Trotz Atomkraft Frankreich braucht Strom aus Deutschland

Die Atomkraft galt lange als Stabilitätsgarant in den Stromnetzen. Nun treibt die Kältewelle ausgerechnet das AKW-Land Frankreich an den Rand eines Stromausfalls. Und Aussteiger Deutschland muss aushelfen.
35 Kommentare

Stromversorgung trotz Kälte sicher

Paris„Alarmstufe Rot“ gilt seit Anfang der Woche für die französische Region Provence-Alpes-Cote d’Azur, kurz „Paca“ genannt. In der Bretagne stehen die Warnlichter offiziell auf „orange“. Beiden Gebieten droht möglicherweise ein Ausfall der Stromversorgung, die Bewohner werden dringend zum Energiesparen aufgefordert. Industriebetriebe, die besonders hohen Elektrizitätsbedarf haben, sollen ihre Produktion zurückfahren: Die Kältewelle in Europa zwingt Frankreichs Politiker, den staatlichen Energieriesen EDF und die Netzgesellschaft RTE zu ungewöhnlichen Schritten.

Besonders verblüffend: Das Land, das sich aufgrund seines hohen Anteils an Atomstrom vor jeder Notlage gefeit sah, kann Einschnitte nur vermeiden, weil es derzeit Strom importiert, und zwar aus Deutschland sowie Großbritannien. Frankreichs Politiker und Industrielle hatten seit dem Beschluss über den deutschen Atomausstieg vor bedenklichen Folgen gewarnt. GDF-Suez-Chef Gérard Mestrallet sprach noch vergangene Woche davon, dass ganz Europa von einem Mangel betroffen sein könnte, den Deutschland auslöse. Ein Sprecher der Netzgesellschaft RTE sagt, der deutsche Atomausstieg habe bereits Folgen verursacht und den deutschen Import aus Frankreich deutlich ansteigen lassen.

Das trifft zu, allerdings nur für das zweite und dritte Quartal. Im letzten Vierteljahr 2011 war Frankreich Nettoimporteur von deutschem Strom. Und nun das: Frankreich muss vor Kälte bibbernd das deutsche Netz anzapfen, um Einschnitte zu vermeiden.

Wer ist schuld? Vor allem natürlich Dieter. Das Hoch lässt auch unser Nachbarland unter dem kalten Hauch Sibiriens erstarren. Die Franzosen stellen in diesen Tagen fest, dass die Meteorologie die alte, mit Inbrunst geführte Debatte, ob sie nun eher zum Süden oder zum Norden Europas gehören, entschieden hat – zugunsten des Nordens. Die Bretagne und Paca sind besonders gefährdet, weil, wie RTE zögernd einräumt, das Netz „nicht ausreicht, um bei extremen Wetterbedingungen Strom in der nötigen Qualität dorthin zu liefern.“

Warum die Angst vor dem Blackout so groß ist
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Trotz Atomkraft - Frankreich braucht Strom aus Deutschland

35 Kommentare zu "Trotz Atomkraft: Frankreich braucht Strom aus Deutschland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Interessant wir es doch erst, wenn es irgendwann mal wieder Krieg geben wird. Ich weiss nicht warum so viele Länder noch auf Atomwaffen setzen, wenn ihre potentielle Gegner ihre Atomwaffen vor Ort "lagern" und gleichzeitig bei deren Zündung die Lichter ausgehen.

  • Strahlen werden weder eingeatmet noch eingenommen, Schutz viel schwieriger bis unmöglich: Radiokativität ist NICHT umweltfreundlich.

    Fossile Brennstoffe sind endlich , Uran reicht nach allen Erkenntissen ca. 40 Jahre und das nur wenn der Verbrauch gleich bleibt; kohle ca 100 Jahre, es ist dagegen unerheblich wie lange eine Industrieanalge besteht, bei Kohl war es übrigens deutlich mehr als 30 Jahre. Die Folgen des Abbaus werden noch Milliarden kosten und habe es schon. Für Uran gilt das Gleiche.

    Die Zukunft gehört den EE, das ist klug, logisch und tausend mal umweltfreundlicher. Kostengünstuer sowieso.

  • Asse ist technisch für den eingelagerten Leicht- und Mittelradioaktiven Abfall overdone.
    Delegationen des DOE hatten dieses technisch vorbildliche Lager mehrfach vor der Entscheidung zugunsten der WIPP Anlage besucht und waren sehr angetan.

    Vandale

  • Korrektur zu meinem Kommentar zu PCB. Beim Nachschlagen stelle ich fest, dass es PCB's gibt die die Toxicität von abgebranntem Kernbrennstoff leicht übertreffen LD50 verspeisen, andere nicht.

    Vandale

  • Mission Possible..Die Erdgasvorräte sollten einschliesslich des Methanhydrats einige Jahrhunderte reichen. Für Kohle gilt dasselbe.

    Ein Investitionszyklus liegt bei grösseren Industrieanlagen bei 30 Jahre und bei Kraftwerken bei ca. 50 Jahren, Kernkraftwerke ca. 70 Jahre.

    Somit gibt es für diesen Investitionszyklus keinen Grund auf fossile Kraftwerke zu verzichten.

    Vandale

  • mission possible ..Das ist korrekt. PCB ist giftiger verglichen mit abgebrenntem Kernbrennstoff ein paar Jahre nach Entnahme aus dem Abklingbecken.

    Entscheidend ist ob man den ganzen Trafo mit ganzen Brennelementen vergleicht, orale Einnahme, oder Einatmen...

    Vandale

  • 1 MW kostet durchschnittlich 1 Mio. Euro , macht bei 1000 WKA a 6 MW ca. 6 Mrd Euro , nicht 20 Mrd.

  • "Schliesslich sollte man nicht vergessen, dass die Erde sehr reichlich mit fossilen Brennstoffen gesegnet ist."

    Wenn man davon ausgeht, dass die Erde nur noch 50 bis 100 Jahre besteht... .

  • @

    Vandale

    Asse ist ganz sicher nicht Vorbild und das Toxische Potential eines Transformator ist ist in keinster Weise verleichbar mit radioaktivem Abfall.

    Und tausende Tonnen sind keine geringen Mengen.

  • Kalter Kaffee! Das FRA im Winter vermehrt Strom aus dem Ausland braucht, weil elektrisch Geheitzt wird, war doch schon lange bekannt.

    Das dieses wiedermal als Argument gegen die Kernenergie ins Feld geführt wird wundert mich in Deutschland schon garnicht mehr.

    FRA wird auch lernen in Zukunft ohne den deutschen Strom auszukommen, die Frage ist aber nur kommen wir in Zukunft ohne den Strom aus FRA aus? In Europa gab es immer eine Länderübergreifendes Stromnetz, welches uns verlässlich mit Strom versorgt hat. Aus dieser Einigkeit ist Deutschlnad mit seinem Atomausstieg im Schweinsgalopp ausgetreten, was soll uns das denn nun bringen ? Vielleicht, das jedes Land in Zukunft sein eigenens Strom-Süppchen kocht ?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%