Thyssen-Krupp Krupp-Stiftung äußert sich – und will nach Führungschaos für Stabilität sorgen

Die in die Kritik geratene Stiftung will den neuen Interimschef Guido Kerkhoff unterstützen. Die Stahlfusion soll konsequent umgesetzt werden.
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Steuert Thyssenkrupp in eine ungewisse Zukunft?

Steuert Thyssenkrupp in eine ungewisse Zukunft?

EssenIn der Führungskrise bei Thyssen-Krupp will die mächtige Krupp-Stiftung Verantwortung für die Stabilität des Konzerns übernehmen. Dafür und für das langfristige Unternehmenswohl werde sie sich gemeinsam mit dem Management und den Arbeitnehmervertretern einsetzen, teilte die Stiftung am Freitag nach einer außerordentlichen Sitzung des Kuratoriums in Essen mit. Das Gremium bekundete „großes Bedauern“ über den überraschenden Rückzug von Konzernchef Heinrich Hiesinger, der in der vergangenen Woche das Handtuch geworfen hatte.

Zuvor war bekannt geworden, dass mit Guido Kerkhoff ein langjähriger enger Mitarbeiter des zurückgetretenen Konzernchefs vorübergehend das Ruder bei Thyssen-Krupp übernehmen soll. Kerkhoff werde das Unternehmen führen, bis ein Nachfolger für Heinrich Hiesinger gefunden sei, teilte das Unternehmen am Freitag in Essen mit.

Die Entscheidung im Aufsichtsrat sei einstimmig gefallen, hieß es. „Die Aufsichtsratsmitglieder sind sich einig, dass Thyssen-Krupp vor allem Stabilität und Kontinuität braucht, um den eingeschlagenen Weg der Transformation erfolgreich fortsetzen zu können“, sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner.

Ursprünglich sollte ein Triumvirat aus Kerkhoff und den beiden übrigen Vorstandsmitgliedern – Personalchef Oliver Burkhard und Compliance-Vorstand Donatus Kaufmann – den Konzern übergangsweise leiten.

Kerkhoff genießt das „volle Vertrauen“ der Stiftung

Die Stiftung ist mit einem Anteil von 21 Prozent wichtigste Aktionärin. Nach dem überraschenden Rückzug von Hiesinger Ende vergangener Woche war zunächst über einen mangelnden Rückhalt durch die Stiftungschefin Ursula Gather spekuliert worden.

Hiesinger war zuvor von aktivistischen Investoren scharf attackiert worden, die einen schnelleren Umbau des Konzerns fordern. Zweitgrößter Thyssenkrupp-Aktionär ist mit einem Anteil von 18 Prozent der schwedische Investor Cevian, der auch im Aufsichtsrat des Konzerns vertreten ist.

Es gelte jetzt, das Ende Juni vereinbarte Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Tata konsequent umzusetzen und die übrigen Geschäftsbereiche zukunftsorientiert fortzuentwickeln, hieß es in der Mitteilung der Stiftung. Der amtierende Vorstand mit Kerkhoff an der Spitze genieße dabei das volle Vertrauen der Stiftung.

Auch künftig sehe man sich dem Willen von Alfried Krupp verpflichtet, die Einheit des Unternehmens möglichst zu wahren und seine weitere Entwicklung zu fördern.

Kerkhoff ist ein langjähriger Weggefährte Hiesingers. Er war maßgeblich an den Verhandlungen für einen Zusammenschluss der Stahlsparte mit Tata beteiligt. Dies gilt auch für eine ganze Reihe weiterer Deals, etwa den Verkauf des Pannenstahlwerks in Brasilien, der damit verbundenen Anlage in den USA oder des Edelstahlgeschäfts. Kerkhoff war 2011 von der Deutschen Telekom zu Thyssen-Krupp gewechselt – wenige Monate, nachdem Hiesinger das Ruder bei dem Konzern übernommen hatte. Zuvor war er unter anderem für den Energiekonzern VEW und für Bertelsmann tätig.

Der oft hemdsärmelig auftretende Manager ist schlagfertig im Umgang und auch stets zu Scherzen aufgelegt. Beliebtheitsgrade wie Hiesinger erreicht der im niedersächsischen Schüttorf geborene Manager und Vater zweier Kinder allerdings im Konzern bisher nicht. Für wütende Proteste von Stahlkochern sorgte er gar während der Auseinandersetzung um die Fusion mit Tata. Als die Stahlarbeiter dem Vorstand eine mangelnde Informationspolitik vorwarfen, riet er ihnen, nicht zu jammern. Man müsse auch mal eine Periode der Unsicherheit aushalten können.

Ob ihm die Herzen der Anleger und Mitarbeiter zufliegen, ist aber nicht entscheidend. Kerkhoff muss vielmehr versuchen, die Wunden zumindest etwas zu heilen, die im Streit um die richtige Strategie zwischen unzufriedenen Investoren wie Cevian und Elliott, Aufsichtsratschef Lehner, der Krupp-Stiftung, den Mitarbeitern und den Gewerkschaften geschlagen worden sind.

Ein Nachfolger Hiesingers müsse die Fronten im Aufsichtsrat schließen, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Thomas Hechtfischer, der Nachrichtenagentur Reuters. „Finanzchef Kerkhoff könnte sicher die Führung übernehmen. Der ist in allen Themen drin.“

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  • dpa
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