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Trotz Krise in der Stahlbranche Dillinger Hütte blickt mit Zuversicht in die Zukunft

Paul Belche hat für einen Stahlmanager eine komfortable Position. Von dem rasanten Abschwung der Branche blieb die von ihm geführte Dillinger Hütte bislang verschont, erst langsam ebbt die Nachfrage ab.

FRANKFURT. Als spezialisierter Hersteller von Grobblechen beliefert die Dillinger Hütte vor allem Energiefirmen wie Nord Stream, die eine Gaspipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland baut. Rund 70 Prozent des dafür benötigten Stahls stamme von seinem Unternehmen, sagt Belche. Anders als viele Wettbewerber ist der saarländische Stahlkocher also nicht von der Fahrzeugindustrie abhängig.

Die Fokussierung macht sich bezahlt; auch im ersten Quartal, als die Stahlbranche weltweit von der Rezession gebeutelt wurde, verdienten die Saarländer noch gutes Geld. "Die Krise kommt erst jetzt im zweiten Quartal bei uns an", sagt der gebürtige Luxemburger, der zuvor bei Arcelor beschäftigt war.

Übertriebenen Handlungsdruck sieht der Vorstand um Belche nicht. Kurzarbeit ist zwar ab Mai wahrscheinlich, ein Stellenabbau aber undenkbar. "Wenn es wieder aufwärts geht, dann brauchen wir unser Personal", sagt Arbeitsdirektor Karlheinz Blessing. Ende vergangenen Jahres arbeiteten 5 300 Menschen für den viertgrößten deutschen Stahlproduzenten.

In der Branche wird das Unternehmen auch die "schwarze Perle" genannt; erst einmal in der 324-jährigen Firmengeschichte schrieb die Hütte keinen Gewinn. "In der großen Stahlkrise in den achtziger Jahren hatten wir eine rote Null", sagt Belche, der seit vier Jahren in Dillingen ist. Anfang April wurde sein Vorstandsvertrag bis zum Jahr 2015 verlängert.

Anders als seine Vorstandskollegen bei der Konkurrenz blickt der 56-Jährige ohne Sorge in die Zukunft. "Wir haben 2009 nicht abgeschrieben", sagte er kürzlich bei der Bilanzpressekonferenz. Es wird aber schwerer werden, denn zum Abnehmerkreise gehört mit der Maschinenbauindustrie auch eine Branche, die kräftige Nachfrageeinbußen verbuchen muss. Auch die Bauindustrie, die den saarländischen Stahl in Brücken und Gebäuden verbaut, ringt mit der Krise.

Für Belche lautet die Lösung Spezialisierung. "Wir können über 2 000 Stahlsorten herstellen." Die Hälfte davon sei erst in den vergangenen Jahren entwickelt worden. Dank seines technologischen Vorsprungs in dem Marktsegment könne die Dillinger Hütte höhere Preise von ihren Kunden verlangen. Ein Blick in die Bilanz gibt Belche recht. Der Umsatz erreichte mit 3,3 Mrd. Euro wie auch der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) mit 890 Mio. Euro einen Rekordwert. Die Ebit-Marge liegt bei 27 Prozent - und damit auf dem Niveau des Softwarekonzerns SAP.

Belche und seine Belegschaft haben aber auch einen anderen Grund, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen. Mit der Montan-Stiftung Saar hat die Stahlfirma einen Hauptaktionär, der nicht nur an Gewinnen interessiert ist. Zweck der Stiftung ist der Erhalt der Stahlindustrie in dem Bundesland.

Statt eine hohe Dividende zu zahlen, kann die Dillinger Hütte ihr Eigenkapital stärken. Der zuletzt ausgewiesene Bilanzgewinn von 395 Mio. Euro blieb weitgehend in der Firma. Die Stiftung blockierte auch eine Komplettübernahme durch Weltmarktführer Arcelor-Mittal, der daher im vergangenen Jahr einen Teil seiner Aktien abgab.

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