Der britische Ölriese TNK-BP steigt aus dem russischen Abenteuer aus.
Düsseldorf Im Jahr 2003 feierte der britische Ölkonzern BP den Einstieg in die russische Erdölförderung. Der damalige Konzernchef John Browne schmiedete ein Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Oligarchen, die ihre Ölförderanlagen unter einer Allianz unter dem Namen Alfa-Access-Renova (AAR) zusammengeschlossen hatten. Die milliardenschwere Beteiligung an dem Joint Venture TNK-BP sollte den Briten den Zugang zu den sibirischen Ölquellen sichern.
Doch die Feierlaune der Briten verflog rasch. Zwischen BP und den russischen Oligarchen verschärfte sich der Ton. Ein Streit um die strategische Ausrichtung und Fragen der guten Unternehmensführung brach los. BP sah das Joint Venture als langfristige Investment, die russischen Partner dagegen drängten auf rasche Gewinne.
Der britische Ölkonzern BP und ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen mit dem Namen AAR gründen den Gemeinschaftskonzern TNK-BP. Die Konzerne legen damit ihre Förderanlagen, Raffinerien und Pipelines in Russland und der Ukraine zusammen.
Russlands Präsident Putin will einen nationalen Energiekonzern schmieden. Er drängt den Gasriesen Gazprom und den Ölkonzern Rosneft zu einem Zusammenschluss. Doch die damals rund 7,6 Milliarden Dollar schwere Fusion scheitert. Die beiden Konzerne können sich nicht auf die Bedingungen eines Zusammenschlusses einigen.
Zwischen den TNK-BP-Eignern BP und AAR entbrennt ein Streit über die Ausrichtung und Strategie des Gemeinschaftsunternehmens. Der Konflikt eskaliert, sogar der Kreml schaltet sich ein. BP-Techniker dürfen nicht mehr in Russland arbeiten.
Im Juni wird sogar dem damaligen BP-Manager und TNK-BP-Chef Bob Dudley das Visum entzogen. Er flieht aus Russland und leitet den Konzern fünf Monate lang von einem geheimen Ort aus.
Nach langen Verhandlungen unterzeichnen AAR und BP ein Memorandum, das die Streitigkeiten beilegen soll. Dudley tritt zurück und die russischen Oligarchen installieren einen eigenen Konzernchef. Heute ist Dudley Vorstandschef von BP.
Der Streit zwischen den TNK-BP-Eignern scheint beigelegt. BP-Manager und AAR-Vertreter treten erstmals seit dem Streit wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.
BP und Rosneft Unternehmen wollen gemeinsam Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ausbeuten. Doch der Milliardendeal scheitert am Widerstand von TNK-BP-Aktionären, die sich übergangen fühlten. BP hätte laut Aktionärsvertrag zunächst TNK-BP das Geschäft vorschlagen müssen. Der TNK-BP-Minderheitsaktionär Andrej Prochorow verklagt BP auf elf Milliarden Dollar.
Ein Schiedsgericht in der sibirischen Stadt Tjumen gibt der Klage des TNK-BP-Minderheitsaktionärs Andrej Prochorow Recht. BP will seinen Anteil an TNK-BP inzwischen verkaufen. Mal will das Oligarchen-Konsortium AAR zugreifen und sich das Gemeinschaftsunternehmen komplett aneignen. Mal signalisiert aber der Ölkonzern Rosneft Interesse.
Der Energieriese Rosneft könnte sowohl den BP-Anteil an TNK-BP, als auch den AAR-Anteil übernehmen.
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