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Thyssen-Krupp und Tata „Historischer Meilenstein“ – Europas neuer Stahlriese geht an den Start

Das Stahl-Joint-Venture der beiden Konzerne ist endlich startklar. Offen bleibt aber, wann und wo der angekündigte Stellenabbau beginnt.
02.07.2018 Update: 02.07.2018 - 13:26 Uhr 1 Kommentar

Stahlehe mit Tata besiegelt: Thyssens Stahlkocher bekommen Jobgarantie bis 2026

Brüssel Kurz vor dem großen Moment nehmen sich die beiden Chefs von Thyssen-Krupp und Tata noch eine kurze Auszeit. Während sich der Saal in der Bibliothek Solvay im Zentrum Brüssels langsam füllt, spazieren Heinrich Hiesinger und Natarajan Chandrasekaran durch den angrenzenden Park.

Wenig später werden sie symbolisch den Vertrag über die Fusion ihrer europäischen Stahlaktivitäten unterzeichnen. Für Thyssen-Krupp und Tata ist das ein Meilenstein. Der Ruhrkonzern trennt sich nach mehr als 200 Jahren von seinen Hütten – einst Teil seiner DNA. Thyssen-Krupp ist ein Produkt, das durch die Konsolidierung der Stahlindustrie an Rhein und Ruhr geschaffen wurde.

Auch Tata hat seine Wurzeln im Stahlgeschäft. Doch anders als Thyssen-Krupp wollen die Inder in der Branche investiert bleiben. „Solange wir in Europa mit Stahl Geld verdienen, gibt es keinen Anlass, aus dem Geschäft auszusteigen“, sagte der Chef von Tata Steel, T. V. Narendran. Sein Unternehmen habe ein langfristiges Interesse, an der Gemeinschaftsfirma beteiligt zu bleiben.

Mit der Fusion zu Thyssen-Krupp Tata wollen die Konzerne ihre jährlichen Kosten um 500 Millionen Euro drücken. Dies soll auch durch eine bessere Auslastung der Werke in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien gelingen. Narendran brachte im Gespräch mit dem Handelsblatt eine weitere Möglichkeit ins Spiel, Kosten zu senken. „Die europäische Unternehmung und die indische Tata Steel könnten einen gemeinsamen Einkauf gründen.“

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    Zusammen kämen die Firmen auf ein jährliches Produktionsvolumen von mehr als 40 Millionen Tonnen – mit steigender Tendenz. Während der Markt in Europa stagniert, steigt die Nachfrage in Indien dramatisch. Von den verbesserten Einkaufsbedingungen würde auch Thyssen-Krupp Tata Steel profitieren.

    Für Thyssen-Krupp ist das Joint Venture der Einstieg in den Ausstieg. Zwar beteuerten Hiesinger und Chandrasekaran auf der Pressekonferenz in der Bibliothek Solvay, sie würden langfristig an der gemeinsamen Firma festhalten, die sie jeweils mit 50 Prozent kontrollieren. Für den Essener Konzern gilt dies aber eher mittelfristig.

    Bereits bei einem Börsengang in zwei bis drei Jahren könnte Thyssen-Krupp einen Teil seiner Beteiligung abgeben. Das Unternehmen kann eigenständig entscheiden, wann es den Gang an den Kapitalmarkt wagt. Sobald das neue Unternehmen gegründet sei, habe man theoretisch eine solche Option, sagte der Finanzvorstand von Thyssen-Krupp, Guido Kerkhoff. Möglich wird dies nach der Zustimmung der Kartellbehörden, was frühestens im vierten Quartal dieses Jahres der Fall sein wird.

    Bei einem Börsengang würde zunächst nur ein Teil der Firma zum Verkauf kommen. Ein kompletter Rückzug ist für Thyssen-Krupp laut Absprachen mit dem Betriebsrat frühestens sechs Jahre nach Gründung des Joint Ventures möglich. Bis dahin müssen beide Partner zusammen mindestens die Mehrheit an dem Unternehmen halten.

    Zweifel am Rückzug des Essener Konzerns hat kaum jemand: Sollte das Marktumfeld stimmen, dürfte Hiesinger diese Option ziehen. Mit den Einnahmen könnte der Konzern seine Technologiesparten stärken. Als neues Kerngeschäft betrachtet der Vorstand um Hiesinger die Bereiche Aufzüge, Anlagenbau und Komponentenfertigung.

    In der kommenden Woche will die Führung ihre Pläne für den Ausbau dieser Aktivitäten vorstellen. Ein großer Strategieschwenk ist laut Konzernkreisen aber nicht zu erwarten.
    Während Thyssen-Krupp in sieben Jahren kaum mehr im Stahl investiert sein dürfte, definiert Tata die Langfristigkeit anders. Über einen Rückzug werde man nur nachdenken, wenn in Europa dauerhaft Verluste erwirtschaftet würden.

    Die deutsche Stahlindustrie wird im Kern wie die Großbritanniens und der Niederlande dauerhaft unter der Kontrolle von Tata Steel stehen, wie es hieß. „Wir sind sehr langfristig engagiert“, sagte Chandrasekaran. Tata habe eine 150-jährige Geschichte, man denke in langlaufenden Zyklen.

    In einem ersten Schritt sollen nun die geschätzten Synergien von 500 Millionen Euro jährlich gehoben werden. Neben Einsparungen bei der Forschung und Entwicklung sowie einer besseren Auslastung der Werke sind Einschnitte beim Personal geplant. Insgesamt sollen durch die Stahlfusion 4.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, je zur Hälfte bei Thyssen-Krupp und Tata.

    Nach dem Zusammenschluss will das neue Management prüfen, ob alle Standorte benötigt werden. Bis zum Jahr 2020 wird es zwar keine Veränderungen geben. Allerdings gelten Standorte wie Bochum laut Gewerkschaftskreisen als gefährdet, da sie zu klein geworden sind.

    Langfristig dürfte der Erfolg ohne eine Reduzierung der Kapazitäten ausbleiben, glauben die Unternehmen. Hiesinger erklärte: „Das Angebot und die Nachfrage passen auf dem europäischen Stahlmarkt nicht zusammen.“ Experten erwarten eine weitere Konsolidierung der Stahlindustrie, an der sich Thyssen-Krupp und Tata allerdings zunächst nicht beteiligten dürften. Erst müsse der Zusammenschluss erfolgreich vollzogen sein, sagte Chandrasekaran. Zumindest für einen Moment dürfte nun Ruhe einkehren.

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    1 Kommentar zu "Thyssen-Krupp und Tata: „Historischer Meilenstein“ – Europas neuer Stahlriese geht an den Start"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrte Herren Redakteure,

      fast jeden Tag bringt Ihr Blatt einen neuen Artikel über die Fusion der Stahlwerke von Thyssen-Krupp und Tata. Trotz all der vielen news ist mir verborgen geblieben, wo die Vorteile der Fusion liegen könnten. Vielleicht könnten Sie Ihre Leser einmal aufklären?

      Damit ist nicht gemeint, dass Sie das Bla Bla der Firmen wiederholen. Es geht nicht um bloße Behauptungen, sondern um stichhaltige Argumente.

      Beispiele gefällig? Wie ist das mit der Auslagerung des zyklischen Stahlgeschäfts? Stimmt es denn, dass die bloße Übertragung auf eine neu gegründete Tochter die Mutter aus ihrer Verantwortung entläßt? Oder wie ist es mit den angepeilten Einsparungen ("Synergieeffekte")? Woher sollen die denn kommen? Ich lese von weitreichenden und langjährigen Standort- und Beschäftigungsgarantien. Aber dennoch dicke Einsparungen von Personalkosten?

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