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Takeda kauft Shire Aktionäre segnen größte Übernahme der japanischen Geschichte ab

Takeda kann den irischen Konkurrenten Shire übernehmen. Das Management des Pharmakonzerns setzte sich gegen den Widerstand von Teilen der Gründerfamilie durch.
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Der ambitionierte Shire-Deal soll Takeda unter die zehn größten Pharmakonzerne der Welt katapultieren. Quelle: Bloomberg
Takeda-Zentrale in Tokio

Der ambitionierte Shire-Deal soll Takeda unter die zehn größten Pharmakonzerne der Welt katapultieren.

(Foto: Bloomberg)

Tokio Die Spannung war hoch, als am Mittwochmorgen die außerordentliche Aktionärsversammlung von Japans größtem Pharmakonzern Takeda begann. Die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete in einem Liveblog von dem Drama um die 62 Milliarden Dollar teure Übernahme des irischen Wettbewerbers Shire durch die Japaner. Denn Teile der Gründerfamilie von Takeda wollten den vom französischem Konzernchef Christophe Weber eingefädelten Deal kippen.

Bis zu 25 Prozent der Stimmen könnten sie erhalten, hatten die Rebellen noch am Montag gedroht. Am Ende fuhr Weber, unterstützt von den Großaktionären, einen unerwartet hohen Sieg ein. 88 Prozent der Stimmanteile votierten für die mit Abstand größte Übernahme der japanischen Wirtschaftsgeschichte.

Damit bleibt der ambitionierte Deal auf Kurs, der Takeda unter die zehn größten Pharmakonzerne der Welt katapultieren würde. Wenn alles nach Plan geht, könnte die Übernahme von Shire bereits am 8. Januar stattfinden. Die Kartellbehörden in aller Welt haben den Deal schon abgenickt. Die letzte Hürde sind die Aktionäre von Shire, die ebenfalls am Mittwoch über ihren Verkauf abstimmen.

Eine Ablehnung des Deals in Irland wäre allerdings eine große Überraschung. Denn er gleicht einem lukrativen Zahltag für die Shire-Aktionäre. Das Kaufangebot lag mit 49 Pfund pro Aktie deutlich über den 30 Pfund, die das Papier noch im April 2018 kostete. Erst jetzt liegt Shires Aktienpreis nahe am Gebot.

Die hohe Prämie war einer der Gründe, warum die Rebellen um den ehemaligen Direktor Kazuhisa Takeda den Deal als zu riskant ablehnten. Sie warnten, dass Shires Gewinne im laufenden Quartal einbrechen könnten und Takeda hohe Verluste durch Abschreibungen auf seinen Neuerwerb einbringen könnten.

Ein weiterer Grund war allerdings das hohe finanzielle Risiko, das Weber einging. „Das finanzielle Risiko ist zu groß, der Nutzen zu gering“, hatte Takeda gewarnt. Er hatte damit sogar den letzten Konzernchef aus den Reihen der Gründerfamilie, Kunio Takeda, überzeugt, gegen die Übernahme Stellung zu beziehen.

Experten sehen Risiken bei der Integration

Tatsächlich bläht der durch eine Aktienausgabe und Schulden finanzierte Kauf die Schulden Takedas um 30 Milliarden Dollar auf. Die Kreditbewerter von Moody‘s haben Takeda daher mit einer Abwertung ihres Ratings gedroht. Auch Takedas Aktienpreis war um ein Viertel eingebrochen, nachdem der Kauf öffentlich wurde. Denn die Aktionäre fürchteten die zusätzlichen Schulden und vor allem die Verdünnung des Aktienwerts durch die Ausgabe neuer Aktien.

Außerdem warnt Takeda, dass Shire bei Medikamenten für Bluter ein Einbruch droht. Denn Roche bringe neue Medikamente auf den Markt. Außerdem sehen die Rebellen und Experten das Risiko, dass die Integration der so unterschiedlichen Konzerne scheitert. Bei Takeda handelt es sich um ein mehr als 200 Jahre altes Traditionsunternehmen mit starkem kulturellen Einfluss der Gründer, bei den Iren um ein durch Akquisen rasant gewachsenen Konzern.

Schon das wird nicht leicht. Die größte Herausforderung wird allerdings bleiben, die Schulden abzubauen und gleichzeitig neue Medikamente zu entwickeln. Takedas Fazit am Montag: „Ich denke, dass Fusionen und Firmenkäufe sehr notwendig für Takedas Zukunft sind, aber Shire ist nicht die Antwort.“

Die Kritiker sehen in Takedas Aktienkurs den Beleg für ihre These. Aber das relativ niedrige Niveau ist für Anlageprofis wie den Analysten Stephen Barker von der CLSA Securities Japan erklärbar. Takedas Aktie stehe bislang unter dem Druck von Shortsellern, erklärt Barker. „Wegen der hohen Prämie hat niemand Takeda-, sondern lieber Shire-Aktien gekauft“. Denn durch den Kursunterschied sei das ein sicherer Gewinn gewesen.

Weber verspricht milliardenschwere Synergien

Doch wie die Mehrheit der Aktionäre glaubt er, dass es mit Takeda nun nach dem Kauf von Shire besser gehen wird. Immerhin würde der neue Konzern etwa 30 Milliarden Euro Umsatz ausweisen und den Anteil des lukrativen amerikanischen Markts von 34 auf 50 Prozent erhöhen. Und das ist wichtig. Denn der japanische Pharmamarkt droht trotz rasanter Zunahme von Senioren zu stagnieren, da die Regierung die Arzneimittelpreise senken will.

Zusätzlich versprach Weber Synergien von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Selbst die Dividende will trotz der Verschuldung bei 180 Yen pro Aktie belassen. Das wichtigste war allerdings sein Ziel, Takeda damit langfristig auf eine Augenhöhe mit den westlichen Rivalen zu heben.

„Wir werden in der Lage sein, mehr als 400 Milliarden Yen (drei Milliarden Euro) jährlich zu investieren“, wiederholte er auf der Aktionärsversammlung einen der Vorzüge des Deals. „Dies ist ein global wettbewerbsfähiges Niveau.“ Ziel sei, ein global führendes Unternehmen mit Hauptsitz in Japan aufzubauen. Auch wolle sich das Unternehmen auf die Tokioter Börse konzentrieren.

Selbst die Anleger gratulierten daraufhin Weber verhalten zum Sieg. Takedas Aktienkurs stieg im Nachmittagshandel um 1,1 Prozent auf 4 241 Yen, während der Nikkei-225-Index um 0,5 Prozent sank. Weber bedankte sich bei seinen Aktionären. „Wir sind hocherfreut, dass unsere Aktionäre unserem Kauf von Shire große Unterstützung gegeben haben“, zitiert ihn eine Presseerklärung

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