Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Tropenkrankheit Biontech stellt Malaria-Impfstoff in Aussicht

Das Unternehmen plant „signifikante Investitionen“ in den Malaria-Impfstoff – nennt aber noch keine Summe. Zudem will Biontech die Produktionskapazitäten in Afrika ausbauen.
26.07.2021 - 16:04 Uhr Kommentieren
Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzenden der Firma Biontech, stellt einen Impfstoff gegen Malaria in Aussicht - und will ihn in Afrika entwickeln. Quelle: imago images/photothek
Biontech-Gründer Ugur Sahin

Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzenden der Firma Biontech, stellt einen Impfstoff gegen Malaria in Aussicht - und will ihn in Afrika entwickeln.

(Foto: imago images/photothek)

Frankfurt Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech will den ersten Malaria-Impfstoff auf Basis seiner innovativen Messenger-RNA-Technologie entwickeln. Diese wird bereits bei seinem Covid-19-Impfstoff in vielen Ländern erfolgreich eingesetzt.

Der Impfstoff gegen die Tropenkrankheit Malaria – oft auch Wechselfieber genannt – soll in klinischen Studien in Ländern des afrikanischen Kontinents getestet und in einem nächsten Schritt auch vor Ort produziert werden, wie Biontech am Montag mitteilte.

Dabei wird das Unternehmen unter anderem mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Initiative Africa CDC zusammenarbeiten. Die Institution Africa CDC wurde 2013 gegründet, um die Aktivitäten der Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union im Bereich der öffentlichen Gesundheitsfürsorge zu unterstützen.

„Gemeinsam mit unseren Partnern setzen wir alles daran, einen sicheren und wirksamen Malaria-Impfstoff auf mRNA-Basis zu entwickeln. Er soll die Krankheit verhindern, die Sterblichkeit reduzieren und eine nachhaltige Lösung für den afrikanischen Kontinent und andere von Malaria betroffene Regionen bieten“, sagte Biontech-Mitgründer und CEO Ugur Sahin.

Biontech kündigt Entwicklung von Malaria-Impfstoff an

Afrika ist besonders stark von der gefährlichen Infektionskrankheit Malaria betroffen. Nach Angaben der WHO entfielen 2019 etwa 94 Prozent der weltweit rund 229 Millionen Malaria-Erkrankungen und 409.000 Todesfälle auf den Kontinent. Besonders gefährdet sind Kinder, die jünger als fünf Jahre alt sind. Mehr als zwei Drittel der Todesfälle entfallen auf sie.

Biontech will klinische Studie Ende 2022 durchführen

Es gibt zwar seit ein paar Jahren einen Impfstoff gegen Malaria vom Unternehmen Glaxo-Smithkline, mit dem bereits Impfkampagnen in Afrika laufen. Das Vakzin wirkt jedoch nur gegen einen von insgesamt fünf unterschiedlichen Malaria-Erregern, die durch die Anopheles-Stechmücken übertragen werden.

Biontech plane signifikante Investitionen in die Entwicklung des Impfstoffs. Auch Produktionskapazitäten mit dem entsprechenden Know-how-Transfer für die Herstellung von mRNA-Vakzinen sollen aufgebaut werden. Wie viel Geld Biontech investieren will, könne derzeit noch nicht beziffert werden. Dazu sei es noch zu früh, sagte eine Biontech-Sprecherin.

Biontech will zunächst verschiedene Impfstoffkandidaten gegen Malaria untersuchen, um dann die effektivsten in Studien am Menschen zu erproben. Der Start dieser klinischen Studien ist für Ende 2022 geplant. In mRNA-Impfstoffen ist eine Art Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen eines Virus enthalten. Anhand dieser Information kann der Körper einen Impfschutz aufbauen.

Grafik

Ziel von Biontech sei, dass in Afrika künftig nicht nur Malaria-Impfstoffe, sondern auch andere Vakzine auf Basis der mRNA-Technologie hergestellt werden können. Das Unternehmen sondiert dabei sowohl die Möglichkeit, Produktionsstätten mit Partnern vor Ort aufzubauen, als auch in Eigenregie, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Vergangene Woche hatte Biontech bekannt gegeben, seinen Corona-Impfstoff künftig auch in Afrika abfüllen zu lassen. Dabei werden die Partner Biontech und Pfizer mit dem südafrikanischen Unternehmen Biovac zusammenarbeiten.

Impfstoffentwicklung ist Teil gemeinnütziger Kenup Foundation

Die mRNA-Technologie steht seit Monaten im Mittelpunkt einer Diskussion um eine temporäre Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe. Indien und Südafrika hatten beantragt, den Patentschutz vorübergehend auszusetzen. Dem Antrag folgen in der Welthandelsorganisation WTO mittlerweile mehr als 100 Länder.

Auch gemeinnützige Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen sind der Meinung, dass eine Patentaussetzung ärmeren Ländern ermögliche, eigene Impfstoffproduktionen auszubauen. So könne die Bevölkerung schneller mit den Vakzinen versorgt werden, heißt es.

US-Präsident Joe Biden hatte im Mai den sogenannten Trips-Waiver-Antrag von Indien und Südafrika unterstützt, während sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bisher dagegen ausspricht, den Patentschutz aufzuheben. In der WTO lehnen die Europäische Union, Norwegen, Großbritannien und die Schweiz die Aussetzung ab.

Biontech-Chef Sahin hatte vor Monaten erklärt, dass sie nicht auf die geistigen Eigentumsrechte verzichten werden. Seiner Meinung nach sei das nicht der richtige Weg, um mehr und schneller Covid-19-Impfstoffe zu produzieren. Stattdessen hat er sich für die Vergabe von Lizenzen ausgesprochen. Da der Impfstoff schwierig herzustellen sei, setzt Biontech auf eine enge Kooperation mit ausgewählten Partnerunternehmen.

Mit den neuen Aktivitäten will Biontech nun dazu beitragen, dass Afrika künftig in der Lage ist, eigene Impfstoffe herzustellen, die es benötigt. Derzeit wird laut dem Unternehmen nur etwa ein Prozent des Impfstoffbedarfs des Kontinents in Afrika selbst hergestellt.

Biontech hat nach eigenen Angaben bereits frühzeitig die WHO, die Europäische Kommission und andere Organisationen in seine Afrikapläne einbezogen. Das Vorhaben ist Teil einer Initiative der gemeinnützigen Kenup Foundation, die die Infektionskrankheit Malaria ausrotten will. Unterstützung gibt es auch vom EU-Malaria Fund. Der Fund wurde 2019 von der Europäischen Kommission, Europäischen Investitionsbank (EBI), Kenup Foundation und Investitionsbank Berlin Gruppe gegründet.

Jenseits des Malaria-Projekts will Biontech auch einen Impfstoff gegen Tuberkulose entwickeln, für den die klinischen Studien ebenfalls im kommenden Jahr starten sollen. Biontech arbeitet seit 2019 mit der Bill und Melinda Gates Stiftung zusammen, um Impfstoffe gegen Tuberkulose und HIV für ärmere Länder zu entwickeln.

Mehr: Biontech-Impfstoff wird bald in Afrika abgefüllt

Startseite
Mehr zu: Tropenkrankheit - Biontech stellt Malaria-Impfstoff in Aussicht
0 Kommentare zu "Tropenkrankheit: Biontech stellt Malaria-Impfstoff in Aussicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%