Übernahme von Engelhard BASF drohen Klagen von Asbestgeschädigten

War doch krebserregendes Asbest im Talk der US-Firma Engelhard? Die BASF hatte den Konkurrenten vor Jahren in gutem Glauben übernommen. Jetzt drohen dem deutschen Konzern Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe.
Den deutschen Chemiekonzern holt die Vergangenheit seines Übernahmepartners Engelhard aus den USA ein. Quelle: dpa
BASF

Den deutschen Chemiekonzern holt die Vergangenheit seines Übernahmepartners Engelhard aus den USA ein.

(Foto: dpa)

Als BASF vor neun Jahren den Konkurrenten Engelhard für fünf Milliarden Dollar erwarb, übernahm das Unternehmen aus Deutschland offenbar unwissentlich eine tickende Zeitbombe an Rechtskosten.

Alles begann vor Jahrzehnten mit dem scheinbar banalen Werkstoff Talk, der in der Industrie vielfältige Verwendung findet. 1983 erzielte Engelhard still und heimlich einen Vergleich, nachdem Mitarbeiter im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung ausgesagt hatten, Talk aus einer konzerneigenen Mine enthalte krebserregenden Asbest.

Das Beweismaterial wurde damals unter Verschluss gebracht. In nachfolgenden Verfahren, die sich über mehr als zwei Jahrzehnte hinzogen, erklärten Engelhard und deren Anwälte immer wieder, der Talk des Unternehmens enthalte kein Asbest.

Erst 2009, nachdem BASF die Verpflichtungen von Engelhard übernommen hatte, änderte sich das Bild. Ein früherer Wissenschaftler von Engelhard erklärte in einem von seiner Tochter angestrengten Verfahren, ihm sei gesagt worden, man habe Spuren von Asbest im Talk gefunden. Die Rechtsabteilung der Firma „forderte uns auf, unsere Unterlagen zu säubern“. Ein anderer Mitarbeiter sagte zu Tests aus den 1970er-Jahren aus, bei denen Asbest im Talk nachgewiesen worden sei.

Öl aus Libyen, Styropor und die Kompaktkassette
Firmengründer Friedrich Engelhorn
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Der Leuchtgasfabrikant Friedrich Engelhorn gründet im April 1865 in Mannheim mit Partnern die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF). Sie soll aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Doch Mannheim bleibt Engelhein nur sehr kurz treu.

Konzession
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Denn Subventionen locken ihn schon unmittelbar nach Gründung nach Ludwigshafen. Datiert auf den 8. Mai 1865 ist eine Konzession für die Badische Anilin- und Soda-Fabrik.

BASF-Stammwerk 1866
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In den Anfangstagen reichte das Werk in Ludwigshafen noch nicht bis ans Rhein-Ufer. Doch die Schlote qualmten auch damals schon.

Auslandsexpansion
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Auch die Auslandsexpansion gehört schon früh zur Geschäftsstrategie von BASF. Das Bild zeigt eine Fabrik in Moskau im Jahr 1877.

Stammwerk Ludwigshafen, 1881
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Schon wenige Jahre nach der Gründung folgen die ersten Zukäufe. Sehr schnell übernehmen neben den Kaufleuten die Chemiker und Ingenieure eine tonangebende Rolle im Unternehmen – und treiben die Expansion mit bahnbrechenden Neuerungen voran, mit Herstellverfahren etwa für Farbstoffe, Schwefelsäure oder später dem Haber-Bosch-Verfahren, das die Düngemittelproduktion revolutionierte.

Werk in Ludwigshafen, 1901
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Das rasante Wachstum der Firma lässt sich am Wachstum des Werksgeländes in Ludwigshafen ablesen.

Forschung wird zum Erfolgsfaktor
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Aufbau einer Produktionsanlage im Jahr 1913 in Oppau, nahe Ludwigshafen. Ab 1908 beginnt die BASF nach grundlegenden Arbeiten des Karlsruher Professors Fritz Haber unter Leitung von Carl Bosch mit der Realisierung der Ammoniaksynthese im industriellen Maßstab.

Nach diesen Enthüllungen setzten Auseinandersetzungen darüber ein, was Engelhard über seinen Talk wusste, was die Unternehmensanwälte unternahmen - und ob Tausende von Menschen in den USA das Recht erhalten sollten, ihre Altklagen im Zusammenhang mit Asbest-Erkrankungen erneut zu erheben oder neue einzureichen – diesmal gegen BASF.

„Dies hat wirklich die Büchse der Pandora geöffnet”, sagt Tom Bevan, ein Anwalt, der in den 1990er- Jahren mehrere hundert Personen bei Klagen gegen Engelhard vertrat und derzeit in einen vor einem Bundesgericht verhandelten Fall gegen BASF involviert ist. „Ich möchte im Moment kein BASF-Aktionär sein, „denn es drohen Milliarden von Dollar an Zahlungen, weil sie für die Lügen eines Unternehmens haften müssen, das sie gekauft haben.”

BASF mit Sitz in Ludwigshafen steht im Zusammenhang mit dem Talk vor rund 300 Klagen. Der Konzern hat versucht, sich von Engelhard und deren Anwälten zu distanzieren. Klägeranwälte schätzen, dass im Zusammenhang mit dem Engelhard-Talk bis zu 10.000 Fälle neu aufgerollt werden.

Das Unternehmen, das keine Kosten-Prognosen den Asbest-Fällen, die mit Talk in Verbindung stehen, veröffentlicht hat, weist Bevans Einschätzung zu möglicher Haftung zurück. Es handele sich dabei um gegenstandslose Spekulation durch Kläger-Anwälte, sagt eine BASF-Sprecherin. BASF spekuliere grundsätzlich nicht über mögliche Haftungsfälle.

In den USA droht Sammelklage
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