Trump zu Pharma-Konzernen „Ich will, dass Sie in den USA produzieren“

Der US-Präsident drängt Pharma-Konzerne dazu, ihre Produkte in den USA zu produzieren. In diesem Zuge kündigte Donald Trump auch an, dass er für bessere Preise bei Arzneien und härtere Genehmigungsverfahren sorgen wolle.
Update: 31.01.2017 - 17:42 Uhr Kommentieren
Erst war es die Autoindustrie – jetzt fordert der 45. US-Präsident auch die Pharma-Branche dazu auf, in den USA zu produzieren. Quelle: AP
Donald Trump

Erst war es die Autoindustrie – jetzt fordert der 45. US-Präsident auch die Pharma-Branche dazu auf, in den USA zu produzieren.

(Foto: AP)

WashingtonUS-Präsident Donald Trump drängt nun auch die Pharmaindustrie, zu einer verstärkten Produktion in den Vereinigten Staaten. Dadurch könnten viele Milliarden Dollar gespart werden - über niedrigere Preise und mehr Innovationen, sagte Trump am Dienstag nach einem Treffen mit den Chefs führender Firmen der Branche im Weißen Haus. Er hat bereits die Autobauer unter Androhung von Strafzöllen aufgefordert, die Fertigung im Land zu steigern und Arbeitsplätze zu schaffen.

Trump bekräftigte, für niedrigere Arzneimittelpreise zu sorgen. Der Republikaner beklagte, dass viele Unternehmen ihre Fertigung in andere Länder ausgelagert hätten, weil dort die Währungen abgewertet worden seien. Er forderte, andere Staaten müssten einen fairen Anteil der Entwicklungskosten für neue Medikamente übernehmen. Der Präsident stellte der Branche zugleich in Aussicht, das Zulassungsverfahren für neue Arzneien zu straffen, und kündigte die baldige Ernennung eines neuen Chefs der Arzneimittelbehörde FDA an.

An der Unterredung nahmen die Chefs des Schweizer Arzneimittelherstellers Novartis sowie der US-Pharmakonzerne Merck, Johnson & Johnson, Celgene, Eli Lilly, Amgen und der Leiter des Branchenverbands Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA) teil.

Aktien aus der US-Gesundheitsindustrie zogen zum Teil kräftig an: An der Wall Street stieg der Branchenindex um ein halbes Prozent, der Biotech-Index der Nasdaq rückte mehr als ein Prozent vor. In Europa dagegen verbuchte der Sektor leichte Abschläge.

Das Silicon Valley stellt sich gegen Trump
Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Bereits im Wahlkampf hatte der Republikaner angekündigt, ein Einreiseverbot für Muslime zu verhängen. Viele hielten das vermutlich für ein leeres Wahlkampfversprechen. Doch Trump hat vergangene Woche massive Einreisebeschränkungen verfügt, um „radikale islamische Terroristen“ aus dem Land fernzuhalten.

Proteste gegen Trump
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Vorerst sind von dem Einreiseverbot alle Flüchtlinge und viele Menschen aus muslimischen Ländern betroffen. Doch es regt sich vieler Orten Protest: Wie in Seattle gehen in den Vereinigten Staaten nun viele Menschen auf die Straße, um dagegen zu protestieren.

Google
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Und auch große Tech-Konzerne melden sich zu Wort, denn bei ihnen sind auch Mitarbeiter von dem US-Einreiseverbot betroffen. Als Reaktion hat Google seine Mitarbeiter aus dem Ausland zurückgerufen. Mehr als 100 Google-Mitarbeiter sollen davon betroffen sein. Sie sollen sich derzeit beruflich oder privat im Ausland befinden und aus muslimischen Ländern stammen.

Konzerne wie Google könnten wegen des Einreiseverbots auch Probleme bei der Rekrutierung von neuen Talenten bekommen. Eine Google-Sprecherin teilte am Freitag mit: „Wir sind besorgt über die Auswirkungen dieser Anordnung und über alle Vorschläge, die Einschränkungen für Google-Mitarbeiter und ihre Familien mit sich bringen könnten, oder die Schranken aufbauen, die große Talente an der Einreise in die USA hindern könnten.“

Sundar Pichai
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Auch der Google-Chef Sundar Pichai meldete sich in einer Mitteilung an seine Mitarbeiter zu Wort: „Es ist schmerzlich zu sehen, wie sich diese Anordnung persönlich auf unsere Kollegen auswirkt.“ Man habe die Position des Konzerns zu Einwanderungsfragen immer öffentlich bekannt gemacht und werde das auch weiterhin tun.

Sergey Brin
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Auch Google-Mitgründer Sergey Brin vertritt diese Position: Wie das Tech-Nachrichtenportal „The Verge“ berichtet, hat sich Brin den Protesten am Flughafen von San Francisco angeschlossen. Demnach kommentierte er seine Anwesenheit nicht, da er privat daran teilnahm. Wie Google-Chef Pichai stammt auch Mitgründer Brin aus einer Einwandererfamilie.

Mark Zuckerberg
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Facebook-Chef hat sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet: „Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern, und wir sollten stolz darauf sein“, schrieb Mark Zuckerberg. Er verwies auch auf die Herkunft seiner Ur-Großeltern, die aus Deutschland, Österreich und Polen gekommen seien. Die Eltern seiner Frau Priscilla seien als Flüchtlinge aus China und Vietnam in die USA gekommen. Die Erlasse zur Einwanderung beunruhigten ihn, schrieb Zuckerberg. Der Facebook-Chef setzte sich schon 2013 für eine Reform des Einwanderungsgesetzes ein.

Tim Cook
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Im Dezember hatte sich Tim Cook noch zusammen mit anderen Tech-Chefs mit Donald Trump in New York getroffen. Das US-Einreiseverbot verurteilt der Apple-Chef ebenfalls: Diese Politik sei keine, die der Konzern unterstütze, heißt es in einer E-Mail an seine Mitarbeiter, die dem „Business Insider“ vorliegt. Man sei bereits in Kontakt mit betroffenen Mitarbeiter, um diese zu unterstützen. Apple hätte es ohne Einwanderung nicht gegeben, schreibt Cook (Apple-Gründer Steve Jobs hatte einen syrischen Vater). Cook beendete sein Schreiben mit den Worten Martin Luther Kings: „Wir mögen zwar in unterschiedlichen Schiffen gekommen sein, aber wir sitzen alle im selben Boot.“

Kurz vor seinem Amtsantritt hatte Trump mit harscher Kritik an der Pharmaindustrie die Investoren verunsichert und Pharma-Aktien auf Talfahrt geschickt. Später warf er der Branche vor, bei der Preisgestaltung "über Leichen" zu gehen, und kündigte einen härteren Kurs bei Preisverhandlungen an. Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die eine Billion Dollar schwere Pharmaindustrie - sie erzielt dort 40 Prozent ihrer Umsätze. Zudem verdienen die Unternehmen dort überdurchschnittlich gut, weil ihnen bei der Preisgestaltung kaum Grenzen gesetzt sind.

Trump will mit steuerlichen Anreizen und Deregulierung die Industrieproduktion in den USA ankurbeln. Wer dort fertigt, soll demnach Vorteile erhalten. Firmen, die die Produktion ins Ausland verlagern, müssen hingegen mit hohen Einfuhrzöllen rechnen.

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