Trotz Asien-Booms Deutsche Firmen expandieren verstärkt nach Europa

Keine Volkswirtschaft ist so international vernetzt wie die deutsche. Manager betonen gerne, dass sie vor allem in Asien, dem Wachstumsmarkt der Zukunft, Kapazitäten ausbauen wollen. Doch viele Betriebe bleiben lieber in Europa. Das allerdings könnte kurzfristig zum Problem werden.
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Chinesischer Arbeiter in einer Autofabrik: Deutschlands Konzerne forcieren die Globalisierung. Quelle: ap

Chinesischer Arbeiter in einer Autofabrik: Deutschlands Konzerne forcieren die Globalisierung.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Martin Kannegiesser, der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, weiß, was er dem Ausland zu verdanken hat: "Wenn mein Unternehmen nur für Deutschland produzieren würde", sagt er gerne "könnten wir den Betrieb jeden Dienstag um elf Uhr schließen."

Vielen Firmen geht es ähnlich, ihre Abhängigkeit vom Geschäft jenseits der deutschen Grenzen steigt rapide an. Vor allem in Asien, dem Wachstumsmarkt der Zukunft, so betonen die Manager gerne, wollen sie die Kapazitäten ausbauen.

In der Praxis aber zeigt sich aber: Deutsche Unternehmen haben ihre Aktivitäten vor allem in Europa ausgebaut. So liegt der Anteil der Exporte deutscher Firmen in die EU-Staaten bei über 60 Prozent. Nach China gehen 4,5 Prozent. Bei den Direktinvestitionen ergibt sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank ein ähnliches Bild: Insgesamt haben deutsche Firmen einen Bestand an Investitionen im Ausland im Wert von einer Billiarde Euro - mehr als doppelt so viel wie 1999. Doch der Anteil der Investitionen in Europa ist überproportional gestiegen: Schon Ende 2008, dem Datum der jüngsten Bestandsstatistik, lag er bei knapp 68 Prozent - und damit um rund 35 Prozent über dem Wert aus dem Jahr 1999. Dagegen ist der Anteil der Investitionen in Asien nur moderat von 6,3 auf sieben Prozent gestiegen.

Die meisten setzen zu stark auf Europa

Seither hat sich der Trend sogar eher noch verstärkt: 2009 gingen satte 91 Prozent der deutschen Direktinvestitionen ins europäische Ausland, für 2010 werden es, so vermutlich knapp 70 Prozent sein. Der Anteil nach Asien wird voraussichtlich bei 7,3 Prozent liegen.

Kurzfristig könnte das Klumpen-Risiko Europa für deutsche Konzerne zum Problem werden. Denn im heimischen Kontinent sind die Prognosen für 2011 düster. Die Schuldenkrise belastet nicht nur den gesamten Süden des Kontinents. Auch in Großbritannien und Irland drohen Einbrüche.

Wie anfällig die Konzerne für eine Abschwächung der Konjunktur in der EU sind, zeigt auch eine Untersuchung der DZ-Bank. Die Firmen aus den drei wichtigsten Börsenindizes Dax, MDax und TecDax erwirtschaften nach Berechnungen des Institutes gut 60 Prozent ihrer Umsätze in Europa. Auf Asien entfallen nur etwa 13 Prozent, Nordamerika macht rund 15 Prozent aus.

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5 Kommentare zu "Trotz Asien-Booms: Deutsche Firmen expandieren verstärkt nach Europa"

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  • "Manche haben fast nur noch die Zentrale in Deutschland"
    und wo liegt der Vorteil für diese Firmen die Zentrale noch in Deutschland zu haben?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • So dämlich kann Politik sein. Die Konzerne verlagern ihre Produktionstätten und behalten hier ihre Zentralen, weil sich der Aufwand hier so gut abschreiben läßt und insgesamt kaum noch Steuern zu zahlen sind.
    bodenständigkeit wird bestraft!

  • Die Aktienmehrheit bei den DAX Unternehmen (53 Prozent) halten ausländische Unternehmen oder Fonds.

    Natürlich folgt man dann seinen Herrn (England, New York etc.)

    Eigentümer der „Deutschen börse“ sind Engländer!!!!

    Warum sollen dann ausländische Firmen (z. b. Siemens, Opel) in der bRD investieren!!!

    Es ist nur noch ein „Absatzmarkt“ ohne bindung.

    VW hat vor ein paar Jahren in brasilien ein Autowerk geschlossen, es hat keinen in der bRD interessiert.

    Wäre das interesse größer wenn das VW-Werk in Wolfsburg schließt??

    Wichtig ist die Globalisierung und die Weltweite Arbeitsteilung (Wohlstand für viele Länder)

    Dabei müssen die Länder fair spielen (keine Subventionen, Zölle etc.) es wird nicht fair gespielt.

    Wenn Länder wie Japan, Südkorea und China einen (Schiffsbau) Weltmarktanteil von über 80 Prozent auf sich vereinen ist das bedenklich.

    in Europa können nur noch die kleine bRD und Russland „größere Schiffe“ produzieren.
    (Die bRD ist nur noch 4größte Handelsnation mit guten Reedereien)

    Die ehemaligen Seemächte England, Frankreich, Spanien und Griechenland besitzen keine nennenswerten Werften mehr.

    Darum sollten wir einen Spagat wagen!!

    Die Unternehmen sollten global handeln und trotzdem Regional (bRD) verbunden bleiben.

    Überspitzt formuliert.

    Die Volkswirtschaft der bRD braucht keine DAX-Unternehmen.
    (Gründen wir sonst Neue)

    Die DAX-Unternehmen brauchen aber die Volkwirtschaft der bRD!!!
    (z. b. Rechtsicherheit)




  • Ja, vor allem mach "Made in Germany" als Qualitätsstandard richtig Sinn, wenn "Made in ROC" unter dem ersten Aufkleber herauskommt.

    Wann lernen Deutche Manager endlich, dass die sehr oft unstrukturierte Verlagerung nach Asien ein Schuß ist, der nach hinten los gehen kann.

    Denn für schlechte Qualität, Made in Asia, muss man auch keine deutschen Zuschläge mehr drauf berechnen.

    Und wir transportiern unser wichtigste Gut, unser Know How, für schmalstes Geld ins Auslanf und lassen uns von unseren eigenen Lehrlingen den Rang ablaufen.

    Klasse ihr Obermanager.

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