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Technologiekonzern Proteste und unzufriedene Investoren: Der Druck auf Siemens-CEO Kaeser wächst

Auf der Hauptversammlung attackieren Aktivisten den Manager. Aber auch die Investoren sparen nicht an Kritik – und fordern eine baldige Nachfolgeregelung.
05.02.2020 - 18:24 Uhr Kommentieren

Kaeser kritisiert Klimaschutz-Aktivisten für „fast groteske“ Proteste

München Wenn Siemens-Chef Joe Kaeser abtritt, will er seinem Nachfolger einen zukunftsfähigen Konzern übergeben – aber auch eine Verpflichtung. Der Umbau sei mit der Aufspaltung in diesem Jahr noch lange nicht abgeschlossen, sagte Kaeser auf der Hauptversammlung in München.

Die drei börsennotierten Unternehmen, in die er Siemens dann aufgeteilt haben wird – Healthineers, die neue Siemens Energy und die verbleibende Siemens AG mit den Digitalgeschäften –, müssten „Hauptdarsteller des Endspiels in ihrer jeweiligen Branche“ sein. „Nur dann werden die nachfolgenden Generationen stolz, selbstbewusst und dankbar eine Geburtstagsparty im Jahr 2047 geben, dem 200. Geburtstag von Siemens!“

Bis 2047 ist es aber noch eine lange Zeit, die Investoren interessiert die Gegenwart – und mit der sind nicht alle zufrieden: „Der Plan, mit der Aufspaltung von Siemens zusätzlichen Wert für die Aktionäre zu schaffen, ist richtig, aber es hapert an der konsequenten Umsetzung“, bemängelte Vera Diehl, Portfoliomanagerin bei Union Investment. Kaesers Umbauprogramme „Vision 2020“ und „Vision 2020+“ hätten nicht gezündet.

„Was zählt, sind nicht Visionen, sondern handfeste Fakten wie Margenausweitung und Cashflow-Generierung“, sagte Diehl. Eine nachhaltige Verbesserung der Ergebnisse könne sie nicht erkennen.

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    Noch steht der wichtigste Umbauschritt zwar bevor: Etwa Ende März soll das Energiegeschäft, das für immerhin 40 Prozent der Umsätze steht, abgespalten werden und im Herbst an die Börse kommen. Es entsteht ein neuer Konzern von Dax-Format mit 30 Milliarden Euro Umsatz.

    Doch das Megaprojekt steht derzeit unter keinem guten Stern. Die Zahlen im Kraftwerksgeschäft und bei den erneuerbaren Energien sind mau. Das zeigte der Start ins neue Geschäftsjahr.

    Grafik

    Zudem leidet das Image von Siemens Energy unter dem Streit über das Kohleminenprojekt Adani in Australien. Zwar ist Siemens nur mit einem kleinen Auftrag für die Bahntechniksparte beteiligt. Doch richten Klimaaktivisten inzwischen ihren Fokus auf das gesamte Geschäft von Siemens, mit fossilen Energien wie zum Beispiel Gasturbinen oder Technologie für Kohlekraftwerke – und das macht einen großen Teil des Geschäfts von Siemens Energy aus.

    Podium für Klimaaktivisten

    Als die Aktionäre am frühen Morgen von den Parkplätzen und der U-Bahn zur Olympiahalle zogen, wurden sie schon von Klimaaktivisten empfangen. „Klimakiller Siemens“ stand auf Transparenten. Auch auf dem Podium ergriffen die Aktivisten bei dem Aktionärstreffen das Wort.

    Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe appellierte zwar: „Wir können die Nachhaltigkeit der Welt nicht heute hier in der Hauptversammlung lösen.“ Die Redner sollten sich auf Fragen zur Tagesordnung beschränken.

    Doch die Klimaaktivisten nutzten die öffentliche Bühne. Es sei eine Schande, dass Siemens den Adani-Auftrag unterzeichnet habe, während Australien brenne, kritisierte die 17-jährige Australierin Varsha Yajman.

    Helena Marschall von „Fridays for Future“ sagte: „Die Adani-Mine in Australien ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Im Kern gehe es um Siemens’ „unehrliche Inszenierung als Klimaschutz-Konzern“. Ein Konzern, der das Paris-Abkommen unterstütze, müsse jede Investition auf dieses Ziel hin ausrichten. „Alles andere ist Schönfärberei.“

    Kaeser nannte es „fast schon grotesk“, dass ausgerechnet Siemens mit seinem vergleichsweise kleinen Auftrag zur Zielscheibe geworden sei. Er bekräftigte, dass der Konzern den Auftrag im Nachhinein lieber nicht angenommen hätte. „Daran ändert auch die Realität nichts, dass die von uns gelieferte Signaltechnikanlage für einen sicheren Zugverkehr für die Inbetriebnahme der umstrittenen Mine irrelevant ist.“

    Kritik an einzelnen Staudamm- oder Kraftwerksprojekten hatte es auch in früheren Jahren bei Siemens immer wieder gegeben. Doch inzwischen hat das Thema eine neue Dimension erreicht. „Die globale Diskussion um den Klimawandel ist ein Zeichen dafür, dass eine neue Ära angebrochen ist“, drückte es Chefkontrolleur Snabe aus.

    Schwergewicht

    30

    Milliarden

    Euro Jahresumsatz hat der neue Energiekonzern, der durch die Abspaltung von Siemens entsteht.

    Auch Investoren sehen das Thema als geschäftsrelevant an. Diehl von Union Investment sprach von einem Reputationsschaden, der durch das Adani-Debakel entstanden sei.

    Kritik gab es von Investoren insbesondere am Krisenmanagement. „Man hat die Affäre nicht gut aufgearbeitet“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Dialog mit den Klimaschützern sei richtig. „Ob man diesen Kritikern aber gleich einen Posten im Unternehmen anbieten muss, ist schon fraglich.“

    Kaeser hatte Klimaaktivistin Luisa Neubauer einen Aufsichtsposten bei der neuen Siemens Energy angeboten, zwischenzeitlich war sogar von einem Aufsichtsratsposten die Rede. Auch konzernintern glauben manche, dass Kaeser mit seinem Treffen mit Neubauer die Aufmerksamkeit der Kritiker noch stärker auf Siemens gezogen hat.

    Aufsichtsratschef Snabe betonte, das Kontrollgremium begrüße den Vorschlag eines Nachhaltigkeitsgremiums auch mit externen Experten. Die Diskussionen hätten zumindest ein Gutes: „Wir sehen uns angespornt, den Wandel von Siemens in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen.“ Kaeser kündigte an, bis zu eine Milliarde Euro zusätzlich bereitzustellen, um Emissionen in der kompletten Wertschöpfungskette – also auch bei den Zulieferern – zu verringern. Details nannte er aber nicht.

    Die Grundsatzentscheidung, den Konzern aufzuspalten, hat die Rückendeckung vieler Investoren. Diehl forderte sogar, Siemens müsse noch konsequenter auf fokussierte Einheiten setzen – also die Aufspaltung weiter vorantreiben. Auch nach der Abtrennung des Energiegeschäfts sei die verbleibende Siemens AG noch ein Gemischtwarenladen. Sie brachte auch eine Trennung von der Bahntechnik, der Mehrheitsbeteiligung an den Healthineers und der künftigen Beteiligung an Siemens Energy ins Spiel.

    Investoren fordern rasche Kaeser-Nachfolge
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