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Tesla Extraschichten und Wutausbrüche – so trieb Elon Musk seine Mitarbeiter zum Produktionsziel

Mit einem Kraftakt hat der Tesla-Chef sein Produktionsziel für das wichtige Model 3 erreicht. Doch das Ergebnis überzeugt die Analysten nicht.
03.07.2018 - 14:48 Uhr Kommentieren
Tesla: Wie Elon Musk seine Mitarbeiter zum Produktionsziel trieb Quelle: dpa
Elon Musk

Was in der Autoindustrie oft mit jahrelangen Planungszeiten verbunden ist, stampfte der Tesla-Chef in kürzester Zeit aus dem Boden.

(Foto: dpa)

San Francisco Ein brüllender Chef, Überstunden bis zum Abwinken und ein riesiges Zelt auf einem Parkplatz als Arbeitsplatz: Angestellte des Elektroauto-Pioniers Tesla mussten in den letzten Wochen einiges in Kauf nehmen, um nach vielen Pannen das Ziel zu erreichen, in einer Woche 5000 Fahrzeuge des Hoffnungsträgers Model 3 zu produzieren.

Wochenendschichten waren dabei Pflicht: „Die Manager und Leiter gehen herum und sagen, 'wenn Du nicht kommst, wirst Du aufgeschrieben'“, berichtete ein Arbeiter von den Zuständen in der vergangenen Woche.

Nach einer Reihe verpasster Deadlines lagen die Nerven in den letzten Juni-Tagen bei Tesla-Chef Elon Musk offenbar besonders blank. Setzte die Fertigung wegen technischer Probleme einmal aus, habe Musk, der zum Teil sogar selbst in der Fabrik übernachtete, seine Ingenieure regelrecht angeschnauzt, sagte ein weiterer Arbeiter.

Was in der Autoindustrie oft mit jahrelangen Planungszeiten verbunden ist, stampfte Musk in kürzester Zeit aus dem Boden: In nur zwei Wochen errichtete der Konzern vor den Toren seiner Fabrik in Kalifornien eine neue Montagelinie in einem riesigen Zelt.

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    Jeder fünfte Model-3-Wagen lief in der letzten Woche dort vom Band. Arbeiter wurden von anderen Baureihen abgezogen, um die ursprünglich schon für Dezember 2017 angepeilte Marke beim Model 3 endlich zu erreichen.

    „Sie haben den ganzen Tag Leute aus unserem Bereich ausgeliehen, um ihre Auszeiten abzudecken und die Linie am Laufen zu halten“, sagte ein Arbeiter aus der Model-S-Fertigung. Auch bei der Lackierung hätten teurere Model-S-Wagen zuletzt hinten anstehen und Model-3-Fahrzeugen den Vortritt lassen müssen. „Die Lackierabteilung konnte die Menge nicht mehr bewältigen.“

    Experten bleiben enttäuscht

    Konsequenzen blieben nicht aus: Zwar verließ am Sonntag um 5 Uhr morgens nur wenige Stunden nach Ende des zweiten Quartals der 5000. Model-3-Wagen binnen sieben Tagen die letzte Qualitätskontrolle, doch die Zahl der von Tesla insgesamt ausgelieferten Fahrzeuge blieb mit 40.740 im zweiten Quartal recht deutlich hinter den Erwartungen zurück. Im Schnitt hatten Experten mit 49.000 produzierten Fahrzeugen gerechnet.

    Den Fließbandarbeitern blieb nicht viel Zeit zum Durchschnaufen, als in den frühen Morgenstunden die Zahl 5000 auf einem Bildschirm in der Produktionshalle aufleuchtete. Schon Ende nächsten Monats soll die wöchentliche Rate der Model-3-Baureihe auf 6000 Fahrzeuge nach oben geschraubt werden, kündigte Tesla am Montag an.

    Den Arbeitern sei gesagt worden, sie sollten erst aufhören, wenn das tägliche Produktionsziel erreicht sei – nicht, wenn ihre Schicht ende, sagte ein Angestellter am Montag. „Sie sagten: Seid ab morgen bereit, bis zu zwölf Stunden zu arbeiten“, fügte er hinzu. „Von jetzt an werden es grundsätzlich zwölf Stunden sein und ich habe das Gefühl, das wird sechs Tage die Woche gelten.“

    Analysten beunruhigt über „das Zelt“

    Zwar schrieb der Chef in einer E-Mail an seine Belegschaft, „ich denke, wir sind jetzt ein echtes Autounternehmen geworden“. Doch Analysten sind wenig überzeugt von der Nachhaltigkeit des Erfolgs. Die Rate von wöchentlich 5000 könne kurzfristig kaum beibehalten werden, befürchten etwa die Experten von Evercore ISI.

    „Tesla hat das Potenzial, eine Billion Dollar wert zu sein“
    „Ich sehe für Tesla das Potenzial, binnen zehn Jahren eine Billion Dollar wert zu sein“
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    Elon Musk hat im Januar 2018 seinen Vertrag bei Tesla für weitere zehn Jahre verlängert - und wird dafür nur bezahlt, wenn er eine Serie ambitionierter Aufgaben erreicht. So wurden für den Börsenwert zwölf Zielmarken in Schritten von 50 Milliarden Dollar gesetzt. Diese zu erreichen ist laut Musk aber kein Problem.

    (Foto: Reuters)
    „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in der ursprünglichen Realität leben, ist eins zu einer Milliarde.“
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    Ist das, was wir sehen, wirklich real? Könnten wir vielleicht bereits in einer computergenerierten Traumwelt leben? Musk glaubt: Das ist ganz wahrscheinlich.

    (Foto: Reuters)
    „Eine Firma aufzubauen ist wie Kuchen backen. Man braucht von allen Zutaten genau die richtige Menge.“
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    Musk über das Gründen und Führen eines Unternehmens.

    (Foto: Reuters)
    „Menschen arbeiten besser, wenn sie wissen für welches Ziel und warum. Es ist wichtig, dass die Leute sich darauf freuen, morgens in die Arbeit zu kommen, und ihnen das Arbeiten Spaß macht.“
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    Die Zufriedenheit der Mitarbeiter hat für Musk eine entscheidende Wichtigkeit.

    (Foto: AP)
    „Apple ist Teslas Friedhof. Wenn Du es bei Tesla nicht schaffst, arbeite halt bei Apple.“
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    In einem Interview mit dem Handelsblatt äußert sich Musk zu den Abgängen von Tesla-Ingenieuren zu Apple alles andere als bescheiden.

    (Foto: Reuters)
    „Es ist okay, alle seine Eier in einem einzigen Korb aufzubewahren, solange man aufpasst, was mit dem Korb passiert.“
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    Auch zum Thema Risiko hat Musk eine klare Meinung.

    (Foto: dpa)
    „Unternehmer zu sein ist wie Glas zu essen und in den Abgrund des Todes zu starren.“
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    Musk antwortet auf die Frage, was es für ihn bedeutet, Gründer zu sein, unter anderem mit einer „Weisheit“, die er von einem Freund erhalten habe.

    (Foto: Reuters)

    Zudem beunruhigt sie die Fertigung „im Zelt“. So eine Anlage sei eher beim Start in einem Schwellenland oder in Krisenzeiten zu erwarten. „Den wenigen Fotos, die es gibt, nach zu urteilen, sieht die Produktion nicht nach dem Neuesten vom Neuesten aus, weder modern noch unserer Meinung nach effizient.“ Das entspräche so gar nicht dem Anspruch von Tesla, ein fortschrittliches Technologie-Unternehmen zu sein.

    • rtr
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