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Tekin Nasikkol Wie der Thyssen-Betriebsratschef die Belegschaft durch den Umbau bringen will

Nach der abgesagten Stahlfusion sollen bei Thyssen-Krupp 6000 Stellen wegfallen. Stahl-Gesamtbetriebsratschef Tekin Nasikkol ist in seinem Element.
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Schon vor zwei Jahren hatte der Arbeitnehmervertreter gegen die Stahlfusion protestiert. Quelle: dpa
Tekin Nasikkol

Schon vor zwei Jahren hatte der Arbeitnehmervertreter gegen die Stahlfusion protestiert.

(Foto: dpa)

EssenArbeitskämpfe sind für Tekin Nasikkol nichts Neues. Als das Management von Thyssen-Krupp vor fast zwei Jahren bekanntgab, seine Stahlsparte mit dem Rivalen Tata Steel Europe zu fusionieren, kampierte der Sohn türkischer Eltern, damals Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Ruhrkonzerns, gemeinsam mit den Kollegen vor Tor 1 des Duisburger Stahlwerks Hamborn – und protestierte mit ihnen.

Bis heute hat sich an der kritischen Haltung des Gesamtbetriebsratschefs der Thyssen-Krupp-Stahlsparte nichts geändert. „Das Joint Venture war kein Wunschkonzert der Arbeitnehmer“, erklärte der 51-Jährige nach dem Scheitern des Deals am Freitag. Doch dank umfangreicher Beschäftigungsgarantien, die bis 2026 laufen sollten, hatte sich die IG Metall am Ende überzeugen lassen. Diese Zusagen sind mit der geplatzten Fusion nun wieder vom Tisch.

Dass es nicht zu der Stahlfusion kommt, hat vor allem regulatorische Gründe: Am Freitag zogen sowohl Thyssen-Krupp als auch Tata ihren Fusionsantrag bei der EU-Wettbewerbskommission zurück. Die Zugeständnisse, die die Behörde forderte, hätten den Deal unwirtschaftlich gemacht, hieß es aus beiden Unternehmen. Gleichzeitig sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff auch die für dieses Jahr geplante Konzernteilung ab und kündigte einen Börsengang der Aufzugsparte an. Stahl bleibt damit auf lange Sicht das Kerngeschäft des Unternehmens.

Für Nasikkol beginnt damit auch wieder der Kampf um Arbeitsplätze, denn der Vorstand will in den kommenden drei Jahren insgesamt 6.000 Stellen abbauen. Davon sollen 2.000 allein auf die Stahlsparte entfallen, die zuletzt unter der schwachen Autokonjunktur zu leiden hatte.

„Wir fordern jetzt eine neue Zukunftsstrategie für Stahl“, gibt sich der Gewerkschafter kämpferisch. „Eine Diskussion über Restrukturierungen und Personalabbau, ohne dass es eine Zukunftsstrategie gibt, werden wir kategorisch und entschieden ablehnen.“

Mit Nasikkol hat Vorstandschef Kerkhoff bei der geplanten Restrukturierung des Stahlgeschäfts einen versierten Widerpart: Neben dem Job absolvierte der gelernte Schmelzschweißer, der seine Ausbildung vor mehr als 30 Jahren beim Vorgängerunternehmen Thyssen begann, ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, fuchste sich dabei in Themen wie Finanzierungs- und Investitionsrecht ein. Er hätte auch im Konzern eine große Karriere machen können, sagen andere über ihn.

Und doch zog es ihn zur IG Metall. Vor einem Jahr wurde er von der Belegschaft zum Gesamtbetriebsrat der Stahlsparte gewählt und vertritt seitdem die Interessen der rund 27.000 Arbeitnehmer des Bereichs. 2016 rückte er auch in den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp ein, den er allerdings Ende 2018 wieder verließ. Danach kümmerte er sich um den Aufbau der Arbeitnehmervertretung im geplanten Joint Venture.

Diese Aufgabe ist jetzt hinfällig. Doch dass der Gewerkschafter deshalb nun weniger kämpferisch agiert, ist nicht zu erwarten. Für Dienstag hat Nasikkol die anderen Betriebsräte der Stahlsparte zu einer Konferenz eingeladen, um über die jüngsten Veränderungen zu beraten. Noch am Wochenende hatte die IG Metall eine Grundsatzvereinbarung mit dem Vorstand geschlossen, in der die Gewerkschaft ihr grundsätzliches Einverständnis mit der neuen Strategie erklärt – inklusive des Stellenabbaus.

Dabei mussten die Arbeitnehmervertreter einen Tiefschlag verkraften: Betriebsbedingte Kündigungen seien als Ultima Ratio in Ausnahmefällen nicht ausgeschlossen, hatte Personalvorstand Oliver Burkhardt am Freitag angesichts des geplanten Umbaus erklärt.
Nasikkols Antwort kam prompt: Betriebsbedingte Kündigungen habe es bei den Stahlkochern von Thyssen-Krupp noch nie gegeben, konterte der Betriebsratschef. „Und das wird sich auch nicht ändern, solange die IG Metall hier was zu sagen hat.“ Nach der geplatzten Stahlfusion dürfte das noch lange der Fall sein.

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