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Toyota Paroli bieten Porsche hat große Pläne mit VW

Alleine durch die Kurssteigerungen der vergangenen Monate hat sich das Engament Porsches beim VW-Konzern schon gerechnet. Doch das war nicht Sinn und Zweck der Aktion. Porsche will einen Konzern formen, der dem japanischen Vorzeigeautobauer Toyota das Wasser reichen kann – und damit letztlich auch das Überleben des Stuttgarter Autobauers selbst sichert.
Zwei Marken, die in Ferdinand Porsche ihren gemeinsamen Vater haben, sind nun wieder enger zusammengerückt. Foto: dpa Quelle: dpa

Zwei Marken, die in Ferdinand Porsche ihren gemeinsamen Vater haben, sind nun wieder enger zusammengerückt. Foto: dpa

(Foto: dpa)

HB STUTTGART. Der Stuttgarter Sportwagenbauer hat bisher unter Einbeziehung von Sicherungsgeschäften mehr als 4 Mrd. Euro in Volkswagen investiert. Dies gab Unternehmens-Chef Wendelin Wiedeking am Mittwoch in Stuttgart bekannt. Durch Kurssteigerungen ist das Investment mittlerweile 1 Mrd. Euro mehr wert.

Doch es ist in erster Linie nicht der Wertzuwachs, den Wiedeking mit seinem Engagemen bezweckt hat: „Porsche ist mit dem Einstieg bei VW ein anderes Unternehmen geworden. Wir sind aus unserer warmen Kuschelecke herausgekrochen und stellen uns jetzt bewusst den Spielregeln einer anderen Liga.“

Wiedeking sieht bei Volkswagen ein großes Potenzial: „VW hat die Riesenchance, Toyota Paroli zu bieten.“ Wenn jemand dem japanischen Vorzeige-Automobilhersteller das Wasser reichen könne, dann VW. Er begründete dies mit der weltweiten Aufstellung und der Reputation rund um den Globus. Auch Porsche werde davon profitieren, sagte Wiedeking: „Wir werden mit Volkswagen unsere Zukunft sichern“. Die Zusammenarbeit entwickle sich sehr gut.

Eine komplette Übernahme von Volkswagen steht für den Sportwagenbauer nach Aussage Wiedekings aber nicht auf der Tagesordnung. Branchenkreise hatten über entsprechende Pläne berichtet. Auch eine Zerschlagung des VW-Konzerns und eine Übernahme der VW-Tochter Audi durch Porsche schloss er aus. Audi sei fest in die Synergien des VW-Konzerns integriert. „Diese Synergien aufzugeben, macht überhaupt keinen Sinn.“ Porsche hält 27,4 Prozent an Europas größtem Autobauer und will diesen Anteil bis auf 29,9 Prozent der Stimmrechte aufstocken. Ab 30 Prozent wäre ein Pflichtangebot für die restlichen Anteile fällig.

Mehr Macht bekämen die Stuttgarter durch weitere Anteilskäufe ohnhein nicht. Dafür sorgt das VW-Gesetz. Es räumt dem Land Niedersachsen überproportionalen Einfluss ein. Kein Aktionär kann mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben, unabhängig davon, wie viele Anteile er am Unternehmen hält. Wiedeking setzt aber darauf, dass die EU das VW-Gesetz in absehbarer Zeit kippt. „Es kann nicht sein, dass ein Aktionär wie das Land Niedersachsen ohne Wahl Plätze im Aufsichtsrat besetzen kann. Auch diese Damen und Herren müssen sich dem Votum der Aktionäre stellen.“

Der neue Porsche 911 Targa. Foto: Hersteller Quelle: dpa

Der neue Porsche 911 Targa. Foto: Hersteller

(Foto: dpa)

Der Europäische Gerichtshof wird am kommenden Dienstag erstmals mündlich über die Vereinbarkeit des VW-Gesetzes mit EU-Recht verhandelt. Sollten die EU-Richter das Gesetz nicht aufheben, so „gibt es auch andere Wege“, deutete Wiedeking an. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Konkrete Pläne, als Großaktionär auf anderem Wege gegen das Gesetz vorzugeben, gebe es aber nicht. „Wir haben Zeit.“

Niedersachsen hält 20,8 Prozent an VW, besitzt aber durch das Gesetz die gleiche Macht wie die Nummer eins. Auch im Aufsichtsrat sind die beiden Haupteigner gleich stark vertreten mit jeweils zwei Stimmen. Porsche strebt jedoch nach einem dritten Sitz und kündigt damit eine gegenteilige Absprache mit dem Land Niedersachsen auf, die nur zwei Sitze vorsah: „Wir leiten aus dem geplanten VW-Anteil von 29,9 Prozent bestimmte Rechte ab“, sagte Wiedeking, „nach zwei kommen drei.“

Eine engere Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen schloss Wiedeking aus. Sollten die beiden Großaktionäre ihr Verhalten abstimmen, so bestehe die Gefahr, dass sie zusammengerechnet würden und dann gemeinsam ein Angebot zur VW-Komplettangebot unterbreiten müssten. Wiedeking: „In diese Falle werden wir nicht tappen.“ Die Zusammenarbeit bei VW werde sich daher auf die Arbeit der Vertreter beider Anteilseigner im Aufsichtsrat beschränken.

Die Spekulationen, er strebe den Vorsitz im VW-Kontrollgremium an, wollte Wiedeking nicht kommentieren. Auf diesem Posten sitzt zur Zeit der ehemalige VW-Chef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch. Doch dieser soll wegen Interessenkollision im kommenden Jahr aus dem VW-Aufsichtsrat ausscheiden und ein Neutraler diesen Posten übernehmen. Den Enkel des Firmengründers Ferdinand Porsche sehen Branchenkenner als wahren Schmied der Allianz aus Volkswagen und Porsche. Derzeit gehören als Porsche-Vertreter Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter dem VW-Kontrollorgan an.

Die zweite Version des Cayenne. Auffällig sind die geänderten Scheinwerfer. Foto: Hersteller Quelle: dpa

Die zweite Version des Cayenne. Auffällig sind die geänderten Scheinwerfer. Foto: Hersteller

(Foto: dpa)

Wie beim finnischen Auftragsfertiger Valmet, bei dem der Boxster vom Band läuft, will Porsche bei Volkswagen ungenutzte Kapazitäten als „verlängerte Werkbänke“ nutzen, um die Fixkosten zu senken. Das dadurch eingesparte Geld kann Porsche gut gebrauchen, wächst der Autobauer doch weit weniger stark als in der Vergangenheit. Auch das Wort Gewinnrückgang macht die Runde. Nachdem Porsche seinen Vorsteuergewinn 2005/2006 auf 2,11 Mrd. Euro fast verdoppelt hatte, betonte Wiedeking mit Blick auf das laufende Jahr: „Dieses Ergebnis wird sich in dieser Höhe nicht halten lassen.“ Belastend wirkten sich in diesem Jahr vor allem höhere Entwicklungskosten für die 2009 auf den Markt kommende vierte Baureihe Panamera aus.

In den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2006/2007 legte der Porsche-Umsatz nur noch um 0,7 Prozent auf 2,05 Mrd. Euro zu. Der Absatz stieg um 0,4 Prozent auf 25 850 Fahrzeuge. Während die beiden Sportwagen-Baureihen 911 sowie Boxster/Cayman zulegten, brach der Absatz beim Geländewagen Cayenne um fast 30 Prozent ein. Grund ist, dass die Kunden auf die Neuauflage des Wagens warten, die ab Februar 2007 bei den Händlern steht. „Auch bei uns wachsen die Bäume nicht in den Himmel“, kommentierte Wiedeking das Zwischenergebnis.

Neben dem Cayenne war es vor allem der US-Markt, der Porsche runterzog. Während Porsche in Deutschland um 12,4 Prozent auf 3 950 Fahrzeuge und im Rest der Welt sogar um 15,3 Prozent auf 12 590 Fahrzeuge zulegen konnte, nahm der Absatz in Nordamerika um 17,6 Prozent auf 9 310 Fahrzeuge ab. Für das Gesamtjahr kündigte das Unternehmen an: „Über alle Baureihen hinweg soll im Geschäftsjahr 2006/07 das hohe Absatzniveau des Vorjahres wieder erreicht werden“. Zulegen will Porsche insbesondere durch eine Ausweitung des Händlernetzes in Russland und China.

Vorstandsgehälter verdoppelt

Im abgelaufene Geschäftjahr 2005/2006, das Porsche noch mit Rekordzahlen abgeschlossen hatte, hat der Vorstand doppelt so hohe Bezüge erhalten wie 2004/2005. Insgesamt flossen an die sechs Mitglieder der obersten Leitungsebene 45,2 Mill. Euro; im Vorjahr waren es 26 Mill. Euro gewesen. Die erfolgsabhängigen Komponenten wurden mit 40,1 nach 20,7 Mill. Euro beziffert.

Auch der Aufsichtsrat bekam mehr Geld: 1,3 statt 1 Mill. Euro. Porsche lehnt die individualisierte Veröffentlichung der Vorstands- und Aufsichtsratsbezüge ab. Dies bringe keinerlei Erkenntnisgewinn für den Anleger, so die Begründung. Das Geschäftsjahr von Porsche endet am 31. Juli.

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