Boot mit Torqeedo-Motor

Das Münchner Unternehmen ist seit der Gründung jedes Jahr um 35 Prozent gewachsen.

(Foto: PR)

Torqeedo auf der „boot 2018“ Wie das deutsche Tesla den Bootsmotor revolutioniert

Die Fachmesse „boot“ in Düsseldorf zeigt: Die Yacht-Hersteller setzen weiter auf den Diesel. Elektroantriebe sind eine Nische. Das Münchener Unternehmen Torqeedo will das ändern – und wächst rasant.
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DüsseldorfDer Kontrast könnte größer nicht sein: Mit Pomp inszeniert Suzuki die Vorstellung seines neuen, 325 PS starken Bootsmotors. Eine Hostess enthüllt den mannshohen Außenborder, dann setzt ein Werbevideo ein. Unter wummernden Bässen heizt ein Schnellboot über azurblaues Meer – am Heck sind gleich zwei der neuen Suzuki-Außenborder montiert. Suzuki-Manager Daisuke Kawatari versichert bei der Produktpräsentation auf der Fachmesse „boot“ in Düsseldorf: „Unsere Außenborder sind der Höhepunkt der Technik.“

Derweil arbeitet Christoph Ballin am Stand schräg gegenüber daran, die Messebesucher vom Gegenteil zu überzeugen. Unermüdlich führt der Chef des Münchener Unternehmens Torqeedo den Fachbesuchern seine elektrischen Bootsmotoren vor, die zu Demonstrationszwecken in Wasserbecken montiert sind. Das Sirren der Elektromotoren erfüllt den Stand von Torqeedo. Viele Messegäste überzeugt der Manager mit einem einfachen Rechenbeispiel: Mit Diesel betriebene Außenbordmotoren haben keine Katalysatoren und keine Abgasreinigung, sagt er. Daher stoße ein herkömmlicher 5-PS-Motor bei einer Stunde voller Fahrt so viele Stickoxide aus wie 39 neue Dieselautos, die ebenso lange mit Tempo 95 unterwegs sind.

Stimmt Ballins Rechnung, hieße das für das Speedboot aus dem Suzuki-Werbefilm: In einer Stunde blasen die zwei 325-PS-Außenborder so viel Stickoxid in die Luft, wie 5000 Dieselautos. Doch trotz solcher Zahlen zeigt sich auf der „boot“: Von einem Umdenken beim Diesel ist der Großteil der Wassersportbranche noch weit entfernt. Motorenhersteller wie Suzuki, Yamaha oder Mercury präsentieren an opulenten Ständen dieselbetriebene Außenborder mit bis zu 400 PS.

Auch Volvo Penta – die Bootsmotor-Tochter des schwedischen Nutzfahrzeuge-Herstellers Volvo – kann keine Hybrid- oder Elektrotechnologie im Produktportfolio vorweisen. Unter den mehr als 1900 Ausstellern auf der „boot“ lassen sich die Hersteller von Elektroantrieben an einer Hand abzählen.

Torqeedo-Chef Ballin schätzt den Marktanteil von E-Motoren bei Yachten auf ein Prozent. Doch sein 130-Mann-Unternehmen profitiert davon, dass die etablierten Hersteller die Elektromobilität links liegen lassen. „Wir sind weltweit die Einzigen, die Elektromotoren für Boote im industriellen Maßstab produzieren“, sagt er. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen 10.000 Motoren ausgeliefert.

Auch wenn Ballin den Vergleich mit Tesla zurückweist – sein Unternehmen wächst ebenfalls rasant: Seit der Ex-McKinsey-Berater und ehemalige Deutschland-Chef des Gartengeräteherstellers Gardena im Jahr 2005 Torqeedo gegründet hat, ist Torqeedo jedes Jahr im Schnitt um 35 Prozent gewachsen. 2017 hat Torqeedo beim Umsatz die Schwelle von 25 Millionen Euro erreicht – und die Aufmerksamkeit der Industrie auf sich gezogen. Im Oktober vergangenen Jahres hat der Kölner Dieselmotorenbauer Deutz Torqeedo für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag übernommen.

„Wir gehen ausschließlich in die Segmente, in denen E-Mobilität heute eine Chance hat“, erklärt Ballin seine Strategie. Luxusyachten mit Tausenden PS Motorleistung? „Da sagen wir, das machen wir nicht.“ Segelyachten bis 80 Fuß (24 Meter) seien dagegen hochinteressant, meint Ballin. So arbeitet Torqeedo etwa mit dem Greifswalder Sportboot-Hersteller Hanse Yachts zusammen.

Spielzeuge für Superreiche
Invictus 250 CX-6
1 von 9

 Der italienische Bootsbauer Invictus setzt mit der knapp acht Meter langen Yacht auf den Trend zu kostspieligen Ausflugsbooten. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 38 Knoten (gut 70 Kilometer pro Stunde) lässt sich auch bei einem Tagestripp aufs Meer eine ordentliche Strecke zurücklegen.

Sessa Key Largo 27
2 von 9

Noch einen Tick schneller wird die Key Largo von Sessa: Wer sich für den dicksten Motor entscheidet, kann bis zu 40 Knoten (75 Kilometer pro Stunde) erreichen.

Axopar Brabus Shadow 800
3 von 9

800 Pferdestärken rohe Gewalt leisten die beiden Außenborder, die dieses martialisch anmutende Speedboat auf über 50 Knoten (90 km/h) antreiben. Gebaut von der finnischen Werft Axopar und veredelt vom Mercedes-Tuner Brabus, bleibt dieses Boot auf 20 Stück limitiert - und mit einem Preis von bis zu 450.000 Euro für die meisten Boot-Fans auch unerschwinglich.

Absolute Navetta 58
4 von 9

Mit der an ein Hochsee-Fischerboot angelehnten Rumpfform schafft die italienische Luxusyacht-Werft Absolute ein für diese Bootsklasse überdurchschnittliches Platzangebot. Bis zu 14 Gäste können auf dem 17 Meter langen Boot übernachten.

Azimut Atlantis 51
5 von 9

Zwei 600-PS-Motoren von Volvo hat der italienische Edel-Bootsbauer Azimut in dieser Yacht verbaut. Damit katapultieren sie die 15-Meter-Yacht auf 35 Knoten - also über 60 Kilometer pro Stunde. Zudem ist eine Garage für ein bis zu 3 Meter langes Beiboot integriert.

Azimut 55 Fly
6 von 9

Die „fliegende“ Brücke ist das wichtigste Design-Merkmal dieser 17-Meter-Yacht. Doch auch im Innenraum setzen die Italiener Luxus: An Deck und in den drei Kabinen sind Zebraholz, dunkle Eiche und Bronze verbaut.

Bavaria R 55
7 von 9

Der Bootsbauer aus dem bayerischen Giebelstadt stellt auf der Düsseldorfer Messe sein neues Flaggschiff vor: Mit fast 18 Meter Länge ist es auch das bislang größte von Bavaria gebaute Boot. Kunden haben die Wahl zwischen zwei Motoren mit 600 oder 725 PS.

Trotz der Erfolge von Torqeedo: Bei Anlässen wie der „boot“ merkt Ballin, wie groß die Vorbehalte gegenüber E-Motoren nach wie vor sind: Die Sorge von Autofahrern, mit dem E-Auto auf offener Strecke stehen zu bleiben, wird noch übertroffen von der Angst der Bootseigner, auf offenem Meer ohne Strom dazustehen. Da hilft es, wenn Ballin auf einen hochkarätigen Partner bei der Batterietechnik verweisen kann: BMW. Denn Torqeedo verbaut bei den leistungsstarken Motoren Batterien, die auch im Elektro-Auto i3 und dem Hybrid-Flitzer i8 zum Einsatz kommen.

Das sei in der Anschaffung deutlich teurer als ein herkömmlicher Dieselmotor, räumt Ballin ein. Doch wer mitunter Hunderttausende Euro für eine Segelyacht ausgibt, müsse auch nicht beim Motor sparen: „Luxussegler wollen die Natur genießen – und keinen Lärm und Gestank vom Dieselgenerator haben, während sie in der Bucht liegen.“

Werften müssen umdenken
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1 Kommentar zu "Torqeedo auf der „boot 2018“: Wie das deutsche Tesla den Bootsmotor revolutioniert"

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  • Interessant wird die Frage nach dem e-Antrieb für die Schifffahrt ja spätestens dann wenn das Dieselfahrverbot über das derzeit so heiss diskutiert wird möglicherweise auch auf die Schifffahrt ausgedehnt würde.
    Auch im innerstädtischen Bereich gelten für die Schifffahrt bisher keinerlei Abgasbestimmngen, es können also alle Stinker nach belieben verkehren. Das was auf der Strasse schon vor dreissig Jahren passiert ist, nämlich die immer weiter angehobenen Umweltnormen, steht auf dem Wasser noch aus.

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