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Technologiekonzern Siemens-Vize Busch geht auf Bewährungstour für den Chefposten

Roland Busch wurde zum Stellvertreter von Konzernchef Joe Kaeser befördert. Jetzt gibt es Signale, dass er auch dessen Nachfolger wird.
Update: 01.12.2019 - 17:37 Uhr Kommentieren
Roland Busch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Siemens, könnte Joe Kaeser beerben. Quelle: dpa
Favorit für die Siemens-Spitze

Roland Busch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Siemens, könnte Joe Kaeser beerben.

(Foto: dpa)

München Auf der Bühne vereinigten sich die Scheinwerfer zu einer imposanten Lichtershow, über eine LED-Leinwand flimmerten technische Neuheiten, die angeheuerte Liveband stimmte „Get Lucky“ an. Als sich die traditionelle Auszeichnung der besten Siemens-Tüftler am Donnerstagabend dem Ende zuneigte, reckte Roland Busch auf dem Podium die Faust in die Luft. In diesem Moment wusste der 55-jährige Siemens-Technologievorstand, dass der Abend für ihn gut gelaufen war.

Führung müsse mit Zuhören beginnen, hatte er den Siemensianern verkündet. In Zukunft, versprach er, werde Arbeit weniger hierarchisch organisiert werden.

Dabei ist offiziell noch nicht ausgemacht, ob der Chief Operating Officer, den Siemens Anfang Oktober zum Vizekonzernchef beförderte, am Ende tatsächlich die oberste Führung übernehmen wird. Die Entscheidung über die Nachfolge von Vorstandschef Joe Kaeser soll offiziell erst im nächsten Sommer fallen.

Mächtige Unterstützung

Doch Busch darf sich derzeit über mächtige Unterstützer freuen. „Ich bin beeindruckt“, sagte Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe dem Handelsblatt über Buschs Auftritt bei der Erfinder-Auszeichnung. Zuvor hatte der Chefkontrolleur im Gespräch mit Busch auf dem Podium schon betont, dieser spiele im Team bei seinem Traum „eine wichtige Rolle“, den Traditionskonzern neu zu erfinden.

Solche Signale werden derzeit bei Siemens sehr genau registriert. Denn Busch steht unter besonderer Beobachtung. Seit der Aufwertung zum Stellvertreter von Konzernchef Joe Kaeser gilt er auch als designierter Nachfolger, wenn Kaeser vermutlich in spätestens einem Jahr abtritt. Doch in Industriekreisen wurde kolportiert, Busch müsse sich bis dahin erst einmal bewähren und zeigen, dass er dem CEO-Posten auch gewachsen sei.

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Gemeint ist der große Auftritt – und nicht nur das Mikromanagement. Manchen im Konzern gilt Busch noch immer als zu technokratisch. Er stecke bei vielem zwar tief im Detail, in Sachen CEO-Charisma aber besitze Kaeser ein anderes Kaliber. Falls Busch sich nicht bewähre, glaubt man in Industriekreisen, könnte Kaeser noch einmal für zwei Jahre verlängern.

Manche im Konzern fürchten, dass Busch durch diese Spekulationen beschädigt wird. Es sei unwürdig, dass sich ein Topmanager nach 25 Jahren im Konzern noch einmal beweisen müsse. So etwas habe er nie gefordert, stellt nun aber Aufsichtsratschef Snabe klar. Am Montag werden Kaeser und Busch nach Informationen des Handelsblatts gemeinsam bei einer Mitarbeiterversammlung auftreten. Kaeser könnte ein Signal senden, glauben Beobachter, dass Busch auch aus seiner Sicht als Nachfolger gesetzt ist.

Siemens dürfte daran gelegen sein, die Spekulationen über eine mögliche Rivalität der beiden Topmanager vom Tisch zu bekommen. In den vergangenen Wochen hat Busch intern bereits an Unterstützung gewonnen.

Ein Siemens-Aufsichtsrat bestätigt dies gegenüber dem Handelsblatt: „Die Zeichen sind klar gesetzt“, sagt er. „Der Aufsichtsrat will, dass Busch Chef wird, und er wird es auch werden.“ Die Zeit für einen Wechsel sei spätestens im nächsten Sommer reif. Es gehe nun nicht mehr darum, geschickt das Portfolio zu managen. Dies war zuletzt eine Stärke des Finanzexperten Kaeser gewesen.

Nach der geplanten Aufspaltung von Siemens müsse der nächste Chef klarstellen, was den verbliebenen Konzern im Inneren noch zusammenhält. „Die nächste Generation muss jetzt die Pflöcke einschlagen“, so der Aufsichtsrat. Busch müsse nun „Steherqualitäten“ beweisen und dürfe in den nächsten Monaten trotz möglicher Querschüsse nicht nervös werden.

Intern haben einige Kaeser im Verdacht, sich für schwer ersetzbar zu halten. Zwar wird in Aufsichtsratskreisen entgegen anderslautenden Gerüchten betont, dass Kaeser selbst vorgeschlagen habe, Busch zu seinem Stellvertreter zu befördern. Doch sagte der CEO kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Ich würde die Firma nie in Unordnung zurücklassen.“

Und er ergänzte: „In dem völlig unerwarteten und unwahrscheinlichen Fall, dass es dann nicht klappt, könnte ich mir vorstellen, mich für zwei weitere Jahre zu verpflichten.“

In Industriekreisen wird allerdings betont, dass über die Verlängerung eines CEO-Vertrags der Aufsichtsrat entscheide, nicht der Vorstandsvorsitzende selbst.

Dass Busch bei den Beschäftigten Rückhalt genießt, zeigte sich auch in der Woche zuvor. Erstmals trat Busch in Berlin bei der großen Betriebsräteversammlung auf. Offiziell, weil er ab Dezember von Janina Kugel den Posten des Arbeitsdirektors übernimmt. Inoffiziell aber wohl auch, weil er als kommender Konzernchef im Rennen ist.

Die große Show machte Busch in Berlin nicht. Als „nüchtern, sachlich, gesprächsbereit“ bezeichneten Teilnehmer seinen Auftritt. „Er ist nicht so ein Verkäufer wie Kaeser, aber er wirkte souverän.“

Als ein Arbeitnehmervertreter ausrief: „Wir wollen einen Techniker an der Spitze“, gab es Applaus. Es gebe derzeit viel Solidarität mit dem Vize auf Bewährung, sagte ein Teilnehmer. „Die Diskussionen beschädigen ihn mehr außerhalb als innerhalb.“

Verweis auf Erfolge

Denn im Aufsichtsrat gehen derzeit sowohl Kapital- als auch Arbeitnehmerseite davon aus, dass Busch tatsächlich der nächste Vorstandsvorsitzende wird. Snabe gab bei der Erfinder-Show zumindest eine Idee davon, was er vom nächsten Siemens-Chef erwartet. Jeder Leader müsse einen Traum haben, sich aber auch um die entscheidenden Details kümmern.

Letzteres gilt als eine der Stärken des Physikers Busch. Dezent wies er auf seine Erfolge hin. Die lange kriselnde Bahnsparte zum Beispiel brachte er durch eine bessere Projektabwicklung nachhaltig auf Erfolgskurs. Busch habe gezeigt, dass er Geschäfte eigenhändig drehen könne, meint ein Siemens-Manager.

Über die wahren Pläne Kaesers wird derzeit bei Siemens viel spekuliert. Manche Kapriolen des Vorstandschefs stoßen dabei auf Kritik. So twitterte Kaeser kürzlich, wohl als ihm ein Zeitungsartikel nicht gefiel: „Wenn ein deutscher Vorstandschef proaktiv sein Unternehmen auf die Zukunft ausrichtet, gilt er als ‚pathetisch‘ oder ‚philosophisch‘. Wenn ein kiffender Kollege in den USA von Peterchens Mondfahrt spricht, ist er ein bestaunter Visionär.“

Einige im Konzern werteten dies nicht nur als unangebrachten Beitrag über den Siemens-Kunden Elon Musk, sondern auch als möglichen Seitenhieb auf den Vize Busch. Denn der war nur wenige Tage zuvor bei Musk gewesen und hatte ihn ebenfalls auf Twitter als „wahren Visionär“ gepriesen.

Kaeser entgegnete schriftlich: „Hier geht es doch GAR NICHT um Herrn Busch und/oder Herrn Musk. Sondern darum, wie wir miteinander in unserem Land umgehen und auch deshalb in den Bedeutungsverlust deutscher Unternehmen steuern.“ Doch viele im Konzern werteten Kaesers Tweet – gelinde gesagt – als wenig glücklich. Im Umfeld des Vorstands wird aber betont, dass die Zusammenarbeit zwischen Kaeser und Busch gut laufe.

Auch über Snabes Zukunft wird geredet. Offen ist, ob er auch langfristig den Aufsichtsratsvorsitz von Siemens anstrebt. Im Umfeld des Konzerns wird über eine Absprache spekuliert, dass er den Platz für Kaeser räumt, wenn dieser spätestens Anfang 2023 aus seiner obligatorischen Abkühlphase zurückkehrt. Doch wird in Aufsichtsratskreisen betont, das könnten die zwei ohnehin nicht unter sich ausmachen. Die Zeiten der alten Deutschland AG seien vorbei, das hätten die Investoren zu entscheiden.

„Kaeser hat sich Verdienste um den Konzern gemacht“, sagt ein Kontrolleur. Die Grundidee, agilere Einheiten zu schaffen, sei in disruptiven Zeiten richtig. Doch würde es seiner Einschätzung nach Widerstand bei einigen Aufsichtsräten gegen einen Chefkontrolleur Kaeser geben. Bei der Erfinder-Show jedenfalls machte Snabe keinen Hehl daraus, dass ihm die Aufgabe gefällt. Er sei „superstolz, Teil des Siemens-Teams“ zu sein. Es sei sein Traum, den Konzern auf der weiteren Reise zu begleiten.

Doch zunächst einmal müssen er und die anderen Aufsichtsräte spätestens im Sommer entscheiden, wie es an der Spitze weitergeht.

Mehr: Siemens zeichnet seine besten Tüftler aus. Eine Erfindung für die Bahntechnik zeigt, wie wichtig es ist, dass verschiedene Bereiche zusammenarbeiten.

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