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Technik ineffizient Vernetzte Trucks – Daimler beerdigt die Hoffnungstechnik Platooning

Ein Lkw fährt voraus, der zweite wird teilautonom hinterhergezogen. Theoretisch spart „Platooning“ viel Sprit, praktisch erlebt es Daimler anders.
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Daimler erleidet Rückschlag bei vernetzten Trucks Quelle: dpa
Ernüchterung bei Daimler

Der deutsche Lkw-Weltmarktführer will weiter an selbstfahrenden Trucks arbeiten, gibt aber das Platooning auf.

(Foto: dpa)

Las VegasBis tonnenschwere Trucks wie von Geisterhand gesteuert über unsere Autobahnen brettern, dürfte noch viel Zeit vergehen. Kaum einer weiß das so genau wie Martin Daum. Für den Chef von Daimler Trucks ist klar: autonom fahrende Lastwagen sind heute nicht einmal unter Laborbedingungen zu hundert Prozent sicher. Weil Sicherheit für den Frontmann des weltgrößten Herstellers von Nutzfahrzeugen aber oberste Priorität hat, setzt Daum in der „freien Wildbahn“ bisher auf ein Vorstufenkonzept von Roboterfahrzeugen.

„Ich glaube, Platooning wird sich zunächst durchsetzen“, erklärte Daum vor einem halben Jahr im Interview mit dem Handelsblatt. Beim Platooning fahren zwei Lkw hintereinander – den ersten steuert ein Truck-Lenker, der zweite wird teilautonom mit sehr geringem Abstand hinterhergezogen. Die Trucks sind digital aneinandergekoppelt.

Der Clou dabei: Die Fahrer werden entlastet, die Sicherheit erhöht und durch die verbesserte Aerodynamik sinkt auch noch der Spritverbrauch und damit die Kosten. Zumindest der letzte Punkt trifft aber offenbar nur in der Theorie zu. 

Jahrelange Techniktests auf US-Straßen zeigen, dass die Kraftstoffeinsparungen „selbst unter optimalen Platooning-Bedingungen in der Praxis geringer ausfallen als erhofft“, räumt Daimler nun in einer Mitteilung ein. Das Kernproblem: Jedes Mal, wenn ein vernetztes Lkw-Gespann voneinander getrennt wird, müssen die Trucks beschleunigen, um wieder aufzuschließen.

Das passiert im realen Fahrbetrieb anscheinend sehr häufig, etwa weil sich ein Pkw zwischen die Lkw zwängt. Die Folge: Der Kraftstoffverbrauch beim Platooning steigt zwischenzeitlich sogar an statt zu wie gewünscht deutlich zu sinken. 

Das bittere Fazit von Daimler: „Zumindest im Langstreckenverkehr in den USA ergibt sich kein Geschäftsmodell für Kunden“. Die Stuttgarter wollen ihre laufende Platooning-Projekte in den USA, Europa und Japan zwar noch zu Ende bringen, aber weder neue Tests forcieren, noch die Technik zur Serienreife bringen. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Daimler beerdigt die Hoffnungstechnik Platooning

Für die Schwaben und die gesamte Lkw-Industrie ist das ein erheblicher Rückschlag. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2017 gab sich Daimler noch hoffnungsvoll: „Das Kundeninteresse an digital gekoppelten Lkw für den Straßengüterverkehr wächst.“ Daimler-Manager Daum sah zudem erhebliches Optimierungspotenzial für die gesamte Speditionswirtschaft. Schließlich stehen jeden Tag Sattelschlepper mit millionenschweren Ladungen stundenlang am Straßenrund umher, weil die Fahrer schlafen müssen.

„Nicht effizient“ konstatierte Daum im Juni 2018 dazu und schwärmte von den Einsparungsmöglichkeiten, die Platooning hier ermöglichen würde. „Der Fahrer im zweiten Truck schläft und nach einigen Stunden wird getauscht“, erklärte Daum. Die Folge: Die Standzeiten der Lastwagen sinken und die Waren sind schneller bei den Kunden. In dieser Form dürfte die Vision von Daum aber kaum jemals Realität werden.

Autonomes Fahren bleibt Zukunftswert

Trotz dem Dämpfer beim Platooning setzt Daimler in seiner Lkw-Sparte weiter voll auf Vernetzung und Robotertrucks. Der Konzern will binnen zehn Jahren hochautomatisierte Lkw zur Marktreife bringen. Dafür investieren die Schwaben alleine in den nächsten Jahren rund 500 Millionen Euro und schaffen 200 neue Arbeitsplätze.

Im Rahmen der Consumer Electronics Show (CES), die vom 8. bis 11. Januar in Las Vegas stattfindet, präsentiert Daimler mit dem neuen Freightliner Cascadia etwa den ersten Serien-Lkw auf nordamerikanischen Straßen, der teilautomatisierte Fahrfunktionen beherrscht. Das soll aber erst der Anfang sein.

Daimler-Manager Daum will den Zwischenschritt des „bedingt automatisierten Fahrens“ überspringen und plant gleich die Serienentwicklung von hochautomatisiert fahrenden Trucks auf definierten Strecken. „Jetzt heben wir die Automatisierung auf ein neues Level“, kündigt Daum kampfeslustig an.

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1 Kommentar zu "Technik ineffizient: Vernetzte Trucks – Daimler beerdigt die Hoffnungstechnik Platooning"

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  • Ich finde es endlich mal sehr gut das man öffentlich auch Programme einstellt die sich in der Praxis nicht bewähren. Dazu gehört auch Mut nicht imer alles schön zu reden. Weiter so.