmen und hatte schon bei der Übernahme 2017 angekündigt, den Schweizer Konzern innerhalb von fünf Jahren wieder an die Börse zu bringen. Mit der Formation der neuen Gesellschaft werde man die Möglichkeiten eines IPOs weiter ausloten, heißt es nun bei Syngenta. Für Chemchina wäre ein solcher Schritt auch wichtig, um die sehr hohe Verschuldung zu reduzieren.

    Die nun geplante Bündelung ihrer Agro-Aktivitäten begründen die beiden Konzerne vor allem mit dem Ziel, die Reform der staatseigenen Konzerne voranzutreiben, die Allokation von Ressourcen zu verbessern und die Zusammenarbeit der Konzerne zu verstärken.

    Grafik

    Ein schlagkräftiges Agrochemieunternehmen ist allerdings auch im Sinne der chinesischen Regierung. Das Land steigert bereits seit Jahren seinen landwirtschaftlichen Output, um den immer weiter steigenden Bedarf der wachsenden und wohlhabender werdenden Bevölkerung zu decken.

    Die chinesische Regierung steht dabei vor dem Problem, dass der größte Teil der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen nicht zum Ackerbau geeignet ist. Das hat zur Folge, dass in China auf den wenigen geeigneten Flächen eine sehr intensive Landwirtschaft betrieben wird und das Land zu den größten Verbrauchern von Düngemitteln weltweit zählt.

    Beobachter sehen die Bündelung darüber hinaus aber auch als vorbereitenden Schritt für einen noch größeren Deal: die Fusion der Chemieriesen Sinochem und Chemchina zum dann weltgrößten Chemieunternehmen.

    Unabhängig von diesem Vorhaben erscheint jedoch klar, dass Chemchina mit dem kommerziellen Erfolg der Agro-Strategie bisher kaum zufrieden sein kann. Denn das Geschäft in der Branche entwickelt sich für alle führenden Akteure, darunter Syngenta, bisher schlechter als ursprünglich erwartet.

    Agro-Flaute drückt die Bewertungen

    Im ersten Halbjahr 2019 verbuchten die fünf führenden Hersteller im Schnitt rund sechs Prozent Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr. Die aggregierten Betriebsgewinne lagen mit zusammen etwa sechs Milliarden Dollar um rund ein Drittel unter Vorjahresniveau. Sowohl BASF als auch Corteva mussten ihre Gewinnprognosen wegen der Agro-Schwäche nach unten korrigieren. Im Vergleich zu 2015, als die Fusionswelle startete, sind die Betriebsgewinne im Schnitt um etwa 40 Prozent gesunken.

    Bei Syngenta gingen die Erlöse im ersten Halbjahr 2019 um sieben Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar und der Nettogewinn um ein Drittel auf 800 Millionen Dollar zurück. Bereits im vergangenen Sommer ließ sich der chinesische Botschafter in Bern zu der Bemerkung hinreißen, die Transaktion sei „kein gutes Geschäft für die chinesische Seite“ gewesen.

    Als Hauptursache für den starken Einbruch gelten dabei vor allem die schwierigen Witterungsverhältnisse in den USA, wo große Überschwemmungen im Mittleren Westen zu stark reduzierten Anbauflächen führten. Hinzu kamen Negativeinflüsse wie trockene Witterung in Teilen Europas und Australiens sowie der Handelskrieg zwischen den USA und China und die Schweinegrippe in Asien, die beide das Sojageschäft belasteten.

    Mit Blick auf die längerfristigen Perspektiven demonstrieren die Unternehmen zwar weiter Optimismus. Die Bewertungen am Kapitalmarkt dagegen signalisieren inzwischen wachsende Skepsis. Der US-Konzern Corteva, der einzige reine Agrochemiekonzern, wird aktuell nur noch mit rund dem Zwölffachen des erwarteten Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) bewertet.

    Als vor vier Jahren die Neuordnung des Agrochemiesektors begann, wurden noch weitaus höhere Bewertungen aufgerufen. Bayer zum Beispiel zahlte für die Übernahme von Monsanto 2018 mehr als das 18-Fache des Ebitdas, Chemchina für Syngenta rund 17-mal Ebitda, und BASF legte für die von Bayer zugekauften Sparten immerhin noch fast das 14-Fache des Ebitdas auf den Tisch.

    Gemessen am heutigen Bewertungsniveau in dem Sektor waren alle diese Deals deutlich zu teuer. Chemchina dürfte nach dieser Rechnung für die Großakquisition in der Schweiz mindestens zehn Milliarden Dollar zu viel auf den Tisch gelegt haben.

    Mehr: China will einen neuen Megakonzern schaffen. Fusionen führen aber nicht immer zum gewünschten Erfolg – das gilt auch für chinesische Unternehmen, kommentiert Handelsblatt-Korrespondentin Dana Heide.

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