TV-Kritik Jauch ADAC liegt „wirklich am Boden“

Betont demütig hat sich ADAC-Präsident Meyer bei Günther Jauch einer Menge Kritik gestellt. Damit überstand er die Sendung erstaunlich unfallfrei. Allerdings sind ihm viele heikle Fragen auch erspart geblieben.
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ADAC-Präsident Peter Meyer gab sich in der Talkshow von Günther Jauch zerknirscht. Die Strategie ging auf. Quelle: dpa

ADAC-Präsident Peter Meyer gab sich in der Talkshow von Günther Jauch zerknirscht. Die Strategie ging auf.

(Foto: dpa)

BerlinNicht nur gut 19 Millionen Deutsche sind Mitglied beim ADAC, Günther Jauch ist es auch, wie er am Sonntagabend sagte. In seiner Talkshow stellte sich der Präsident des Automobil-Clubs „erstmals im Fernsehen“ der seit Wochen wogenden Kritikwelle. Peter Meyer saß zunächst mit bleichem Gesicht und ADAC-gelber Krawatte sichtlich angespannt auf dem Ledersessel in der Runde „Totalschaden ADAC – was ist das für ein Pannenverein?“.

Er konnte sich aber bald entspannen. Denn auch wenn Jauch die Latte anfangs hochlegte – vor den jüngsten Enthüllungen seien nicht nur Organisationen wie Greenpeace, sogar die Kirchen „vor Neid erblasst“ angesichts der „Glaubwürdigkeitswerte“ des ADAC – wirklich schlimm kam es nicht für Meyer.

Der sichtlich nicht Talkshow-gestählte Vereinschef legte mit einer Feuerwerk der Selbstkritik los (er sei „tief betroffen von den Skandalen“, „wir liegen wirklich am Boden“, der Club nehme Kritik „mit Demut entgegen“ ...). Anschließend kam er mit seiner Linie, dass vieles „dem ehrenamtlichen Präsidium so nicht bekannt“ gewesen sei, sowie mit routinierten Erklärungen althergebrachter Club-Prinzipien so unfallfrei durch die Sendung, dass Jauch ihm am Ende bescheinigte, sein Auftritt sei „aller Ehren wert“ gewesen.

Was dem ADAC zur Last gelegt wird
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14. Januar 2014

Seinen Lauf nahm der Skandal um den Automobilclub am 14. Januar, als Vorwürfe laut wurden, dass der ADAC die Abstimmungszahlen des Autopreises "Gelber Engel" manipuliert habe – mutmaßlich direkt durch die Führung der Kommunikationsabteilung.

Laut einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ sollen nur 3.409 ADAC-Mitglieder bei der Wahl zum „Gelben Engel“ den VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen gewählt haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt. Es sei nicht das erste Mal, dass der ADAC zwar nicht das Ranking selbst, wohl aber die Stimmenzahl manipuliert habe.

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16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem "Gelben Engel" spricht Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung, vor den geladenen Gästen von "Unterstellungen und Unwahrheiten". Die Leser der Kundenzeitschrift "Motorwelt" hatten den Golf nach ADAC-Angaben mehrheitlich gewählt. Zu den Vorwürfen der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, er könne nur versichern, dass die vier Buchstaben "ADAC" richtig abgedruckt worden seien. Im übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: "Mit der packt man den Fisch ein." Wie viele Leser sich tatsächlich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilte der ADAC auch anlässlich der Preisverleihung nicht mit.

VW-Chef Martin Winterkorn, der den Preis für das Lieblingsauto in München entgegennahm, wollte sich nicht zu den Manipulationsvorwürfen äußern. "Das sollte die "Süddeutsche Zeitung" mit dem ADAC ausmachen, da halte ich mich raus", sagte er. "Ich glaube nicht, dass hier der Eindruck entstanden ist, dass hier ein Klüngel vorhanden ist."

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17. Januar 2014

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe haben ADAC-Geschäftsführung und Präsidium eine lückenlose interne Prüfung angeordnet.

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19. Januar 2014

Der Leiter Öffentlichkeitsarbeit des ADAC und Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt", Michael Ramstetter, räumte die Manipulationen ein und legte sein Amt nieder. Weder Geschäftsführung noch Präsidium seien zuvor "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl" unterrichtet gewesen. Die anderen Kategorien beim Preis „Gelber Engel“ seien von den Vorgängen nicht betroffen, betonte der Autoclub. Er will Vertrauen zurückgewinnen und kündigte an, bis 2015 für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren zu entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.

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19. Januar 2014

Die Manipulationen werfen nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. "Wenn sie beim Gelben Engel lügen, könne man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen", betonte er. Im ADAC-System laufe grundsätzlich etwas falsch. Der Autoexperte führt dies unter anderem auf das Fehlen von Kontrollmechanismen in dem Verband zurück.

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20. Januar 2014

Die Vorwürfe weiten sich aus: Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ergaben erste interne Untersuchungen beim ADAC, dass zumindest 2012 und 2013 die Zahl der Stimmen künstlich erhöht wurde. Nach Informationen der Zeitung sollen neben Ramstetter auch leitende Mitarbeiter der "ADAC Motorwelt" in den Betrug eingeweiht gewesen sein. "Wir haben hier ganz klar einen Hauptverantwortlichen", sagte Obermair, alles andere müsse die Prüfung zeigen.

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20. Januar 2014

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung der Manipulationen auf. "Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung. "Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung", sagte er vor einer CSU-Vorstandssitzung. Die Manipulationen hätten ihn nicht überrascht, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. "Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann", sagte Seehofer.

Heikle Fragen nach Rettungshubschrauber-Flügen wurden allerdings gar nicht gestellt. Heftige Kritik der anwesenden Journalisten kam erst in der zweiten Sendungshälfte auf: „Sie sind inzwischen ein Riesenkonzern, haben aber keine Konzernstruktur“, sagte Uwe Ritzer, einer der Redakteure der „Süddeutschen Zeitung“, der als erster über die Probleme berichtet hat. Der ADAC sei „vollkommen intransparent“ und habe eine „unglaubliche Nähe zur Industrie“, der Automobil-, Finanz- und Versicherungswirtschaft, entwickelt.

Als Verein werde der ADAC „nicht mehr zu halten sein“, so werde er künftig wohl „sehr viel höhere Steuern“ auf die gewerblichen Dienstleistungen zahlen müssen, von denen er eine Menge anbietet, prophezeite die Wirtschaftspublizistin Margaret Heckel. Der Club mache „jede Menge Provisionsgeschäfte“, die Geschäftszahlen der ADAC-Beteiligungs GmbH aber würden nirgend veröffentlicht, beklagte der wohl am häufigsten im deutschen Fernsehen auftretende Automobilwirtschafts-Experte, Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Fünfter Gast der Talkrunde war der dritte Journalist darin: Franz W. Rother, stellvertretender Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ (Verlagsgruppe Handelsblatt), sah ebenfalls den Rückhalt der Politik schwinden, brachte das aber auch mit dem Eintreten des ADAC gegen die Pkw-Maut für Ausländer in Verbindung, die der neue Verkehrsminister Alexander Dobrindt unbedingt einführen möchte.

Tatsächlich war bemerkenswert, dass kein einziger Politiker in dieser Jauch-Runde saß. Vertreter der Bundesregierung hätten angesichts der Millionen ADAC-Mitgliedern doch noch immer Angst, etwas Falsches zu sagen, vermutete Dudenhöffer. Die implizite Frage, ob der alles andere als fernsehscheue Dobrindt oder andere Politiker denn eingeladen worden waren, beantwortete Jauch allerdings nicht.

„Beim ADAC gibt es nicht mal einen Treppenlift“
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10 Kommentare zu "TV-Kritik Jauch: ADAC liegt „wirklich am Boden“"

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  • Ich frage mich, weshalb man nur auf dem ADAC (berechtigt) herumhackt und sich nicht Gedanken über ähnliche Fälle macht. Mir kommt da das Deutsche Rote Kreuz e.V. in den Sinn.

  • Geht mal auf die Webseite des ADAC und gebt dort in der Suche "Ehrliche Tests" ein.
    Ergebnis: 0 Treffer ;-)

  • Bei vermuteten 1,8 Mio. Mitgliedern sind 5.000 ja nicht mal 0,3%

    (Und nein, es sind nicht 18 Mio Mitglieder. Zahlen vom ADAC sind immer durch 10 zu teilen.)

  • Jauch bleibt halt Jauch

  • Man hat den Präsidenten schön reden lassen. Hr. Meier stellte sich hin u. hat alles schön geredet. Die Antworten diese Menschen war larifari.
    Ich war beim ADAC in der Verkehsrechtschutzversicherung.
    Nach 9 Schadensfälle hat man mich rausgeschmissen.
    Ein Club der für Autofahrer da sein sollt.

  • naja, wenn die fragen vorher abgesprochen werden....Tze

  • Statt den Finger in die Wunde zu legen, waren Jauch und Gäste auf Kuschelkurs. Schade. Die Sendung war vergeudete Zeit.
    Dem ADAC geht es meiner Meinung nach so wie der Stiftung Warentest nach dem Ritter Sport Desaster: Ich traue dort keiner Statistik oder Untersuchung mehr.

  • Heute Morgen war im Radio bereits zu vernehmen, daß bisher ca. 5.000 Mitglieder dort ausgetreten sind. Wenn das nun wirklich so eine korrupte Ramschbude sein sollte geschieht das auch sehr Recht, denn ein solches Verhalten sollte nicht auch noch geldlich entlohnt werden. Andererseits kann man so langsam die Frage stellen, an welcher Ecke heute nicht mehr getrickst wird...

  • Solange noch soviele Mitglieder brav die Machenschaften, die Gierde der Funktionäre finanzieren, ist der ADC noch lange nicht am Boden. Oder meinte er, weil jetzt alles ans Tageslicht kommt?

  • Was Meyer da gestern quasi unter Krokodilstränen zum Besten gab, ist schlicht eine Farce und Jauch war sehr bemüht, ihm seinen Job zu retten. Tatsache ist aber, dass dieser Mann seinen Laden nicht im Griff hat und vermutlich alles dazu beigetragen hat, eine Intransparenz innerhalb des ADAC aufzubauen, damit eine Kontrolle von außen nicht möglich ist. Der ADAC hat mit den Mitgliedsbeiträgen so viel Geld gehortet und Überschüsse erzielt, die zu erheblichen Investitionen in Wirtschaftsbetriebe genutzt wurden anstatt die Mitgliedsbeiträge zu senken. Dadurch ist der ADAC zu einem regelrechten Machtfaktor in unserem Staat geworden. Grundsätzlich würde ich das noch nicht als verwerflich bezeichnen, die Macht wird aber von einem kleinen Führungsgremium des ADAC ausgeübt, nicht von seinen Mitgliedern und dieser Zustand ist mehr als bedenklich, da ein demokratischer Prozess praktisch nicht stattfindet.
    Von Jauch hätte ich einen Journalismus erwartet, der mehr zur Aufklärung beiträgt. Die bekanntgewordenen Privatflüge stellen mE nur die Spitze eines Eisbergs dar. Wer je in die Notlage kam, einen Rettungsflieger in Anspruch nehmen zu müssen, weiß, wie restriktiv der ADAC da sein kann.
    Sollten nun im Laufe der jetzigen Ermittlungen noch mehr Schandtaten ans Licht kommen, dürfte Meyer nicht mehr zu halten sein.

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