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Syrien-Offensive VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

Der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien hat wirtschaftliche Folgen für einen deutschen Konzern: Volkswagen stellt seine Entscheidung über ein neues Werk bei Izmir zurück.
Update: 15.10.2019 - 14:06 Uhr Kommentieren
Aus Sicht eines Großkonzerns wie Volkswagen, der mehr als eine Milliarde Euro investieren will, sorgt der türkische Einmarsch in Nordsyrien für unberechenbare Umstände. Quelle: dpa
Volkswagen

Aus Sicht eines Großkonzerns wie Volkswagen, der mehr als eine Milliarde Euro investieren will, sorgt der türkische Einmarsch in Nordsyrien für unberechenbare Umstände.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Istanbul Leicht hat es sich Volkswagens Führungsetage nicht gemacht: Vorstand und Aufsichtsrat haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Bau eines neuen Autowerks auseinandergesetzt. Schnell stand fest, dass die Fabrik in der Türkei gebaut werden soll, in der Nähe von Izmir.

Der Standort sei im Vergleich zu den weiteren Optionen deutlich günstiger, und er biete bessere Absatzchancen, sagten Vertreter beider Gremien. Die Entscheidung fiel daher gegen Bulgarien und andere EU-Länder.

Mit dem Einmarsch türkischer Truppen im Norden von Syrien hat sich die Lage aber grundlegend verändert. In diesem Umfeld könne es kein Votum für das Land geben, erfuhr das Handelsblatt am Montagabend in Konzernkreisen. Die Unterschrift unter den Verträgen werde es daher vorerst nicht geben. Kreisen zufolge hatte VW die türkische Regierung am Montag über die Verschiebung informiert.

Die Aktie des bisherigen VW-Distributors in der Türkei, Dogus Otomotiv, fiel kurz nach der Veröffentlichung des Handelsblatt-Berichts um 6,5 Prozent. Inzwischen notiert die Aktie knapp ein Prozent schwächer im Vergleich zum Vortag bei 6,59 Lira.

Die Türkei wird wegen eines Kampfeinsatzes in Nordsyrien derzeit international heftig kritisiert. Die Bundesregierung forderte an diesem Montag den sofortigen Stopp der Militäroperation, mit der die Führung in Ankara eine Sicherheitszone für Flüchtlinge schaffen und Kämpfer der kurdisch-geprägten YPG-Miliz von der Grenze verdrängen will. Anlass für den Einmarsch war der angekündigte Abzug von US-Truppen in dem Gebiet durch Präsident Donald Trump.

Da der US-Kongress Trump in dieser Sache nicht unterstützt, könnten die USA bald Sanktionen gegen die Türkei verabschieden. Anleger reagierten mit Ausverkäufen, der Istanbuler Leitindex ISE100 fiel angesichts der Sanktionsdrohungen am Montag zwischenzeitlich um über fünf Prozent. Auch die türkische Lira steht an den Märkten unter Druck.

Könnte dem Image schaden

Aus Sicht eines Großkonzerns wie Volkswagen, der mehr als eine Milliarde Euro investieren will, sind das unberechenbare Umstände. Würde das Dax-Unternehmen jetzt den offiziellen Schritt wagen, könnte dies dem Image schaden.

Das Unternehmen äußerte sich daher auf Anfrage zurückhaltend. „Wir beobachten die Situation mit großer Sorge“, sagte ein Sprecher. Er verwies darauf, dass die Standortentscheidung sich in der finalen Phase befinde. Zu Details äußerte sich VW nicht.

Aus wirtschaftlich Sicht hingegen will Volkswagen an der Türkei als Standort für die Fertigung der Modelle Passat und Superb allerdings festhalten. Auf der Kippe stehe das Werk daher nicht, erzählen Insider dem Handelsblatt. Ein entsprechender Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ würde demnach zu weit gehen.

Die Niedersachsen wollen den Verlauf der militärischen Eskalation abwarten. Wenn Zivilisten zu Tode kämen, dann könne es kein Votum für die Türkei geben, hieß es. Damit sei klar, dass sich der Prozess um einige Monate verzögern werde. Ein schnelles Ende der Auseinandersetzung werde es wohl nicht geben.

Mehr: Deutschland und Frankreich wollen wegen der Lage in Nordsyrien vorerst keine Waffen mehr an die Türkei liefern. Ein EU-weites Embargo scheiterte.

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