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Thyssen-Krupp-Logo vor der Essener Zentrale

Der Industriekonzern hat ein durchwachsenes Jahr erlebt.

(Foto: Reuters)

Thyssen-Krupp Was die Investoren bei der Hauptversammlung wissen wollen

Der Aufsichtsrat hat der Aufspaltung von Thyssen-Krupp zwar einstimmig zugestimmt. Doch einige Investoren haben noch Fragen.
Update: 01.02.2019 - 04:49 Uhr Kommentieren

DüsseldorfFür Guido Kerkhoff ist es eine Premiere. Am Freitag muss sich der Manager erstmals als Vorstandschef von Thyssen-Krupp den Fragen der Aktionäre stellen, nachdem der Konzern ein durchwachsenes Geschäftsjahr erlebte.

Führungswechsel, Teilungsbeschluss, zwei Gewinnwarnungen: In den vergangenen zwölf Monaten sank der Aktienkurs um mehr als 40 Prozent auf nunmehr rund 15,40 Euro am Donnerstag. Eine enttäuschende Entwicklung – nicht nur für die beiden Großaktionäre Krupp-Stiftung und Cevian, die zusammen rund 39 Prozent der Anteile halten.

Vor der Hauptversammlung in der Ruhrcongress-Halle am Freitag in Bochum haben sich die Investoren mit ihren Anliegen in Stellung gebracht. Die Performance lasse zu wünschen übrig, monierten die einen. Sorge um die Art der Unternehmensführung die anderen.

Drei Themen: Aufsichtsrat, Teilung, eingebrochener Aktienkurs

So kommentierte etwa Nick Huber, Corporate-Governance-Chef beim Vermögensverwalter DWS, im Vorfeld der Hauptversammlung: „Seit der letzten Kapitalerhöhung, die wir mitgetragen haben, hat Thyssen-Krupp die gesetzten Ziele verfehlt, Sonderabschreibungen getätigt, und es verabschiedeten sich nach dem Vorstandschef auch mehrere Aufsichtsratsmitglieder.“

Die DWS befinde sich deshalb weiterhin in einem engen Dialog mit dem Unternehmen. „Wir beobachten sehr genau die weitere Entwicklung, insbesondere die Neuformierung des Aufsichtsrats.“

Die Fondsgesellschaft dürfte nicht der einzige Aktionär sein, der den Kontrolleuren bei der Hauptversammlung in der Bochumer Ruhrcongress-Halle einige kritische Fragen stellen wird. Im Sommer hatte das Gremium nach den Rücktritten von Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Oberkontrolleur Ulrich Lehner massive Probleme, die zwei Topstellen neu zu besetzen.

Im Herbst überzeugte der damalige Finanzchef Kerkhoff die Kontrolleure schließlich von der Teilung des Industriekonglomerats - und wurde einstimmig für fünf Jahre zum Vorstandschef bestellt.

Vor wenigen Wochen rückte schließlich die frühere Bosch-Managerin Martina Merz in den Aufsichtsrat auf, ebenso der ehemalige Evonik-Finanzchef Wolfgang Colberg. Beide sollen auf der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden, wobei Merz wohl den Vorsitz übernehmen wird.

Die Unterstützung der Kontrolleure für die Teilung gelte trotz der Personalwechsel weiterhin, erklärte Kerkhoff am Freitag dem „Handelsblatt“.

Für den am Montag ausgeschiedenen früheren BDI-Chef Hans-Peter Keitel, der ursprünglich bis 2020 bleiben sollte, gibt es indes bisher keinen Ersatz. Der Nachfolger dürfte gerichtlich bestellt werden, bevor das Gremium auf der Kapitalseite bei der kommenden Hauptversammlung komplett neu gewählt wird. Auch über die anstehende Teilung sollen die Aktionäre dann abstimmen.

Gesprächsbedarf dürften einige Investoren auch wegen dieser Pläne anmelden. So fragte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, schon vor einigen Wochen im Gespräch mit Reuters: „Wenn die Abspaltung rund eine Milliarde kosten wird und man das als Investition betrachtet, wann rechnet sich das und wieso?“

Auch der US-Fonds Elliott, der weniger als drei Prozent der Anteile hält, machte im Dezember per Brief an den Vorstand seine Skepsis gegenüber den Plänen deutlich, will Kerkhoff aber offenbar Zeit geben, die Finanzen des Konzerns zu ordnen.

Schon länger war bekannt, dass der schwedische Investmentfonds Cevian die Strategie des Vorstands unterstützt. Zu den Befürwortern im Aufsichtsrat hatte Cevians Vertreter Jens Tischendorf gehört, ebenso die Vertreterin des mit 21 Prozent größten Aktionärs, Ursula Gather, die Kuratoriumschefin der Krupp-Stiftung.

40 Prozent minus statt Verdopplung des Aktienwerts

Besonders lobend hatte sich dabei zuletzt Cevian-Mitgründer Lars Förberg über den eingeschlagenen Kurs des Unternehmens geäußert. So erklärte er in seinem jährlichen „Bloomberg"-Interview während des Weltwirtschaftsforums in Davos, Thyssen-Krupp werde „eine großartige Firma sein“.

Noch vor einem Jahr hatte er als Kursziel eine Verdopplung im Vergleich zum damaligen Aktienwert auf 50 Euro ausgegeben. Angesichts des Veränderungen, in denen sich das Unternehmen derzeit befindet, zeigte er jedoch nun Verständnis für die enttäuschende Entwicklung von minus 40 Prozent.

„Derart große Restrukturierungen sind nicht für das kurzfristige, quartalsweise Denken der Aktienmärkte gemacht“, so Förberg. Es werde ein Jahr oder länger dauern, diese Veränderungen durchzusetzen. „Doch das ist es, was getan werden muss, um aus Thyssen-Krupp eine großartige Firma zu machen.“

Als Unterstützer gelten dabei auch der Staatsfonds von Singapur sowie der US-Investmentfonds Harris, die beide erst nach der Ankündigung der Teilung eingestiegen sind. Beide haben ein Aktienkapital von zusammen acht Prozent gemeldet. „Das sehe ich als Vertrauensbeweis“, erklärte Kerkhoff.

Trotz des enttäuschenden Jahresüberschusses von nur 60 Millionen Euro dürfen die Aktionäre auch in diesem Jahr wieder mit einer Dividende von 0,15 Cent pro Aktie rechnen. Zusammen ergibt das einen Betrag von etwa 90 Millionen Euro - ein gutes Drittel davon bezahlt Thyssen-Krupp also nicht aus seinem Verdienst, sondern aus der Unternehmenssubstanz.

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