Tesla kauft Grohmann Engineering Kampfansage vom Elektroauto-Pionier

Tesla macht den deutschen Autoherstellern Konkurrenz – mit deutscher Ingenieurskunst. Der Kauf des Anlagenbauers Grohmann treibt die Expansion voran. Das ist auch nötig: Die Pläne bis 2020 sind äußerst ambitioniert.
Update: 08.11.2016 - 16:57 Uhr
Der Elektroauto-Hersteller kauft einen deutschen Anlagenbauer. Quelle: AP
Tesla

Der Elektroauto-Hersteller kauft einen deutschen Anlagenbauer.

(Foto: AP)

PrümDer Elektroauto-Pionier Tesla treibt den Ausbau seiner Produktion mit Hilfe deutscher Technologie voran. Tesla übernehme den rheinland-pfälzischen Anlagenbauer Grohmann und lege damit den Grundstein für ein automatisiertes Fertigungszentrum in Deutschland, teilte der US-Konzern am Dienstag mit. Grohmann entwickelt, produziert und vertreibt Anlagen für die automatisierte Fertigung unter anderem in der Halbleiter-, der Elektronik- und der Automobilindustrie. Das Unternehmen setzte im vergangenen Jahr mit 790 Mitarbeitern 123 Millionen Euro um.

Am Grohmann-Sitz in Prüm und an weiteren neuen Standorten in Deutschland sollten im Lauf der kommenden zwei Jahre mehr als 1000 Stellen geschaffen werden, kündigte Tesla an. Zu Details der Übernahme äußerte sich die kalifornische Firma nicht. Auch blieb zunächst unklar, ob Grohmann seine bisherigen Kunden weiter beliefern wird, zu denen BMW und Daimler gehören.

Neue Bilder von Teslas Megabaustelle
Baustelle in der Wüste
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Bei Teslas Gigafactory in der Wüste Nevadas geht der Bau zügig voran. Anfang Januar nahm der Elektroautobauer zusammen mit dem Kooperationspartner Panasonic in Teilen der Fabrik die Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen auf. Diese Zellen eines neuen Typs sollen zunächst nur in den Powerwall-Heimspeichern verwendet werden. Die Batterieproduktion für das kommende Elektroauto Model 3 soll in den kommenden Monaten starten. (Stand: Januar 2017)

Foto: Tesla

Deutlicher Baufortschritt
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Die im Januar veröffentlichten Luftbilder zeigen den Baufortschritt deutlich. In einigen der errichteten Gebäude wird schon gearbeitet, in anderen die Produktion vorbereitet. Auch der Bau der Gebäude selbst wird noch weitergehen.

(Foto: Tesla)

Die Baustelle vor einem Jahr
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Zum Vergleich: So sah es vor einem Jahr in der Wüste bei Reno aus. Damals stand nur ein kleiner Teil der heutigen Anlagen.

Baustelle Gigafactory im Juli 2016
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Im Juli 2016 hatte Tesla zur offiziellen Eröffnung erstmals Presse-Fotografen auf das Gelände gelassen. Die Gigafactory wird nach Fertigstellung zu den größten Produktionsstätten weltweit gehören.

Eröffnungsfeier vor der Fertigstellung
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Im Juli waren erst 14 Prozent der Anlage in Betrieb. Dennoch hatte Tesla-Gründer Elon Musk Ende Juli zur Eröffnungsfeier geladen – einige Tage vorher durften sich bereits Journalisten und Fotografen auf dem Fabrikgelände umsehen. Voll in Betrieb soll die Anlage erst 2018 sein. Bis dahin wird an allen Ecken und Enden gebaut.

Vom Nischen- zum Massenhersteller
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Auch wenn es noch nicht so aussieht: Diese Halle ist einer der Grundpfeiler der Strategie von Elon Musk, mit der er Tesla von einem Nischen- zu einem Massenhersteller machen und ganz nebenbei dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen will.

Eigene Batterien sind unerlässlich
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Die eigenen Batterien sind unerlässlich, wenn Tesla mit dem Model 3 (im Bild ein ausgestellter Prototyp) in diesem Jahr die Massen mobilisieren soll. Zum einen, weil momentan gar nicht genügen Akkus für die angepeilten Stückzahlen des Model 3 zugekauft werden könnten. Zum anderen, weil sie schlichtweg zu teuer wären. Der angekündigte Preis von 35.000 Dollar für den Wagen wäre nicht zu halten.

Knapp 75 Prozent am Unternehmen gehörten bisher Unternehmensgründer Klaus Grohmann. Der börsennotierte Finanzinvestor Deutsche Beteiligungs-AG (DBAG) hielt nach eigenen Angaben 25,1 Prozent. Sie war bereits 1987 als Wachstumskapitalgeber eingestiegen.

Für Autoprofessor Stefan Bratzel, Leiter der Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach, ist die Übernahme ein ungewöhnlicher Schritt. „Das zeigt, dass Tesla unter enormem Druck steht, die Produktion auf ein entsprechendes Volumen zu bringen“, sagt er. Denn bis 2018 wollen die Kalifornier ihre Produktion von Elektroautos auf 500.000 Fahrzeuge im Jahr steigern. 2020 sollen es schon eine Millionen sein. Eine Herausforderung für das Unternehmen, das seine hochpreisigen Elektroautos bislang noch in vergleichsweise kleinen Stückzahlen baut. Im laufenden Jahr peilen die Amerikaner noch zwischen 80.000 und 90.000 Fahrzeuge an. Doch erst kürzlich legte die kalifornische Firma den Grundstein für eine fünf Milliarden Dollar teure Batteriefabrik im US-Bundesstaat Nevada.

Bei der Auswahl seiner Zulieferer setzt Elon Musk heute schon bevorzugt auf deutsche Zulieferer. Er schätzt das Know-how der ansässigen Ingenieure. Mit dem Wissen der deutschen Automatisierungsexperten von Grohmann soll allerdings kein neues Auto entwickelt werden, sondern die Fabrik der Zukunft. Auch hier will Tesla mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Tempo an den Tag legen als die angestammte Konkurrenz.

Tesla setzt verstärkt auf Automatisierung. Das Unternehmen spricht in diesem Zusammenhang von einer „Maschine, die Maschinen baut“. Dadurch sollen die Kosten sinken und Elektroautos für eine größere Zahl von Kunden erschwinglich werden. Dank Rekordauslieferungen schrieb das Unternehmen im abgelaufenen Quartal erstmals seit mehr als drei Jahren einen Gewinn. Ende nächsten Jahres soll das günstigere neue Modell 3 an den Start gehen. Dafür gibt es bereits rund 400.000 Vorbestellungen.

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