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Trotz Krise Corona beschleunigt Wandel: Wie das VW-Werk Baunatal die E-Offensive vorantreibt

Die Produktion in den Autofabriken läuft wieder an. Im zweitgrößten VW-Werk sorgt sich der Betriebsrat aber um die Zukunftsfähigkeit. Beim Wandel sollen Kaufprämien helfen.
30.05.2020 - 16:52 Uhr Kommentieren
Im VW-Werk Baunatal werden vor allem Getriebe produziert. Quelle: dpa
VW-Werk Baunatal

Im VW-Werk Baunatal werden vor allem Getriebe produziert.

(Foto: dpa)

Baunatal Carsten Bätzold hat sich in der Mitte der leergeräumten Kantine aufgebaut. Auf die Wand hinter ihm wirft ein Beamer Zahlenkolonnen, die ihm Sorgen machen. Bätzold ist Betriebsrat bei Volkswagen und als solcher zuständig für das Werk in Baunatal. In dem hessischen Ort unweit von Kassel liegt das weltweit zweitgrößte VW-Werk.

Produziert werden dort vor allem Getriebe, in der Spitze vier Millionen im Jahr. Die Grafik an der Wand hinter Bätzold weist für das vergangene Jahr drei Millionen Getriebe aus. „Im Jahr 2020 werden es wohl nur 2,2 Millionen werden“, sagt er.

Bätzold, Mitte fünfzig, graue Haare, blickt auf 35 Jahre Betriebsratsarbeit zurück. Er weiß um die Probleme des Werks mit seinen 17.000 Mitarbeitern. Eines Tages wird die Getriebefertigung auslaufen, Elektroautos kommen ohne Schaltung aus. Das VW-Werk wird daher umgerüstet.

Mehr Getriebe für Hybrid-Autos werden gefertigt und Elektromotoren. Das Werk nehme damit eine Schlüsselproduktion im Produktionsnetzwerk ein. Vorstandschef Herbert Diess rüstet den Autokonzern auf umweltfreundliche Elektrofahrzeuge um, jedes Jahr sollen mehr Stromer und weniger Verbrenner gebaut werden.

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Standort erkennen

    Der Wandel ist schwierig für den Standort wie für die Branche überhaupt. Die Entwicklung der neuen Fahrzeuggeneration kostet etliche Milliarden – und die Hersteller verdienen mit den E-Autos zunächst weniger.

    Forderung nach Kaufprämie für Neuwagen

    Dennoch ist der Weg alternativlos. Autos müssten umweltfreundlicher werden, dazu habe man sich verpflichtet, sagt Jörg Köhlinger von der IG Metall. Der 56-Jährige ist aus der Gewerkschaftszentrale in Frankfurt angereist, um eine Forderung zu platzieren. In dem staatlichen Konjunkturpaket sollte die Automobilindustrie enthalten sein, sagt er.

    Kurz: Er fordert eine Kaufprämie für Neuwagen. „Für moderne Diesel oder Verbrenner sollte es eine Prämie von 6000 Euro geben.“ Je die Hälfte davon sollten der Staat und die Hersteller tragen.

    Die Forderung von Gewerkschaft und Autoindustrie ist nicht neu. In den vergangenen Wochen haben die Vorstandschefs aller Autobauer eine staatliche Stütze gefordert. Am kommenden Dienstag aber will das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Finanzmittel für eine Förderung der Wirtschaft auf den Weg bringen, um die Auswirkungen der Coronakrise abzufedern.

    Nachdem aber die Stimmung im Land gekippt ist, haben die Autofirmen Sorge, dabei außen vor zu bleiben. In Umfragen haben sich die Bundesbürger mehrheitlich gegen Kaufprämien ausgesprochen. Befördert wurde die zunehmend ablehnende Haltung von der Industrie selbst.

    VW-Chef Diess beharrt auf einer Dividende für die Aktionäre – und fordert eine Kaufprämie. Ungeschickt sei das, sagt ein Gewerkschaftsvertreter in Baunatal. Auf der Aufsichtsratssitzung von VW am vergangenen Donnerstag hatten die Kontrolleure dem VW-Chef auch eingebläut, gegenüber der Politik bescheidener aufzutreten. „Mein Eindruck ist, dass er das verstanden hat“, sagt ein Aufsichtsrat.

    Autoproduktion stockt im gesamten VW-Reich

    Bätzold muss derartiges Gezerre um Pfründe stören. Er macht sich vielmehr Sorgen um die Mitarbeiter. Nach dem kompletten Stillstand hat VW das Werk wieder angefahren. Mit 5000 Beschäftigten ist immerhin rund ein Drittel aus der Kurzarbeit zurückgekehrt. In dem Hallenkomplex mit einem Ausmaß von 120 Fußballfeldern sind nur wenige anzutreffen. Die Autoproduktion stockt im gesamten VW-Reich.

    Die Nachfrage nach Fahrzeugen sei dramatisch zurückgegangen. Der Betriebsrat fordert daher einen deutlichen Konjunkturimpuls, damit die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen könne und die Beschäftigten eine Perspektive bei Volkswagen und am Standort hätten. Die Belange der Umwelt und der Gesellschaft klammert Bätzold dabei nicht aus. „Wir kommen am besten aus der Krise, indem wir die Transformation der Wirtschaft aktiv angehen.“

    Die Aufteilung der Prämie auf Hersteller und Staat sei den Bürgern besser vermittelbar, sagt Köhlinger. „Es geht nicht darum, eine höhere Dividende auszuschütten, sondern darum, die industrielle Infrastruktur zu erhalten.“ Hilfen für die Autoindustrie würden allen helfen. Bei BWM, Daimler, VW und Co. arbeiten deutschlandweit 800.000 Menschen. Weitere zwei Millionen sind bei Zulieferern und etwa Logistikfirmen beschäftigt, rechnet Köhlinger vor.

    Ohne eine Kaufprämie für Neuwagen werde es erhebliche Verwerfungen geben. Die Entscheidung darüber fällt die Bundesregierung – ohne ein weiteres Zutun der Branche. Ein für Dienstag geplantes Gipfelgespräch zwischen den Bossen von BMW, Daimler, VW und dem Kabinett Merkel sagte der Bund ab. Angeblich, so hieß es, sei alles gesagt.

    Mehr: Auf der Aufsichtsratssitzung von VW war ein Rauswurf von Herbert Diess kein Thema. Der Manager musste sich aber für die verpatzten Anläufe vom Golf 8 und ID.3 rechtfertigen.

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