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Übernahme Milliardendeal in der Biotechbranche: Thermo Fisher will Qiagen kaufen

Der US-Konzern greift nach Deutschlands größtem Biotechunternehmen. Ende 2019 hatte die Qiagen-Führung einem Verkauf noch eine Absage erteilt.
03.03.2020 Update: 03.03.2020 - 17:16 Uhr Kommentieren
Für 11,5 Milliarden Dollar will Thermo Fisher Scientific die deutsche Biotechfirma übernehmen. Quelle: Imago
Qiagen-Zentrale in Hilden

Für 11,5 Milliarden Dollar will Thermo Fisher Scientific die deutsche Biotechfirma übernehmen.

(Foto: Imago)

Frankfurt Noch an Weihnachten hatte die Unternehmensführung von Qiagen alle Gespräche mit Übernahme-Interessenten abgesagt, nun kommt es aber doch zum Deal: Für 11,5 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro) will der amerikanische Konzern Thermo Fisher Scientific die deutsche Biotechfirma übernehmen und damit seine Position im Bereich der Diagnostik und bei Produkten für die Biotechforschung verstärken.

Die Übernahme von Qiagen ist der mit Abstand größte Deal in der deutschen Biotechbranche und zugleich auch eine der größten Akquisitionen für Thermo Fisher. Der US-Konzern will 39 Euro je Qiagen-Aktie zahlen. Im Kaufpreis sind außerdem rund 1,4 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten von Qiagen enthalten, die Thermo Fisher miterwirbt.

„Die Übernahme ermöglicht es uns, unsere führenden Innovationsfähigkeiten zu verstärken und zu beschleunigen“, erklärte Thermo-Fisher-CEO Marc Casper zu der Transaktion. Man erwarte erhebliche Kosten- und Vertriebssynergien von dem Zusammenschluss. Zum Handelsstart an der Frankfurter Börse stieg die Qiagen-Aktie am Dienstag schnell um 21 Prozent auf 38,62 Euro.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Daniel Wendorf zahlt Thermo Fisher für Qiagen einen hohen Preis: Der liegt beim mehr als 20-Fachen des für dieses Jahr erwarteten operativen Gewinns (Ebitda). Qiagen hatte im vergangenen Jahr zweimal seine Wachstumsprognose zurückgenommen. Kalkuliere man die angestrebten rund 150 Millionen Dollar Kostensenkungen mit ein, sei der Preis in einer vernünftigen Größenordnung, so Wendorf. Angesichts der Höhe der Offerte erwartet der Commerzbank-Analyst kein Bietergefecht.

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    Die Kostensenkungen sollen laut Thermo Fisher durch die Integration der beiden Organisationen erzielt werden. Konkretere Angaben etwa zu einem Stellenabbau gab es nicht. Außerdem soll Qiagen von der Börse genommen werden. Die Übernahme soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Größere kartellrechtliche Hürden werden nicht erwartet, die Produktpalette der beiden Unternehmen ergänze sich, heißt es. Allerdings muss das Übernahmeangebot von mehr als 75 Prozent des Grundkapitals angenommen werden. Die größten Aktionäre von Qiagen sind derzeit die Fondsgesellschaft Blackrock mit 10,6 Prozent, Sun Life Financial mit 5,85 Prozent sowie Primecap Management mit 5,8 Prozent.

    Grafik

    Thermo Fisher mit zuletzt 25 Milliarden Dollar Umsatz und 121 Milliarden Dollar Börsenwert gilt als einer der führenden Hersteller von Laborgeräten und Materialien für die Pharma- und Biotechforschung. Er wird bereits seit Längerem als Interessent für Qiagen gehandelt. Das deutsche Unternehmen ist nämlich von seiner Produktpalette her eine besonders interessante Ergänzung für Thermo Fisher. Qiagen erzielte zuletzt rund die Hälfte seines Umsatzes von 1,5 Milliarden Dollar mit Diagnostika und die andere Hälfte mit Reagenzien für die Biochemie- und Genforschung.

    Qiagen wurde 1984 in Düsseldorf gegründet und ist seit 1997 an der Frankfurter Börse notiert. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 5100 Mitarbeiter, davon 1500 in Deutschland. Der operative Sitz ist in Hilden bei Düsseldorf, die Holding im niederländischen Venlo ansässig.

    Das Biotechunternehmen ist als Spezialist für Reagenzien und Technologien zur Aufbereitung von Nukleinsäuren, den Trägermolekülen für Erbinformationen, groß geworden und beliefert in dieser Rolle Gentechniklabore weltweit. Mit einer Serie von Zukäufen und Eigenentwicklungen fasste der Konzern zudem Fuß im Bereich der klinischen Diagnostik. Thermo Fisher könnte daher durch eine Übernahme mehrere seiner Geschäftsfelder stärken und zudem erhebliche Synergien im Vertrieb generieren.

    Im letzten Geschäftsjahr erzielte Thermo Fisher rund ein Viertel seines Umsatzes mit Laborgeräten und 15 Prozent mit Diagnostika. Der Rest entfällt auf Reagenzien, andere Materialien und Serviceleistungen. CEO Marc Casper betonte im Investorencall, dass sich beide Unternehmen mit ihren Portfolios gut ergänzten. Man wolle das Wachstum von Qiagen vorantreiben, indem die Produkte weltweit breiter über das Vertriebsnetz von Thermo Fisher vermarktet würden.

    Der Lifescience- und Diagnostik-Sektor ist seit Jahren bereits von einem deutlichen Konsolidierungstrend mit zahlreichen Übernahmen geprägt, darunter etwa die Übernahme des Biotech- und Diagnostikgeschäfts von General Electric durch die US-Firma Danaher und die Akquisition von Sigma-Aldrich durch die deutsche Merck-Gruppe.

    Auch Thermo Fisher ist mit einer Serie an Transaktionen groß geworden. Vor Jahren kaufte der US-Konzern bereits die deutsche Diagnostikfirma Brahms.

    Prognosen verfehlt

    Qiagen wies im abgelaufenen Geschäftsjahr aufgrund hoher Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen einen Nettoverlust von 41 Millionen Dollar aus. Das Unternehmen war angreifbar geworden, nachdem man zuletzt mehrmals die eigenen Wachstumsprognosen verfehlte und jüngst im Bereich der Gen-Sequenzierung einen gravierenden Strategiewechsel vollziehen musste. Dort verabschiedet sich der Konzern von der Weiterentwicklung der eigenen Technologie, des sogenannten Gene-Readers, zugunsten einer Allianz mit dem marktführenden US-Konkurrenten Illumina.

    Zudem verkündete der langjährige Firmenchef Peer Schatz Anfang Oktober überraschend seinen sofortigen Rücktritt, was aus Sicht von Analysten ein gewisses Führungsvakuum an der Konzernspitze hinterließ.

    Ende November bestätigte Qiagen, dass man „mehrere nicht verbindliche und bedingte Interessensbekundungen über einen Erwerb sämtlicher ausgegebener Aktien“ erhalten habe. Doch in den nachfolgenden Gesprächen erzielte man mit den Interessenten offenbar keine Einigung.

    An Heiligabend gab das Qiagen-Management bekannt, dass man die Überprüfung potenzieller strategischer Alternativen beendet habe. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass die eigenständige Durchführung der aktuellen Planungen die beste Möglichkeit zur Steigerung des künftigen Wertpotenzials darstelle.

    Zwei Monate später – und offenbar unter dem Eindruck einer verbesserten Offerte von Thermo Fisher – kam es nun aber zum Meinungswandel. „Der strategische Schritt mit Thermo Fisher führt uns in eine vielversprechende neue Ära“, erklärte Interims-CEO Thierry Bernard, der im Oktober die Nachfolge von Peer Schatz angetreten hatte. Die Kombination liefere erheblichen Wert für die Aktionäre und ermögliche Qiagen die beschleunigte Entwicklung von Lösungen für die Kunden und Fortschritte für Wissenschaft und Gesundheitsleistungen.

    Mehr: Nach der Absage der Übernahmegespräche muss Qiagen nun beweisen, dass es aus eigener Kraft stärker wachsen kann.

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