Thyssen-Betriebsrat Arbeitnehmer sollen nicht die Zeche für Fusion mit Tata zahlen

Den Arbeitnehmervertretern von Thyssen-Krupp ist die Fusion der Stahlsparte mit dem britischen Konkurrenten Tata ein Dorn im Auge. Der Betriebsrat befürchtet Standortnachteile – zugunsten der Briten.
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Der Betriebsrat von Thyssen-Krupp sieht einen Zusammenschluss mit den britischen Tata-Werken kritisch. Diese kämpfen seit Jahren mit strukturellen Problemen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp

Der Betriebsrat von Thyssen-Krupp sieht einen Zusammenschluss mit den britischen Tata-Werken kritisch. Diese kämpfen seit Jahren mit strukturellen Problemen.

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DüsseldorfDie Arbeitnehmervertreter von Thyssen-Krupp haben sich gegen einseitige Zugeständnisse an Tata Steel für eine Fusion der Stahlgeschäfte ausgesprochen. „Wir werden nicht hinnehmen, dass in einer Konsolidierung nun unsere Standorte gefährdet werden. Allein der Versuch würde unsere massive Gegenwehr auslösen“, sagte Konzernbetriebsrat Wilhelm Segerath am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Mit einer Übernahme der verlustreichen britischen Tata Werke ergebe ein Zusammenschluss erst recht keinen Sinn. „Die Standorte haben seit Jahren mit enormen strukturellen Problemen zu kämpfen.“

Segerath bezog sich auf die Bemühungen des Tata-Managements, mit den britischen Gewerkschaften eine Lösung für die hohen Pensionslasten und das größte Werk Port Talbot zu finden. Diese gelten als wesentliche Hindernisse für einen Zusammenschluss. Das Management hat vorgeschlagen, den bisherigen Pensionsfonds zu schließen und durch ein neues Modell zu ersetzen. Im Gegenzug wird zugesagt, die beiden Hochöfen in Port Talbot mindestens fünf Jahre weiter laufen zu lassen. Die Gewerkschaften müssen über die Pläne noch abstimmen.

„Das Weltwunder von Rottweil“
Lösungen für Megacitys
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Bis ins Jahr 2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Gebäude schießen deshalb in die Höhe. Anders ist der steigende Platzbedarf in den Megacitys der Welt gar nicht zu bewältigen. Nach einem Bericht des McKinsey Global Institute steigt die Geschossfläche von Gebäuden dadurch allein bis 2025 um schätzungsweise 85 Prozent. Die Menschen möglichst effizient von A nach B zu bringen, ist eine bauliche Herausforderung. Die Lösungen dazu entstehen ab 2016 in Rottweil – im Testturm von Thyssen-Krupp.

Wachablösung nach 700 Jahren
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Unmittelbare Auswirkungen hat das für den Kapellenturm in Rottweil. Das mittelalterliche Bauwerk entzückt schon seit Jahrhunderten kulturhistorischer Besucher in der ältesten Stadt Baden-Württembergs – zudem war der 70 Meter hohe gotische Kirchturm gut 700 Jahre lang das höchste Gebäude der Stadt. Doch diesen Rekord ist er los.

Der Testturm überragt alles
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Die Ausnahmestellung ist dahin, weil Thyssen-Krupp in einem Industriegebiet am Rande der Stadt einen 246 Meter hohen Testturm gebaut hat, der alles überragt.

40 Millionen für den Testturm
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In dem Riesenzylinder will der Industriekonzern seine modernsten Aufzüge testen, um damit im Konkurrenzkampf mit Otis, Schindler oder Kone punkten. 40 Millionen Euro hat Thyssen-Krupp in den Bau seines derzeit größten Testturms rund 90 Kilometer südlich von Stuttgart investiert. Am Montag, 12. Dezember, nahm das Unternehmen offiziell den Forschungsbetrieb auf

Thyssens Ertragsperle
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Der Essener Traditionskonzern gehört zu den großen Aufzugsherstellern der Welt: Rund 7,2 Milliarden Euro setzte die Sparte zuletzt um und ist mit einer Marge in zweistelliger Höhe die Ertragsperle des Konzerns. Sie steuerte mit einem operativen Ergebnis von 860 Millionen Euro zuletzt mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Bis spätestens 2020 soll die Sparte die Marke von einer Milliarden Euro knacken.

Neun Aufzugsschächte für Tests
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In Rottweil kann Thyssen Krupp seine Aufzüge unter ganz realen Bedingungen überprüfen. Zwölf Schächte sind in dem Testturm eingebaut, davon werden neun für die Tests mit Aufzügen benutzt, deren Höchstgeschwindigkeit 64,8 Kilometer pro Stunde beträgt. Herzstück des Rundturms ist ein aktiver Schwingungstilger – ein 240 Tonnen schwerer Betonblock, der an vier Doppelseilen in 190 Metern Höhe hängt. Dieser Block soll die vom Wind ausgelösten Schwingungen ausgleichen. Gleichzeitig kann er über Motoren aber so aktiviert werden, dass er das Gebäude selbst in Schwingungen versetzt. „Damit können wir das Verhalten eines jeden Gebäudes simulieren, bevor es gebaut wird“, sagte Andreas Schierenbeck, Chef von Thyssen-Krupp Elevator

Aufzüge mit elektromagnetischem Antrieb
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Gleich drei Schächte sind für den „Multi“ reserviert. Bei dem neuen Aufzugskonzept wird auf ein Seil verzichtet, stattdessen bewegt sich der Multi dank eines elektromagnetischen Antriebs. Entlehnt ist das Prinzip aus dem Transrapid, den Thyssen-Krupp zusammen mit Siemens entwickelt hat. Angetrieben von eigenen Motoren können gleich mehrere Kabinen in einem Schacht computergesteuert auf- und abfahren. Der Aufzug fährt nicht nur vertikal sondern kann sich auch seitwärts über mehrere Schächte hinweg bewegen oder Gebäude miteinander verbinden. Bis zu 50 Prozent weniger Fläche erhofft sich Schierenbeck — bei deutlich höheren Kapazitäten.

„Wenn die fünf Jahre bekommen, wollen wir mindestens zehn Jahre“, sagte Thyssen-Krupp-Betriebsrat Segerath, der auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. Port Talbot solle nun offenbar langfristig abgesichert werden und es gebe Zusagen für signifikante Investitionen. „Das ist gut für die Beschäftigten, pulverisiert aber jede strategische Logik eines möglichen Zusammenschlusses.“ Die britischen Tata-Werke kämpften seit Jahren mit enormen strukturellen Problemen. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger will mit einer Fusion dem Problem der Überkapazitäten im Stahlbereich begegnen. Segerath betonte indes, er sehe in einem Zusammenschluss keine ausreichende strategische Logik. „Zudem ist die kulturelle Kompatibilität eines solchen Mergers zumindest zweifelhaft. Eine störungsfreie Zusammenarbeit wäre aber essentiell, um die Herausforderungen zu bewältigen, die mit einem solchen Zusammenschluss verbunden wären.“

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