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Thomas Zernechel Frittenfett statt Diesel: VW setzt beim Autotransport auf saubere Energie

Der Volkswagen-Konzern soll klimaneutral werden – das betrifft auch die internen Abläufe. Logistik-Chef Zernechel stellt die VW-Schiffe deshalb auf Pflanzenöle um.
26.11.2020 - 12:58 Uhr 1 Kommentar
Der Leiter der VW-Konzernlogistik ist in Sachen Klimaneutralität schon recht weit gekommen. Quelle: Volkswagen AG
Thomas Zernechel

Der Leiter der VW-Konzernlogistik ist in Sachen Klimaneutralität schon recht weit gekommen.

(Foto: Volkswagen AG)

Wolfsburg Alles bei Volkswagen soll grüner und umweltfreundlicher werden. Dabei darf auch gebrauchtes Frittenfett helfen, am besten gleich tonnenweise. Thomas Zernechel hat sich in den zurückliegenden Monaten darum gekümmert, dass alte Fette aus der Gastronomie tatsächlich in großen Mengen im VW-Konzern zum Einsatz kommen können. Nämlich in den von Volkswagen gecharterten Frachtern, die jährlich Millionen neuer Autos über die Meere transportieren.

Zernechel leitet seit 16 Jahren am VW-Sitz in Wolfsburg die Konzernlogistik, die einerseits für den Transport von Neuwagen verantwortlich ist, zugleich aber auch den Fluss sämtlicher bei den Zulieferern eingekauften Bauteile überwacht. Die Konzernlogistik ist ein eigenes kleines mittelständisches Unternehmen im Konzern mit 800 Mitarbeitern und Milliardenumsatz.

Für den gesamten Volkswagen-Konzern hat Vorstandschef Herbert Diess die Devise ausgegeben, dass die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens bis zum Jahr 2050 erreicht werden sollen. Dann darf es überall im Konzern keine Kohlendioxidemissionen mehr geben – und eben auch in der hauseigenen Logistik nicht mehr.

2,5 Millionen Neuwagen transportieren die Volkswagen-Schiffe in jedem Jahr. Besonders wichtig ist dafür der Hafen im ostfriesischen Emden, gleich neben einem VW-Werk, von wo aus der Wolfsburger Konzern einen Großteil seiner Schiffslogistik steuert. Schiffe gelten bislang als nicht besonders umweltfreundlich, weil die Schiffsdiesel in großem Stil Kohlendioxid und andere Schadstoffe an die Atmosphäre abgeben.

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    In der VW-Konzernlogistik ist jetzt vornehmlich von Pflanzenölen die Rede. „Wir sind der erste Automobilhersteller, der diesen Treibstoff für den Transport seiner Fahrzeuge großflächig zum Einsatz bringt“, erzählt – mit ein wenig Stolz – Logistik-Chef Zernechel. Die Kohlendioxidemissionen herkömmlicher Schiffsdiesel ließen sich damit um gut 80 Prozent senken.

    Der erste mit Pflanzenölen angetriebene Autofrachter ist in Emden bereits ausgelaufen. Auf dieser besonderen Jungfernfahrt sind 3500 Autos von verschiedenen Konzernmarken transportiert worden.

    Volkswagen hat für den Europaverkehr dauerhaft zwei Charterschiffe im Einsatz. Sie fahren rund 50-mal pro Jahr auf dem Rundkurs zwischen Emden, Dublin, Santander in Nordspanien und Setubal in Portugal und wieder zurück nach Emden. Dabei befördern sie jährlich rund 250.000 Neufahrzeuge.

    Durch den Einsatz des neuen umweltfreundlichen Kraftstoffes sollen die jährlichen Kohlendioxidemissionen von 60.000 auf etwa 9000 Tonnen gedrückt werden. Die Schiffsmotoren müssen dafür nicht technisch umgerüstet werden.

    Fette aus der Lebensmittelindustrie

    Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Schließung von Restaurants und anderen gastronomischen Betrieben hat die Frittenfett-Pläne von Volkswagen nicht gestoppt. Die gebrauchten Pflanzenfette kämen zu großen Teilen auch aus der Lebensmittelindustrie, wo es kaum Corona-bedingte Einschränkungen gegeben habe, so Thomas Zernechel.

    Pflanzenfette im Transportbereich bekommen nicht nur bei VW wachsende Bedeutung. „Die langfristigen Perspektiven dieses Geschäfts sind extrem positiv“, sagt Luke Watts vom Brokerhaus SCB, das sich auf den Einsatz klimaneutraler Rohstoffe spezialisiert hat. Gerade in Europa würden künftig verstärkt Kraftstoffe aus biologischen Abfällen verwendet.

    Für den 61-jährigen Logistik-Routinier Zernechel ist das nicht das erste Mal, dass er sich um den Einsatz von umwelt- und klimafreundlichen Schiffsantrieben kümmert. Die VW-Konzernlogistik betreibt auch zwei Schiffe, die mit Flüssiggas (LNG) angetrieben werden. „Ein Schiff ist damit schon unterwegs, ein zweites kommt bald dazu“, berichtet Zernechel. Der Ausstoß von CO2 sinkt damit nicht ganz so stark wie bei Pflanzenölen, nämlich um etwa 25 Prozent.

    Für ihn sind die Schiffstransporte nicht die einzige Baustelle, an der er sich um die Minimierung der Kohlendioxidemissionen kümmern muss. 1,8 Millionen Tonnen CO2 fallen jährlich im gesamten Transportwesen des Volkswagen-Konzerns an. Ungefähr 40 Prozent entfallen auf die Schiffe, 50 Prozent auf den Lkw-Verkehr und der Rest auf die Eisenbahn.

    Im Zugverkehr ist Zernechel in Sachen Klimaneutralität schon recht weit gekommen. Im nächsten Jahr sollen die von VW in Deutschland verwendeten Züge zu 100 Prozent mit grünem Strom unterwegs sein. Volkswagen will die Zahl der Lkw-Transporte dauerhaft reduzieren und mehr Züge einsetzen. Bis 2022 soll der Bahn-Anteil bei Fahrzeugtransporten von aktuell 53 auf 60 Prozent steigen.

    Thomas Zernechel hat sich dafür entschieden, dass er die weitere Umsetzung der Klimapläne nicht weiter aktiv bei VW mitgestalten will. Nach vier Jahrzehnten im Konzern hört er auf und übergibt seinen Posten zum Jahreswechsel an Simon Motter, 48, der aus der Audi-Logistik kommt. Mit Frittenfett will Zernechel in seiner neu gewonnenen Freizeit nichts zu tun haben: „Ich grille lieber.“

    Mehr: VW-Chef Diess verspricht schnellen Ausbau der Elektromobilität.

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    1 Kommentar zu "Thomas Zernechel: Frittenfett statt Diesel: VW setzt beim Autotransport auf saubere Energie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was für ein Schwachsinn. Da werden riesige landwirtschaftliche Flächen für eine Insekten vernichtende Monokultur geopfert und dann wird anschließend über die Konsequenzen gejammert. Cornona ist nicht die einzige Pandemie in diesem Land.

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