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Technologiekonzern Hauptversammlung wird zur Zitterpartie für Toshibas Vorstandsvorsitzenden Osamu Nagayama

Ein Aufstand der Aktionäre erschüttert den japanischen Traditionskonzern kurz vor der Aktionärsversammlung. Zwei Vorstände mussten schon gehen.
14.06.2021 - 17:40 Uhr Kommentieren
Es ist die wohl schwerste Prüfung seiner langen Karriere. Quelle: Bloomberg
Osamu Nagayama

Es ist die wohl schwerste Prüfung seiner langen Karriere.

(Foto: Bloomberg)

Tokio Auf seine alten Tage muss Toshibas Vorstandsvorsitzender Osamu Nagayama um sein Amt zittern. Eigentlich wurde der angesehene japanische Topmanager vor einem Jahr in den Verwaltungsrat des Technikkonzerns Toshiba gerufen, um bei dem skandalerschütterten Industriekonzern aufzuräumen.

Als Chef des Nominierungskomitees und jetzt Vorstandsvorsitzender sollte er für vorbildliche Unternehmensführung stehen. Doch nun könnte der 74-jährige frühere Chef des Pharmakonzerns Chugai nach einem erneuten Aufstand der Aktionäre selbst stürzen. Er sei sich des Widerstands mehrerer Großaktionäre gegen seine erneute Ernennung bewusst, sagte Nagayama am Montag auf einer Pressekonferenz.

Er wolle sich allerdings jetzt nur auf die Vorstandsarbeit konzentrieren. „Die Frage, ob ich weitermachen soll oder nicht, wird auf der Hauptversammlung am 25. Juni gestellt werden“, sagte Nagayama. Bis dahin werden es noch hektische Tage.

Doch was war eigentlich passiert? In der vergangenen Woche forderten zwei ausländische Investmentfonds, Nagayama und eine Reihe anderer Vorstände sollten sich aus dem Verwaltungsrat zurückziehen. Denn laut einem unabhängigen Untersuchungsausschuss hatte der frühere Toshiba-Konzernchef Nobuaki Kurumatani im Zusammenspiel mit dem japanischen Wirtschaftsministerium versucht, auf der letztjährigen Aktionärsversammlung kritische Großaktionäre zu umgehen und effektiv daran zu hindern, Vorschläge zu machen und ihre Stimmrechte auszuüben.

Die Spuren führen sogar bis zum heutigen Ministerpräsidenten Yoshihide Suga. Der hatte voriges Jahr, als er noch Chef des Kabinetts war, mit Kurumatani getafelt. Aber der Untersuchungsausschuss konnte nicht abschließend klären, über was genau gesprochen wurde. Am Sonntag suchte der heutige Verwaltungsrat unter Nagayamas Führung auf einer Krisensitzung einen Kompromiss in dieser politisch brisanten Lage.

Bei Toshiba wird neues Personal gesucht

Nagayama darf zwar bleiben, aber ein Vizepräsident Toshibas, ein weiterer Topmanager und zwei firmenfremde der 13 Verwaltungsratsmitglieder, die die umstrittene Aktionärsversammlung durchgewinkt hatten, müssen gehen. „Sie waren eine Hauptursache für die Verwirrung“, erklärte Nagayama. Und: „Wir waren der Meinung, dass wir nicht in der Lage sein würden, das Vertrauen der Aktionäre zu gewinnen.“

Der Vorstandsvorsitzende will nun versuchen, die Kluft zwischen den zwei Lagern zu überwinden. Zuerst soll ein elfköpfiger Vorstand gewählt werden, später will Nagayama dann auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung zwei neue firmenfremde Kandidaten vorschlagen.

Ob das allerdings den Großaktionären reicht, ist nach dem langen Konflikt um Toshibas Zukunft noch nicht klar. Nach einem Bilanzskandal und der Pleite seines amerikanischen Atomkraftwerksbauers war der Traditionskonzern tief in die Krise gestürzt. Doch auch unter neuer Führung kam das Management nicht zur Ruhe, sondern bekriegte sich mit Aktionärsaktivisten, die sich massiv in den Industriekonzern eingekauft hatten.

Auch unter Kurumatani änderte sich das nicht, obwohl der Banker vor seiner Arbeit bei Toshiba selbst die Japan-Niederlassung des US-Fonds CVC Capital Partners geführt hatte. Stattdessen wehrte er sich gegen strategische und personalpolitische Vorschläge der aktivistischen Fonds, die ihn angriffen. Dabei kämpfte er offenbar unsauber.

Streit eskalierte Anfang des Jahres

Der in Singapur beheimatete und von Japanern geführte aktivistische Fonds Effissimo Capital Management und andere Investoren warfen Kurumatani daher gleich nach umstrittenen Aktionärsversammlungen Manipulation vor.

Der Streit eskalierte Anfang des Jahres, als Kurumatani seinen alten Arbeitgeber CVC überzeugte, ein Übernahmeangebot für To‧shiba vorzulegen, um den Traditionskonzern von der Börse zu nehmen. Dieser Versuch scheiterte, Kurumatani musste gehen, und ein neuer Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Dessen Ergebnisse brachten nun auch die Investmentfonds und vier ausländische Vorstände gegen Nagayama auf.

Für den Japaner ist das eine der schwersten Prüfungen seiner langen, illustren Karriere. Er machte beim japanischen Pharmakonzern Chugai Karriere, dessen Kurs er faktisch von 1992 bis 2020 bestimmte. 2002 führte Nagayama seinen Konzern in eine Übernahme durch den globalen Pharmakonzern Hoffmann-La Roche, der etwa 62 Prozent der Chugai-Aktien hält.

Nagayama saß danach im Exekutivkomitee der Schweizer und später auch sechs Jahre im Vorstand des Elektronik- und Unterhaltungskonzerns Sony. Dann entschied er, sich Toshiba zuzumuten – wohl auch aus Pflichtbewusstsein.

Mehr: Toshiba weist CVC-Übernahmeangebot zurück – Konzern bleibt vorerst an der Börse.

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