Übernahme von Flatiron Health Roche will mit Big Data gegen Krebs kämpfen

Zwei frühere Google-Mitarbeiter wollen mit Daten bessere Krebstherapien ermöglichen. Nun kauft Pharmariese Roche ihr Start-up für einen Milliardenbetrag.
Update: 16.02.2018 - 10:56 Uhr Kommentieren
Flatiron Health: Roche will mit Big Data gegen den Krebs kämpfen Quelle: Reuters
Roche

Mit der Übernahme von Flatiron baut der Pharmakonzern seine Kompetenzen im Big Data-Bereich aus.

(Foto: Reuters)

ZürichWenn Pharmaunternehmen andere Firmen schlucken, dann geht es dabei meistens um neue Medikamente oder Behandlungsmethoden. Doch der jüngste Zukauf des Schweizer Roche-Konzerns ist anders. Die Basler legen 1,9 Milliarden US-Dollar für ein Unternehmen namens Flatiron Health auf den Tisch. Die Amerikaner bieten einen besonderen Wirkstoff: Patientendaten.

Mit der Übernahme von Flatiron baut Roche nun seine Kompetenzen im Big Data-Bereich aus. Mit der gezielten Auswertung von Patientendaten verbindet die Pharmabranche enorme Hoffnungen. Die Big-Data-Analyse soll bessere Krebstherapien ermöglichen.

Flatiron wurde von den ehemaligen Google-Mitarbeitern Nat Turner und Zach Weinberg gegründet. Der Google-Mutterkonzern Alphabet zählt zu den Investoren der ersten Stunde. Das Start-up wertet Daten über Krebspatienten aus, die von Ärzten in elektronischen Patientenakten hinterlegt werden. Diese Daten können Forscher und Pharmafirmen dann verwenden, um bessere Behandlungsmethoden zu entwerfen. Sie können damit etwa gezielt die passenden Patienten für Studien suchen, mit denen neue Medikamente getestet werden sollen. Derzeit arbeitet Flatiron mit mehr als 265 Krebskliniken zusammen.

Die Daten sind für die Pharmabranche wertvoll. Denn heute können Forscher verschiedene Krebsarten zwar immer genauer unterscheiden. Doch dadurch wird die Behandlung auch komplexer. Um ein neues Medikament zu testen, müssen Pharmafirmen erst eine ausreichende Zahl von geeigneten Patienten finden, die am gleichen Krebstyp erkrankt sind.

Der Analyst Stefan Schneider von der Bank Vontobel nennt Flatiron eine „hervorragende Ergänzung“ für Roche. „Dank realer Daten sollten klinische Krebsstudien rascher und mit der richtigen Patientenauswahl geplant werden können.“ Dadurch könne der Pharmakonzern schnellere und wirksamere Therapien entwickeln.

Flatiron soll nach der Übernahme als unabhängige Einheit im Roche-Konzern fortbestehen. Gründer und Mitarbeiter bleiben an Bord. Das sei eine Bedingung für den Deal gewesen, sagte Flatiron-Chef Turner dem amerikanische Nachrichtensender CNBC.

Roche-Pharmachef Daniel O’Day nennt den Zukauf einem „wichtigen Schritt in unserer personalisierten Health-Care-Strategie“. Die Auswertung von Patientendaten aus der „echten Welt“ sei „ein Schlüssel, um die Entwicklung und den Zugang zu neuen Krebsbehandlungen zu beschleunigen“.

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

Roche-Chef Severin Schwan hatte bei der Vorstellung der jüngsten Bilanz erneut betont, dass die gezielte Analyse von Daten für den Pharmakonzern immer wichtiger werde. Im Oktober lancierten die Basler ein „Tumor Board“ – das ist eine Software, die Onkologen im klinischen Alltag unterstützen soll. Auch der Konkurrent Novartis verbindet mit der Datennutzung große Hoffnungen. Vorstandschef Vas Narasimhan will aus dem Pharmakonzern ein „Medikamenten- und Datenunternehmen“ machen.

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