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Technologiekonzern Siemens-Aktionäre stimmen für Aufspaltung - Ausstieg aus Kohle geplant

Die neue Siemens Energy will vor allem auf saubere Technologien setzen. Die Aktionäre stimmen der Abspaltung der Energietechniksparte zu.
09.07.2020 - 10:00 Uhr 1 Kommentar
Der Konzern will sich künftig nicht mehr an neuen Kohlekraftwerks-Projekten beteiligen. Quelle: Bloomberg
Turbinenwerk von Siemens in Berlin

Der Konzern will sich künftig nicht mehr an neuen Kohlekraftwerks-Projekten beteiligen.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf, München Es war ein heißer Winter für Joe Kaeser. Der Siemens-Chef stand wegen der - vergleichsweise kleinen - Beteiligung seines Konzerns am umstrittenen Kohleminen-Projekt in Australien im Kreuzfeuer der Kritik von Klimaaktivisten. Er finde es sehr gut, dass es Fridays for Future als Bewegung gibt, sagte Kaeser nach einem Treffen mit Aktivistin Luisa Neubauer. „Viele Forderungen kann ich unterstützen.“

Zumindest einem der Teil der Wünsche der Klimaschützer kommt Siemens nun in der Tat nach. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag kündigte Kaeser den Ausstieg aus der Kohle an. „Der Klimawandel ist real“, betonte der Siemens-Chef.

Mit der virtuellen Hauptversammlung kam Kaeser der Vollendung seines radikalen Konzernumbaus näher. Die Aktionäre stimmten mit mehr als 99 Prozent für die Aufspaltungspläne. Ende September soll nun die neue Siemens Energy AG, die für 40 Prozent der Konzernumsätze steht, im Rahmen eines Spinnoffs an die Börse gebracht werden.

Auch deshalb steht der neue Konzern unter der besonderen Beobachtung von Klimaaktivisten. Er habe den Vorstand des neu formierten Energietechnikriesen Siemens gebeten, „zügig einen stakeholdergerechten Plan zum Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Kohle vorzulegen“, sagte Kaeser, der den Aufsichtsrat von Siemens Energy führen wird. Dieser Ausstiegsplan werde „verantwortungsvoller sein, als manche Aktivisten das einseitig fordern, aber sicher konsequenter, als Zögerlinge dies für notwendig halten“, sagte Kaeser. 

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    Einen kompletten und sofortigen Rückzug von Siemens Energy aus der Kohle, wie ihn Klimaschützer gefordert haben, wird es aber nicht geben. Nach Einschätzung in Industriekreisen dürfte Kaesers Ankündigung bedeuten, dass sich Siemens Energy – voraussichtlich zeitnah – nicht mehr an neuen Kohlekraftwerksprojekten beteiligt. Allerdings werde das Unternehmen bestehende Aufträge erfüllen und wohl auch längerfristig weiter Service anbieten. Schließlich könnten damit bestehende Kohlekraftwerke ja effizienter gemacht werden.

    Das Neugeschäft mit Kohlekraftwerken dürfte bei Siemens Energy laut Branchenschätzungen ohnehin weniger als eine von insgesamt rund 29 Milliarden Euro Umsatz ausmachen.

    Ähnlich wie bei den deutschen Kohlekonzernen, hat Siemens die Entscheidung sich von dem Geschäft mit dem fossilen Energieträger zu verabschieden aber auch nicht ganz freiwillig getroffen. 

    2019 wurden 16 Prozent weniger Kohlekraftwerkskapazitäten geplant und gebaut als noch ein Jahr zuvor. Zwar ist die Anzahl der Kohlekraftwerke im vergangenen Jahr insgesamt gestiegen, das geht allerdings auf einen einmaligen Genehmigungsboom in China zurück. Ohne die Volksrepublik schrumpften die globalen Kapazitäten bereits das vierte Jahr in Folge. 

    In 33 Ländern ist der Ausstieg aus der fossilen Verstromung mittlerweile beschlossene Sache. Noch dazu wird Kohle mit Blick auf die sinkenden Ölpreise, einen steigenden CO2-Preis und immer günstiger werdende Erneuerbare schlicht unrentabel.

    Deutschland selbst hat den Kohleausstieg erst in der vergangenen Woche unter Dach und Fach gebracht. Dass Siemens sich nun von der Kohle verabschiedet, ist somit auch ein symbolischer Schritt.

    Historischer Umbau

    Siemens Energy soll Ende September im Rahmen eines Spin-Offs an die Börse. 55 Prozent der Anteile gehen zunächst an die Siemens-Aktionäre über. Sie bekommen für je zwei Siemens-Aktien in ihrem Depot automatisch jeweils eine Aktie der Siemens Energy AG eingebucht.

    Kaeser wird dann Anfang kommenden Jahres er den Vorstandsvorsitz der Siemens AG an seinen Vize Roland Busch übergeben. Auf der Hauptversammlung warb er noch einmal eindringlich für die Aufspaltung. „Heute ist ein historischer Tag für Siemens“, sagte er am Donnerstag. „Uns ist die Tragweite dieses Schritts bewusst.“ Die Verselbstständigung des Energiegeschäfts sei „weder ein Schnellschuss noch eine Notlösung, weder eine Zerschlagung noch eine Modeerscheinung“.

    Die Welt verändere sich immer schneller, sagte Kaeser. Dabei seien stärker fokussierte Unternehmen gegenüber traditionellen Konglomeraten im Vorteil. Die größte Gefahr von Konglomeraten sei „die vermeintlich schützende Sozialisierung starker und schwacher Geschäfte“. Damit dürfte er meinen, dass erfolgreiche Sparten Krisenfälle mit durchschleppen. „Dieser Kardinalfehler in der Ressourcenallokation hat Industrie-Ikonen dies- und jenseits des Atlantiks in existenzielle Nöte gebracht.“

    Die neue Siemens Energy geht mit einem Auftragsbestand von 77 Milliarden Euro an den Start. Das Unternehmen bietet sowohl konventionelle Kraftwerkstechnik, als auch Erneuerbare Energien und die Stromnetze an. Siemens Energy werde daher in der Lage sein, „den globalen Wandel der Energiesysteme hin zu erneuerbaren Energien noch flexibler, schneller und entschlossener voranzutreiben“, sagte Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe.

    Der Chefkontrolleur, Kaeser habe für den Umbau die volle Unterstützung des Kontrollgremiums. „Diese Unternehmen haben hervorragende Voraussetzungen, zu den besten ihrer jeweiligen Branchen zu gehören. Und sie haben die Chance, die digitale und nachhaltige Zukunft zu prägen.“

    Bei den Investoren stößt der radikale Schritt auf Zustimmung. „Die Abspaltung ermöglicht bei der Siemens AG eine schlankere Struktur und den Fokus auf Zukunftsgeschäfte“, sagte Vera Diehl von Union Investment. Das sei genau das, was der Kapitalmarkt schon seit Langem fordere.

    Winfried Mathes von Deka Investment verwies allerdings auch auf die Risiken. Die Gewinne bei den künftigen Kerngeschäften „Digitale Industrien“ und „Smart Infrastructure“ seien in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres zurückgegangen. „Da zeigt sich, dass der Schuss einer allzu starken Fokussierung auf wenige Geschäftsbereiche in Krisenzeiten auch nach hinten losgehen kann.“

    Die neue Siemens Energy wird nach Einschätzung in Industriekreisen keinen leichten Start haben. Doch betonte Union-Investment-Managerin Diehl: „Mit mehr Unabhängigkeit bekommt Siemens Energy die Chance, Rendite und Klimaschutz miteinander zu verbinden.“ Der Weg zu einem grünen Unternehmen sei aber noch weit. „Wir werden das Unternehmen danach bewerten, ob es liefert, das heißt konstante Margen erwirtschaftet und seine selbst gesteckten Ziele erreicht.“

    Für Winfried Mathes von der Deka stellt sich die Frage, wofür Siemens Energy steht – ob zum Beispiel „für eine Restrukturierungsstory mit weiteren harten Kostensenkungsrunden“ oder für eine Wachstumsstory mit Wasserstofflösungen. „Oder doch für alles zusammen?“

    Kaeser hebt natürlich vor allem die Zukunftschancen hervor. „Siemens Energy hat die Kompetenz, das Portfolio und die Aufstellung, um für jedes Land eine nachhaltige Energiewende zu verwirklichen.“ Kohlekraftwerke werden künftig nicht mehr zu diesem Portfolio gehören.

    Mehr: So lief der Start des neuen Siemens-Energy-Chefs

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    1 Kommentar zu "Technologiekonzern: Siemens-Aktionäre stimmen für Aufspaltung - Ausstieg aus Kohle geplant"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich weiß nicht, warum vom HB in einem Artikel über eine Hauptversammlung, in der es selten genug mal um die Aktionärsinteressen gehen sollten, zu allererst die Meinung von Klimaaktivisten prominent in den Vordergrund gerückt wird. Es darf bezweifelt werden, dass es bei Siemens ernsthafte Aktionäre gibt, die einen ganzen Geschäftsbereich schließen wollen, so lange noch Nachfrage besteht. Da stellt sich die Frage auf welcher Seite man steht: Linke Klimaaktivisten ODER Leser und echte Aktionäre?

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