Thyssen-Krupp Betriebsrat hält Stahlfusion für unnötig

Der Betriebsrat von Thyssen-Krupp rechnet für das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem guten Stahl-Ergebnis. Die geplante Fusion mit Tata Steel sei daher überflüssig, argumentieren die Arbeitnehmer.
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Der Thyssen-Krupp-Betriebsrat hält die Stahlfusion für unnötig Quelle: dpa
Ein Arbeiter entnimmt an einer Öffnung eines Hochofens eine Stahlprobe

Gegen Ende November möchte der Konzern seine Bilanz vorlegen. Man geht von einem sehr guten Ergebnis aus, welches hoher sein soll, als das operative Ergebnis des Vorjahres.

(Foto: dpa)

DuisburgDer Betriebsrat der Stahlsparte von Thyssen-Krupp rechnet für das abgelaufene Geschäftsjahr mit steigenden Gewinnen des Bereichs und sieht auch daher keinen Grund für eine Fusion mit Tata Steel. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr ein sehr gutes Ergebnis haben“, sagte Stahlbetriebsratschef Günter Back am Mittwoch vor Journalisten in Duisburg. Das operative Ergebnis werde wohl höher ausfallen als im Vorjahr, als die Sparte einen operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) von 315 Millionen Euro eingefahren hatte. Das Geschäftsjahr 2016/17 war Ende September zu Ende gegangen. Die Bilanz will der Konzern Ende November vorlegen.

Nach neun Monaten hatte die Stahlsparte bereits operativ 352 Millionen Euro verdient – 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Wir gehören zu den besten Stahlunternehmen“, betonte Back. Er warf dem Vorstand vor, die Stahlsparte als Sanierungsfall darzustellen, um damit die geplante Fusion mit Tata zu begründen. Das Gegenteil sei der Fall. „Die Geschäftsentwicklung des Stahls kann nicht der Grund für die Fusion sein.“

Nach dem ersten Treffen der Arbeitsgruppe aus Arbeitnehmervertretern und dem Vorstand zum Streit um die Pläne am vergangenen Freitag hätten sich seine Zweifel noch verstärkt. Die Prüfung der Bücher habe noch gar nicht begonnen. Dies sei erst ab Mitte November geplant. Das Management scheine aber bereits festgelegt. „Der Vorstand setzt sehr auf eine Karte.“

Bedenklich sei unter anderem, dass auf das geplante Joint Venture Schulden von insgesamt 6,5 Milliarden Euro abgewälzt werden sollen. „Der Überschuldungsgrad ist immens hoch.“ Außerdem sei zu befürchten, dass nach 2020 – wenn bei Thyssen-Krupp der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ausläuft – zahlreiche Jobs gestrichen werden. „Dazu herrscht eine große Unruhe in der Belegschaft.“

Die Stahlkocher laufen seit Monaten Sturm gegen die Pläne von Konzernchef Heinrich Hiesinger. Dieser will mit dem Zusammenschluss den zweitgrößten Stahlkocher Europas nach ArcelorMittal schmieden.

Thyssen-Krupp will darüber Anfang 2018 entscheiden und bis dahin die Arbeitnehmervertreter ins Boot holen. „Der Zeitplan ist extrem anspruchsvoll“, sagte Back. Die Arbeitnehmervertreter behielten sich eine Ablehnung der Pläne vor. „Die Risiken sind deutlich größer als die Chancen.“ Sie wollen die Angaben zu dem Joint Venture von unabhängigen Gutachtern überprüfen lassen, darunter von Experten der Investmentbank Macquarie.

  • rtr
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