Thyssen-Krupp Hiesinger im Glück

Durchatmen bei Thyssen-Krupp: Der Industrieriese hat erstmals seit drei Jahren wieder ein schwarzes Jahresergebnis erzielt. Es ist ein Befreiungsschlag für Konzernchef Hiesinger, denn seine Bilanz ist bisher tiefrot.
Update: 20.11.2014 - 10:41 Uhr 1 Kommentar

"Jetzt schlagen wir wieder eine Dividende vor!"

EssenDer Industriekonzern Thyssen-Krupp schreibt nach jahrelanger Krise erstmals wieder schwarze Zahlen und will eine Dividende zahlen. Die Anleger sollen für das Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende September) elf Cent je Aktie erhalten, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Damit hatten viele Analysten nicht gerechnet. Nach drei Verlustjahren in Folge fuhr der Konzern einen Nettogewinn von 210 Millionen Euro ein nach einem Fehlbetrag von über 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) konnte Thyssen-Krupp mit 1,3 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. An der Börse kamen die Zahlen gut an: Im frühen Handel bei Lang & Schwarz stiegen die Aktien des Konzerns um gut fünf Prozent.

Die ThyssenKrupp -Anleger reagierten erfreut auf die schwarzen Zahlen des Stahlkonzerns. Die Aktien kletterten am Donnerstag in der Spitze um 3,3 Prozent auf 20,39 Euro, den höchsten Stand seit mehr als sieben Wochen. Sie waren damit Spitzenreiter im Dax. Vor allem die Aussicht auf eine Dividende seien positive Nachrichten, sagte ein Händler.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger, dessen Vertrag am Vortag bis 2020 verlängert wurde, will im laufenden Geschäftsjahr die Ergebnisse weiter steigern. Der Überschuss solle deutlich verbessert werden und das bereinigte Ebit mindestens auf 1,5 Milliarden Euro klettern. Perspektivisch peile ThyssenKrupp ein Ebit von mindestens zwei Milliarden Euro an. Einen Zeitraum dafür nannte Hiesinger aber nicht.

Die letzte Dividende hatte Thyssen-Krupp für das Geschäftsjahr 2010/11 gezahlt. Damals gab es 45 Cent je Aktie. Über die jetzige Gewinnausschüttung dürfte sich auch die Krupp-Stiftung freuen, deren wichtigste Einnahmequelle die Dividenden aus der 23-prozentigen Beteiligung sind. Zu den Anteilseignern zählt auch der Finanzinvestor Cevian, der mit gut 15 Prozent neuer Großaktionär ist. Cevian kündigte an, seinen Deutschland-Chef Jens Tischendorf Anfang 2015 in den Aufsichtsrat schicken zu wollen.

„Das Geschäftsjahr 2013/14 markiert einen Meilenstein in unserer Ergebnisentwicklung“, sagte der ThyssenKrupp-Chef. Der Konzern komme voran, er wolle aber nicht nachlassen und die Ergebnisse weiter verbessern. Die Nettofinanzschulden konnte er binnen eines Jahres um rund 1,5 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro verringern. Hiesinger schraubte das bis September 2015 geplante Einsparziel um 200 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro nach oben. Er wolle Thyssen-Krupp weiter zu einem breit aufgestellten und profitablen Industriekonzern umbauen. „Die Summe der Konzernteile schafft mehr Wert, als jeder einzelne Geschäftsbereich es jemals alleine könnte.“

Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsräte
huGO-BildID: 29124707 Der Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrates, Prof. Dr. Berthold BEITZ, links, und der Vorstandsvorsitzende CEO Dr. Ekkehard SCHULZ,
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Platz 15 – Ekkehard Schulz

Als der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef als Aufseher beim Industriekonzern abtrat, schien sein Stern zu sinken. Doch Schulz, hier rechts im Bild mit dem verstorbenen Thyssen-Krupp-Patriarchen Berthold Beitz, ist in der neuen Studie der Universität Göttingen für das Handelsblatt wieder auf dem Vormarsch. Der Manager macht zwei Plätze gut und schafft es damit in die Top 15. Schulz sitzt bei Bayer, MAN und RWE im Aufsichtsrat. Er kommt auf 158 Punkte.

Für die Studie haben Michael Wolff, Professor für Management und Controlling in Göttingen, und sein Team die Geschäftsberichte von 160 im Dax, MDax, SDax und TecDax notierten Konzerne ausgewertet. Analysiert wurden dabei 1022 Mandate der Kapitalseite.
Jeder der 901 Aufsichtsräte wurde nach den drei Kriterien Reputation, Netzwerk und Status beurteilt. Maximal konnten jeweils 100 und insgesamt 300 Punkte erreicht werden. Die Studie berücksichtigt die Zahl der Mandate, die Bedeutung der Unternehmen, die Kontakte der Aufsichtsräte (Netzwerke) und ihren Status durch langjährige Tätigkeit oder intensive Ausschussarbeit.

Diekmann, CEO of insurer Allianz SE gestures before the company's annual shareholder meeting in Munich
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Platz 14 – Michael Diekmann

Der Allianz-Chef ist einer der Aufsteiger in der Rangliste der mächtigsten Aufsichtsräte. Diekmann ist Aufseher bei BASF, Linde und Siemens. Im Vergleich zum Vorjahr steigt der 60-Jährige um acht Plätze und kommt auf Platz 14. Mit 160 Punkten landet Diekmann zwei vor Schulz.

Ann-Kristin Achleitner
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Platz 13 – Ann-Kristin Achleitner

Verbessert hat sich auch die einzige Frau in den Top 15: Ann-Kristin Achleitner rückt um zwei Plätze vor auf Rang 13. Die Frau von Deutschen-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner sitzt bei Linde, Metro und Munich Re in den Aufsichtsgremien. In der Studie der Uni Göttingen sammelte sie 161 Punkte.

RWE Hauptversammlung
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Platz 12 – Manfred Schneider

Einst war Manfred Schneider Vorsitzender von drei Dax-Aufsichtsräten. Doch mittlerweile zieht er sich altersbedingt zurück. Mit Posten als Aufseher bei Linde und RWE reicht es für den 76-Jährigen trotzdem noch für den zwölften Platz in der Rangliste mit 166 Punkten.

Perlet, chairman of the Supervisory board of Europe's biggest insurer Allianz SE arrives for the company's annual shareholder meeting in Munich
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Platz 11 – Helmut Perlet

Versicherung, Bank und Anlagenbauer – Helmut Perlet ist quer durch verschiedene Branchen als Aufseher gefragt. Aktuell hat er ein Aufsichtsratsmandat bei der Allianz, bei der Commerzbank und bei Gea. Mit 167 Punkten in der Studie reicht das nicht mehr für die Top Ten, aber immerhin noch zu Rang elf.

Blessing, CEO of Germany's Commerzbank and board chairman Mueller speak during the bank's annual shareholder meeting in Frankfurt
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Platz 10 – Klaus-Peter Müller

Für diesen Posten ist er bekannt: Klaus-Peter Müller (r.) als Commerzbank-Aufsichtsratschef mit Bankchef Martin Blessing. Weitere Mandate hat Müller bei Linde und Fresenius. Im Vergleich zum Vorjahr macht der Manager (174 Punkte) sechs Plätze gut.

Former Deutsche Bank Chief Financial Officer Clemens Boersig arrives at a Munich courtroom for his testimony
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Platz 9 – Clemens Börsig

Als Chefaufseher der Deutschen Bank ist Clemens Börsig abgetreten, doch mächtig ist er nach wie vor. 179 Punkte hat die Studie für den 65-Jährigen ermittelt, der bei Bayer, Daimler und Linde die Geschäfte beaufsichtigt. Das macht Rang neun.

Für Hiesinger sind die schwarzen Zahlen ein Befreiungsschlag, denn die Bilanz des Hoffnungsträgers liest sich bislang tiefrot: Für drei Jahresergebnisse war Heinrich Hiesinger als Chef des Industriekonzerns Thyssen-Krupp bislang verantwortlich - dreimal musste er Milliardenverluste erklären.

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner bescheinigte dem seit Januar 2011 amtierenden Manager dennoch, das zuletzt in eine tiefe Krise geratene Unternehmen mit „Konsequenz“ und „Augenmaß“ wieder auf den richtigen Weg gebracht zu haben. Nun muss der Krisenmanager beweisen, dass er Thyssen-Krupp auch nachhaltig in bessere Zeiten führen kann. Der Druck dürfte größer werden - zumal der neue Großaktionär Cevian mehr Macht will und einen Platz im Aufsichtsrat beansprucht. Der Finanzinvestor gilt als aktiver Anteilseigner und mischt sich durchaus in seine Beteiligungsunternehmen ein.

Massiver, teils gewalttätiger Widerstand
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1 Kommentar zu "Thyssen-Krupp: Hiesinger im Glück"

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  • Man kann Hiesinger nur beglückwunschen, er hat in drei Jahren Thyssen zunächst mal aus dem Tal der Tränen geholt und die hottenden Fehler von Schulz und Cromme weitgehend neutralisiert.
    Auch Schulz,,der in früheren Jahren wertvolles für Thyssen geleistet hatte, kann sich nun beruhigt zurücklehnen und froh sein, dass die damaligen Fehlentscheidungen den Konzern nicht zerreissen.
    Doch immer noch macht es fassungslos, was damals geschah, Fehlentscheidunge Nummer 1 war, dass in einem solch volatilen Markt gleich zwei grosse Neubauten von Stahlwerken veranlasst wurden, Beides auf einmal gleichzeitig stemmen zu wollen, im Vertrauen auf die Konjunktur war Dummheit hoch 3.
    Zweitens leif die Durchführung vollkommen aus dem Ruder, es wurde auf problematischen Grundstücken gebaut, die Böden wurden vorher nicht gut untersucht und die ganze Projektdurchführung war wie eine Spielbank organisiert, funktionierendes Controlling gab es nicht.
    Cromme als Aufsichtratsvorsitzender hätte schon lange weg gemußt, er war ein kongenialer Strippenzieher bei den Übernahmen von Hoesch und der besser aufgestellten Tjyssen AG.
    Daa mit der vormals zrägen Krupp zunschaffen, und zu besteHen zwischen Berthold Beitz, eifersüchtigen und geplätteten Mangagern der Übernommenen zu leben und einen zumindest der Form nach einheitlichen Konzern zu schmieden, das war seine große Leistung.
    Danach machte er viel falsch und ging zu spät.
    Doch noch einmal, Glückwunsch an Hiesinger!

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