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Thyssen-Krupp Aufsichtsrat berät über neuen Kurs – Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und Ministerpräsident

Nach der Absage des Joint-Ventures mit Tata Steel muss Thyssen-Krupp eine neue Richtung einschlagen – der Konzern berät mit Arbeitnehmervertretern und Aufsichtsrat.
Update: 11.05.2019 - 17:42 Uhr Kommentieren
Der Stahlkonzern will 6.000 von 160.000 Stellen streichen, davon allein 4.000 in Deutschland. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Der Stahlkonzern will 6.000 von 160.000 Stellen streichen, davon allein 4.000 in Deutschland.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Essen Zu den neuen Umbauplänen und dem umfangreicheren Abbau von nunmehr 6000 Arbeitsplätzen sind bei Thyssenkrupp Gespräche zwischen dem Management und den Arbeitnehmervertretern geplant. Wie aus Kreisen von verschiedenen Seiten am Samstag verlautete, geht es zunächst um einen Rahmen und Fahrplan, wie und wann die Gespräche geführt werden. Die Arbeitnehmervertreter wollen dem Vernehmen nach erreichen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

Der Thyssenkrupp-Vorstand hat nach Gegenwind aus der EU-Kommission die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata abgesagt. Auch die geplante Aufspaltung von Thyssenkrupp in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter werde nicht weiter verfolgt, teilte Vorstandschef Guido Kerkhoff am Freitag mit. Der Konzern bleibe als Ganzes erhalten. Jedoch sollen in den kommenden drei Jahren 6000 Stellen gestrichen werden, 4000 mehr als bisher geplant. Entlassungen schließt er dabei nicht aus.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) traf am Samstagnachmittag in der Essener Konzernzentrale ein, um mit dem Vorstandsvorsitzenden Guido Kerkhoff und dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzen Markus Grolms von der IG Metall zu sprechen. „Für mich hat sich hier wieder gezeigt, die Mitbestimmung funktioniert“, sagte Laschet nach dem Treffen. Die Arbeitnehmervertreter würden an jedem jetzt anstehenden Schritt beteiligt.

Um neues Geld in die Kasse zu bekommen, will Kerkhoff die profitable Aufzugssparte an die Börse bringen. Dem Vernehmen wird in Kreisen der Arbeitnehmerseite ein möglicher Börsengang der Aufzugssparte nicht grundsätzlich abgelehnt. Dies könnte ein Weg sein, eine komplette Zerschlagung des Konzerns zu verhindern. Wichtig wäre deshalb, dass das Kapital aus einem möglichen Börsengang im Konzern bleibe, in die Zukunftsfähigkeit investiert werde und nicht ausgeschüttet werde.

Für die rund 27.000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp beim Stahl ist das Veto der EU-Kommission nach Kerkhoffs Worten „ein harter Schlag“. Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht.

Dieser Tarifvertrag, der nur für den Fall einer Fusion gelte, werde jetzt nicht in Kraft treten, hatte Personalvorstand Oliver Burkhard am Freitag erläutert. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bei einem Abbauprogramm dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen werden. Von den 6000 Stellen sollen 4000 in Deutschland abgebaut werden.

Unmittelbar nach der aufgegebenen Stahlfusion und der abgeblasenen Konzernaufspaltung berät Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff dem Vernehmen nach die neuen Pläne mit wichtigen Aufsichtsräten. Laut Kreisen wollte sich der Strategie- und Investitionsausschuss des Aufsichtsrates an diesem Samstag mit dem neuen Kurs beschäftigen.

Bei dem Managertreffen dürfte es darum gehen, dass der Ausschuss die Annahme der Vorstandspläne empfiehlt. Kerkhoff hatte bereits am Freitag deutlich gemacht, dass er den Aufsichtsrat, in dem die Krupp-Stiftung und der schwedische Investor Cevian die größten Aktienpakete vertreten, auf seiner Seite sieht. Cevian-Co-Chef Lars Förberg forderte, es sei eine fundamentale Neuausrichtung notwendig.

Zu den Aufgaben des Ausschusses gehört laut der Geschäftsordnung, grundlegende Änderungen der Konzernorganisation mit dem Vorstand zu erörtern und hierzu Beschlussvorschläge an den Aufsichtsrat vorzubereiten. Martina Merz ist sowohl Vorsitzende des Aufsichtsrats als auch Vorsitzende des Strategie- und Investitionsausschusses.

  • rtr
  • dpa
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